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Tarock-Raum in Grazer Café soll zum „Fitnessstudio“ werden

Das Grazer Café Bokan ist zu einem Treffpunkt für Tarock-Begeisterte jeden Alters geworden. Jetzt soll hier sogar ein „Fitnessstudio“ fürs Gehirn eröffnet werden.

Eine Hand hält 16 Karten, dahinter sieht man unscharf eine Mitspielerin, ebenfalls mit Karten in der Hand
© stock.adobe.com/Josef Müllek
Das Kartenspiel, bei dem man den König ruft: Tarock gilt neben Bridge als eines der anspruchsvollsten Spiele – perfektes Gehirntraining also
Nina Müller
Bundesland Steiermark | Graz

Für Ulf Krämer ist es nicht weniger als „ein Fitnessstudio, und zwar eines, das es in ganz Österreich und in Europa noch nicht gibt“. Auskommen soll sein Fitnessstudio ganz ohne Geräte, die Übungen werden ganz bequem im Kaffeehaussessel durchgeführt. Schließlich gehe es darum, das Gehirn als wichtigstes Organ des Körpers zu trainieren – und zwar beim Kartenspielen.

Krämer ist ehrenamtlicher „Tarock-Animator“ und hat es sich zum Ziel gesetzt, das historische Kartenspiel in der Steiermark bekannter zu machen, denn Tarock sei besonders fordernd und somit ein gutes Training für die grauen Zellen. „Wir treffen uns schon jetzt jeden Mittwoch ab 15.30 Uhr zum freien Spielen, dazu biete ich am Freitagnachmittag ab 14 Uhr noch ein Training für Anfänger und Fortgeschrittene an“, sagt Krämer: „Wenn sie es wollen, bringe ich sie auch zu einer Spielernummer.“ Damit und mit dem begehrten „Abakus-PIN“ kann man an Turnieren teilnehmen. Abschließend, von 18 bis 23 Uhr, gibt es einen weiteren Termin für freies Tarockspielen. Gelernt und gespielt wird übrigens die anspruchsvolle Variante „Königrufen“, die seit zwei Jahren von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe in Österreich anerkannt ist.

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Arnulf „Ulf“ Krämer lädt zum Tarocklernen ein
Arnulf „Ulf“ Krämer lädt zum Tarocklernen ein © Privat

Der 87-Jährige selbst, der einen bunten Lebenslauf vom studierten Innenarchitekten über die Baubranche oder als Videotheken-Inhaber im jetzigen Skurril in der Heinrichstraße vorzuweisen hat, spielt seit dem 17. Lebensjahr. „Dazwischen habe ich das Kartenspiel etwas aus den Augen verloren“, erzählt er. Seiner Tochter habe er es zu verdanken, dass er nach dem Tod seiner Frau wieder eine Motivation fand – und zurück zum Tarockieren. Er gründete die „Tarockschule Lieboch“ und später auch die Tarockrunde im Café Bokan (ehemals Café Polanz, Waagner-Biro-Straße 133), bei der sich regelmäßig – übrigens in einem Raum, den man sich mit den Grazer Borussia-Dortmund-Fans teilt – knapp 50 Menschen zum Kartenspielen treffen. Der jüngste ist übrigens zehn Jahre alt.

Wer sich für die „Tarock-Fitness“ interessiert, kann sich bei Trainer Ulf unter der Telefonnummer 0676-3382105 oder per Mail unter kraemerarnulf@yahoo.com melden. Starten will er, sobald es genügend Anmeldungen gibt. Ein Lernseminar bietet auch Claudia Kapeller an, dieses findet ebenfalls im Café Bokan statt – jeweils sonntags ab 4. Oktober, Infos: office@claudiakapeller.at. In der Urania startet ein Kurs im November.

Information

Tarock ist der Überbegriff für eine große Familie von Kartenspielen, die in vielen Ländern Europas verbreitet sind. Die Urform des Tarocks entstand um 1425 zur Zeit der Frührenaissance in der Po-Ebene – es gehört damit zu den ältesten tradierten Kartenspielen der Welt.

Königrufen ist vor allem in Österreich und Südtirol verbreitet und wird zu viert gespielt. Seit 2024 ist Königrufen von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe in Österreich anerkannt.

Seit dem späten 18. Jahrhundert werden Tarockkarten auch zum Wahrsagen verwendet. Die entsprechende esoterische Bedeutung der Karten wird auf Deutsch als Tarot bezeichnet.