Tödliche Kuhattacke führt zu Routenänderung beim Dolomitenmann
Die Rahmenbedingungen werden nicht einfacher, das Event aber bleibt stabil. Geändert werden musste die Radstrecke aufgrund der tödlichen Kuhattacke im Mai.
Ein „wenig ein Zwickeljahr“ sei es, sagt Niki Grissmann, Organisator des Red Bull Dolomitenmanns, der heuer in seine 39. Auflage geht. Es ist das Jahr vor dem Jubiläum, für das man sich natürlich einige Höhepunkte aufsparen möchte. Auch die Sponsorensuche wäre angesichts von Wirtschaftskrisen und Co. knifflig. „Im Moment ist es überall sehr kompliziert, solche Events durchzuführen“, betont Grissmann, der vor 18 Jahren das Szepter von seinem Vater, Ex-Skiheld Werner „Grizzly“ Grissmann, übernahm. Der Papa erfand nach seiner Rennkarriere das Spektakel in den Lienzer Dolomiten. Auch viele Teams würden sich inzwischen genau überlegen, ob sie sich eine Teilnahme mit Hotel, Anfahrt und Logistik noch leisten können.
Dennoch: Die Vorfreude wächst bei Niki Grissmann, Mama Sandra Grissmann und Rennleiter Thomas Zimmermann stündlich: „Es ist schon viel los rund um Lienz.“ 110 Teams aus 13 Nationen sind gemeldet, darunter zwölf Mixed- und fünf reine Damenteams, die seit einigen Jahren den Dolomitenmann auch zur Dolomitenfrau machen. Viel mehr würde beim komplexen Teambewerb mit Berglauf, Paragleiten, Mountainbike und Kajak gar nicht gehen, erklären die Drei.
Wieder immer mehr junge Athleten
Beim Blick auf die Starterliste verweist Grissmann auf einen besonceren Aspekt. So geht die Zahl der über 50-Jährigen Teilnehmer zurück, bei den unter 25-Jährigen vermeldet man hingegen Zuwächse. „Der Dolomitenmann wird immer älter, wir Organisatoren werden immer älter, aber die Sportler nicht. Das war uns stets wichtig, dass das Event nicht mit den Teilnehmern altert.“ Auch dass sich weiterhin viele Einheimische der Herausforderung stellen, hebt der 44-Jährige hervor: 24 Athleten sind es, wobei es vier reine Teams aus Osttirolern und Kärntnern gibt.

Ein reines Osttiroler Frauenteam
Sogar ein Osttiroler Frauenteam wird durch die Dolomiten jagen. Angelika Bstieler aus Virgen (Berglauf), Isabella Dichtl aus Oberlienz (Paragleiten) sowie Sara Tiefenbacher (MTB) und Fanny Zinell (Kajak) aus Lienz dürften das Interesse auf sich ziehen. Sie preschen als Team „Osttiroler Weibischn Akt“ mit der Startnummer 105 los. Am höchsten eingeschätzt wird aus einheimischer Sicht bei den Männern das Team „Dolomite Bike“. Der Gesamtsieg dürfte indes nur über eines der vier, mit internationalen Athleten besetzten, Teams von „Kolland Topsport“ gehen. „Es wird Jahr für Jahr immer knapper. Aber am Ende gewinnen sie doch“, schmunzelt Grissmann, der das tschechische „Intersport“-Team als Geheimtipp nennt.
Auch beim Red-Bull-Team macht man sich Hoffnungen. Angeführt wird es von Anton Palzer. Der ehemalige Skiberglauf-Star war schon als Bergläufer mehrfach dabei, reüssierte die vergangenen Jahre als Rennradprofi, will nun mit dem Bike den Hochstein rocken. Grissmann: „Man sieht daran, was für vielseitige Sportler das sind. Der Toni war als Bergläufer schon in der Einzelwertung Zweiter und Dritter, jetzt will er als Kapitän den Teamsieg.“
Das Programm
Bereits am Freitag (11. September) startet das Red Bull Dolomitenmann-Wochenende mit der Ö3 Warm-Up-Night. Ab 19.20 Uhr sorgt DJ F.A.B.M. für die passende Einstimmung auf den großen Renntag.
Am Samstag (12.September) wandert die Aufmerksamkeit zunächst auf die Strecke, bevor sich das sportliche Geschehen am Abend wieder mitten ins Zentrum von Lienz verlagert. Ab 18.30 Uhr eröffnen die „Trombone Powerdays“ das Abendprogramm. Um 18.45 Uhr werden bei der großen Siegerehrung die besten Teams und Athleten gefeiert.
Danach wird aus dem Lienzer Hauptplatz eine Konzert- und Partyarena. Ab 20 Uhr übernimmt DJ Dave the Voice bei der Ö3 Champions Night. Gegen 22 Uhr folgt schließlich der musikalische Höhepunkt des Wochenendes: Folkshilfe steht live auf der Bühne.
In Sachen Wetter hoffen die Grissmanns, dass sich das anrollende Italientief wie angekündigt bis zum Start verzieht. Dann sei nur Nebel ein mögliches Problem. Ausweichstrecken stehen parat, so würde der Hochstein für das Kühbodentörl als Ziel der Bergläufer und Start der Paragleiter „einspringen“.
Tödliche Kuhattacke zwang zur Streckenänderung
Definitiv verändert werden musste die MTB-Strecke. Nach finaler Abfahrt von der Moosalm über den „Flow-Family-Trail“ geht es nicht wie geplant über den Isel-Trail gen Schotterwerk Glanz zum Wechsel auf die Kajakfahrer, sondern auf dem Radlweg. Der Grund: die tödliche Kuhattacke, die sich im Mai in diesem Bereich ereignet hatte. Rund 20 Lösungsvorschläge hätte man den Kuhhaltern unterbreitet, alle wären abgeschmettert worden, berichtet Grissmann enttäuscht. „Da war keine Kooperation zu erkennen. Wie es da zukünftig überhaupt weitergeht, müssen andere Gremien entscheiden. Für uns steht die Sicherheit der Sportler an erster Stelle.“
Der sonst zum Zuschauen beliebte Radweg zwischen Pfister und Glanzer Brücke ist für das Publikum folglich gesperrt. Nach Glanz solle man am besten über Oberlienz ausweichen. Generell appellieren die Organisatoren an die Eigenverantwortung der Zusehenden, etwa Hunde an die Leine zu nehmen und nicht „fotografierend aus dem Gebüsch zu hüpfen und die Biker zu erschrecken“. Am besten sei man zu Fuß oder vor allem mit dem E-Bike unterwegs. Rennleiter Zimmermann: „Da kommt man schnell zu fast jedem Hotspot hin.“
Es gilt absolutes Drohnenflugverbot
Ganz wichtig: Es gilt absolutes Drohnenflugverbot. Sandra Grissmann: „Da wird die Polizei rigoros sein, das gibt Strafen von bis zu 22.000 Euro.“ Nur das OK-Team selbst darf eine Drohne nutzen, die aber auch an Land bleiben muss, sobald einer der drei Hubschrauber oder der parat stehende C7 kreist. Koordiniert wird dies von einer eigenen Leitstelle. Zimmermann: „Das sieht von außen keiner, aber zeigt, wie komplex so ein Event inzwischen ist.“
