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Niki Grissmann: „Du kannst scheitern, das musst du auch“

Niki Grissmann, Organisator des Red Bull Dolomitenmanns, lässt im Vorfeld des Spektakels (12. September) tief blicken und gewährt auch exklusive, persönliche Einblicke.

Am 12. September geht‘s in Osttirol wieder rund
© Red Bull Content
Am 12. September geht‘s in Osttirol wieder rund
Denise Maryodnig
Redakteurin Sport

Was zeichnet jemanden aus, der beim Dolomitenmann mitmacht?

NIKI GRISSMANN: Das Streben nach etwas, das vorher nicht möglich war. Menschen verschieben ihre eigenen Grenzen und wollen sich in einer Leistungsgesellschaft beweisen. Auch wenn Verzicht dabei eine große Rolle spielt, treibt viele der innere Drang an, zu zeigen, was möglich ist. Dabei handelt jeder individuell – ob als Sieger oder allein für sich selbst.

Ihr emotionalster Moment?

Jedes Event ist speziell und emotional – egal, ob Marcel Hirscher im Kajak dabei war, bei den Jubiläen oder bei der Premiere des „Wings for Life“-Teams. Emotional wird es auch, wenn Herausforderungen zu lösen sind. Nur weil man etwas lange macht, heißt das nicht, dass alles problemlos abläuft. Heuer hatten wir aufgrund der neuen Strecke einige Hindernisse zu bewältigen – das sind emotionale Achterbahnfahrten.

Gibt es etwas aus der Geschichte, bei der Sie heute noch denken: „Das kann doch nicht wahr gewesen sein“?

Mehrere: Zum Beispiel wenn Sportlern Fehler unterlaufen sind oder als ich ein Kind war, es geschneit hat und die Berglaufstrecke aufgrund der Schneemassen nicht mehr auffindbar war oder als Hubert von Goisern kam und wir den Hauptplatz absperren mussten, was noch nie in Osttirol passiert ist.

Was ist für Sie als Organisator die größte Challenge?

Du kannst zwar im Vorfeld viel vorbereiten, nur kommt es im Eventmanagement zum Wochenende hin darauf an, im Moment zu reagieren. Du versuchst Dinge zu machen, die zeitgleich ineinanderfließen, sodass niemand merkt, wie viel Arbeit wirklich dahintersteckt. Nur kannst du einige Dinge, wie die Behörden oder das Wetter, nicht beeinflussen, deshalb habe ich immer ein Gaffa-Tape, Taschenmesser und Kabelbinder bei mir, um gewappnet zu sein, denn irgendwas ist immer.

Wie sehr hat sich der Dolomitenmann verändert – und was darf sich niemals verändern?

Verändert hat sich die Professionalität. Der Outdoorsport hat einen ganz anderen Stellenwert, als wir 1986 begonnen haben. Da hat es teilweise keine richtigen Sportgeräte gegeben, ein Mountainbike war ein Querfeldeinrad vom Bundesheer, ohne Federung, ohne Carbon – und bei den Kajaks und Paragleitern war es ähnlich. Was sich nicht verändern soll, ist die Zusammensetzung der vier Sportarten und dass es ein Teambewerb bleibt. Man bringt die Gesellschaft nur weiter, wenn man als Team agiert. Das ist heutzutage oft schwierig, da man meistens die individuellen Interessen über die kollektiven stellt.

Niki Grissmann
© KK
Niki Grissmann

Und inzwischen sind ja auch Frauen am Start.

Genau. Für mich gibt es keinen Geschlechterunterschied. Wir stellen eine Bühne zur Verfügung, auf der sich Menschen beweisen können, egal welchen Geschlechts oder sexueller Orientierung. Es geht darum, dass alle Leistungen im Team bringen können. Für mich war es ein wichtiger Schritt, denn die Frauen performen sensationell.

Sie stehen seit kleinauf in der Öffentlichkeit, dazu kommt Ihr Schwager Benjamin Karl. Denkt man sich manchmal: „Wieso geht‘s nicht ‚normaler‘?“

Was heißt normal? (lacht). Ich führe ein relativ geregeltes Leben in Graz. Die Geschichte mit dem Papa ist eine Bürde, aber sie war auch eine große Chance. Man kann nie sagen, man will A ohne B. So ist die Welt mit zig Grauschattierungen umgeben. Ich habe mich damit abgefunden und auch nie hinterfragt. Es gibt verschiedenste Charaktere, was nicht immer einfach ist, aber wo ist es das schon?

Wird man reflektierter?

Absolut! Man nimmt irgendwann nicht mehr alles gleich persönlich. Du darfst einfach nicht alles auf die Waagschale legen oder alles dagegenhalten. Mit der Routine kommt natürlich die Ruhe dazu. Ich bin ein Philanthrop und liebe Menschen. Ich könnte mir gar keinen Panzer aufbauen, weil mir Menschen wichtig sind – ich will das Gegenüber ja auch verstehen.

Was haben Sie von Ihrem Vater, dem Dolomitemann-Gründer, gelernt, das Ihnen heute hilft?

Man muss Dinge angehen. Du kannst scheitern, das musst du auch. Jeder macht Fehler, inklusive mir, sehr viele sogar. Nur wenn du etwas versuchst umzusetzen, kannst du es verbessern. In der Theorie wird es nicht klappen, da hilft kein Coaching. Echtes Wissen und Können entsteht nur durch Tun. Der Papa hätte sich nie die Fragen gestellt, die ich mir stelle, sondern er hat gemacht, auch wenn viele gesagt haben, ‚du spinnst, das hat noch niemand gemacht‘. Dann fangen wir damit an. Revidieren kann man es immer noch. Papa ist ein großes Vorbild.

Hat es auch komplett unterschiedliche Meinungen gegeben?

Viele (lacht). Wir sind grundunterschiedliche Persönlichkeiten. Er ist impulsiv, hat sich nie vor etwas gescheut und er hat ein Bauchgefühl. Ich bin derjenige, der mit einem Konsens starten will und versucht alle Möglichkeiten abzuwägen. Gute Teams entstehen durch diverse Menschen und Blickpunkte.

Was möchten Sie Ihm sagen, was selten ausgesprochen wird?

Danke! Es war nicht immer einfach, aber das hat es ausgemacht. Ich bin zutiefst dafür dankbar, was er mir gezeigt hat, was ich lernen durfte und dafür, dass er so ist, wie er ist. Auch wenn er mal lauter und direkter war, hat er eines der größten Herzen, das ich kenne.

Wer ist der größere Sturschädel – ihr Vater, Sie oder Benji?

Papa wird altersmilde, wobei man nicht vergessen darf, dass er als Skifahrer ein Einzelsportler gewesen ist. Das Gleiche gilt für Benji – sie mussten an erster Stelle stehen. Ich habe einen anderen Weg eingeschlagen und brauche dazu ein Team. Jeder ist auf seine Weise ein Sturschädel und jeder hat seine Strategie, seinen Kopf durchzusetzen. Der eine geht durch die Wand und der andere über drei Zimmer.

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