Mit Schulbeginn starten in Paldau und Bad Radkersburg Partnerklassen
Für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf werden sogenannte Partnerklassen in den Volksschulen in Paldau und Bad Radkersburg eingerichtet. Start ist am Montag.

Am Montag startet in der Steiermark wieder die Schule. Für zehn südoststeirische Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf ist es ein ganz besonderer Schulbeginn, denn sie kommen in die neuen Partnerklassen in den Volksschulen Paldau und Bad Radkersburg.
Seit 2018 werden in Österreich die sonderpädagogischen Fördermaßnahmen nicht mehr durch Zentren für Inklusiv- und Sonderpädagogik bereitgestellt, sondern durch die jeweilige Bildungsdirektion. Eltern von Kindern mit Behinderung sollten dabei die Wahlmöglichkeit haben, ihr Kind in eine Sondereinrichtung zu geben oder in ein inklusives Setting einer Volks- oder Mittelschule. In der Südoststeiermark habe man in den vergangenen Jahren bei Bedarf in Schulen einen Ruheraum eingerichtet oder sie barrierefrei gestaltet, um einem inklusiven Setting gerecht zu werden, erklärt Sabine Macher, Diversitätsmanagerin in der Bildungsregion Südoststeiermark.
Keine Sonderschule in der Südoststeiermark
Für das Schuljahr 2026/27 habe es jedoch vermehrt Anfragen von Eltern gegeben, die ihr Kind in eine Sonderschule geben wollen und somit in andere Bildungsregionen hätten ausweichen müssen – denn eine solche gibt es in der Südoststeiermark nicht. „Dann haben wir uns überlegt, was wir anbieten können, um sie gut abzuholen“, erklärt Macher, wie man zum Entschluss kam, sogenannte Partnerklassen einzurichten.

Schulsprengel noch offen
In den Volksschulen Paldau und Bad Radkersburg werden die Partnerklassen mit kommendem Montag Realität: Zusätzlich zu den regulären Klassen werden dann in jeweils einer Klasse Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf betreut. Für die beiden Standorte hat man sich aus geographischer Perspektive entschieden, wie Macher erklärt.
Da die VS Paldau neu umgebaut wurde, erfüllt sie die Voraussetzungen bereits zu 100 Prozent, sagt Macher. In der VS Bad Radkersburg werden im laufenden Schuljahr bauliche Anpassungen folgen: Ein Ruhe- und Wickelraum wird eingerichtet und die Schule wird barrierefrei. Wie genau der Schulsprengel verläuft, wird in einer Besprechung im Oktober vereinbart.
In Pausen sind Kinder zusammen
An beiden Schulen starten die Partnerklassen mit jeweils fünf Kindern, betreut werden sie von einer Inklusionspädagogin und einer Pflegeassistenz. Bei diesem Modell sind die Kinder mit Behinderung nicht komplett abgeschirmt, wie Macher betont: „Durchlässigkeit ist gegeben. Soziales Lernen findet im Klassenverband statt, auch in der Pausengestaltung kommen alle Kinder zusammen.“
Darauf legt auch Schulqualitätsmanagerin Agnes Totter großen Wert: „Wir sind eine inklusive Region. Es ist schon wichtig, dass Kinder dieselbe Schule besuchen können. Manchmal sind nur andere Settings notwendig, um Kinder bestmöglich zu fördern.“ Die Kinder können die Partnerklasse über ihre gesamte Schullaufbahn hinweg besuchen, aber auch in eine andere Klasse reintegriert werden – die Entscheidung wird individuell getroffen.
Das Konzept der Partnerklassen gibt es unter anderem in Graz oder Trofaiach, wo sie heuer auch erstmals startet.
„Bedarf ist da“
In Bad Radkersburg hat man durch die Heilstättenklasse, die eng mit dem Therapiezentrum Kids Chance im Radkersburger Hof zusammenarbeitet, bereits Expertise, betont Volksschuldirektorin Nina Prelec-Praßl. Ihr ist wichtig, dass die Eltern von Kindern mit mehrfachen Behinderungen nun die Wahl haben, ob sie ihr Kind in eine Partnerklasse, also eine Kleingruppe, oder in die reguläre große Klasse geben möchten.
Es gibt Kinder, die kann man einfach nicht in große Klassen setzen, sie haben andere Bedürfnisse
— Bettina Hotter, VS-Direktorin Paldau
Auch in Paldau zeigt sich die Volksschuldirektorin erfreut über das neue Angebot an ihrer Schule: „Der Bedarf ist da. Es gibt Kinder, die kann man einfach nicht in große Klassen setzen, sie haben andere Bedürfnisse“, sagt Bettina Hotter. In der Paldauer Partnerklasse werden fünf Kinder mit großteils schweren Behinderungen betreut werden. Das Ziel ist, dort bedürfnisorientiert zu arbeiten und Herausforderungen des Alltags zu bewältigen. Pausen werden gemeinsam verbracht, Feste gemeinsam veranstaltet. Auch dem regulären Musikunterricht können Kinder aus der Partnerklasse beiwohnen. Zudem werden Musik-, Logo-, Physio- und Ergotherpaie angeboten.
