Erwärmung ohne menschlichen Einfluss „physikalisch unmöglich“
FPÖ-Chef Herbert Kickl bestreitet im ORF-Sommergespräch, dass der Mensch einen maßgeblichen Einfluss auf die Veränderung des Klimas hat. Klimaforscher Gottfried Kirchengast widerspricht.

Herbert Kickl spricht von „Gotteslästerung“ und „Hybris“. Dass der Mensch in seiner – gemessen an der Erdgeschichte kurzen – Existenz einen maßgeblichen Einfluss auf das Weltklima haben könnte, schien dem FPÖ-Chef im ORF-„Sommergespräch“ mit Simone Stribl unplausibel. Die FPÖ sei die einzige Partei „die sich zum Klimawandel bekennt“, sagte Kickl, also natürliche Schwankungen akzeptiere und auf die Anpassungsfähigkeit des Menschen vertraue.
Wissenschaftlich sei der maßgebliche Einfluss des Menschen auf das Klima allerdings klar zu erkennen, erklärt Gottfried Kirchengast, Physiker und Klimaforscher am Wegener Center der Uni Graz. Bei Kickls Aussagen handle es sich daher um eine „aus politischer Taktik platzierte Irreführung“. So könne man die Entwicklung der gesamten Masse an CO₂ in der Atmosphäre über die vergangenen zwei Millionen Jahre berechnen. Waren es bis zum Einsetzen der Industrialisierung nie mehr als 2,2 Billionen Tonnen, befinden sich derzeit rund 3,3 Billionen Tonnen des Gases in der Atmosphäre. Dieses ist hauptverantwortlich für die globale Erwärmung und befeuert damit den Klimawandel. Ein Großteil dieser menschengemachten Zunahme sei dabei seit den 1960er-Jahren ausgestoßen worden, sagt Kirchengast, der den Anstieg als „beispiellos in zwei Millionen Jahren Erdgeschichte“ beschreibt.
Temperaturanstieg „beispiellos“
Ebenfalls „beispiellos“ sei die weltweite Erwärmung in den vergangenen Jahrzehnten. Seit Anfang der 1980er-Jahre ist die global gemittelte oberflächennahe Lufttemperatur um rund ein Grad Celsius gestiegen. Der Einfluss unterschiedlicher Faktoren könne physikalisch zuverlässig modelliert werden: etwa langsame natürliche Klimaschwankungen, Änderungen der Sonneneinstrahlung oder Auswirkungen des Vulkanismus oder des regelmäßig auftretenden Wetterphänomens „El Niño“. Doch der zuletzt beobachtete Temperaturanstieg wäre ohne die großen Mengen CO₂, die durch den Menschen in die Atmosphäre gelangt sind, „physikalisch unmöglich“, betont Kirchengast.
Richtig ist Kickls Behauptung, dass Österreich als kleineres Land für rund 0,2 Prozent der globalen CO₂-Emissionen verantwortlich ist. Pro Kopf gerechnet liegt der Ausstoß allerdings nicht nur deutlich über dem globalen Schnitt, sondern auch über dem Durchschnitt der EU-Staaten.