Das steckt hinter dem Erfolg des Biers aus dem Defereggental
Fünf Jahre, mehrere Biersorten und eine wachsende Nachfrage: Geigenseer hat sich seit dem ersten Sud zu einer Größe in der Osttiroler Bierlandschaft entwickelt.
Es war nicht gerade der einfachste Zeitpunkt, um eine neue Brauerei auf die Beine zu stellen. Im Jahr 2020, als die Corona-Pandemie das öffentliche Leben weitgehend lahmlegte, gründeten sechs Bierliebhaber aus Osttirol die Geigenseer Privatbrauerei in Hopfgarten im Defereggental. Ein Jahr später wurde der erste Sud gebraut. Damit begann die eigentliche Geschichte des Geigenseer Biers.
Fünf Jahre später ist Geigenseer eine etablierte regionale Biermarke geworden. „Aus der Idee, gutes, handwerklich gebrautes Bier aus der Region zu machen, ist eine Brauerei geworden, die sich Schritt für Schritt weiterentwickelt hat und sich in Osttirol einen Namen machen konnte“, sagt Geschäftsführer und Braumeister Bastian Stolz. Die Anfangszeit war vor allem vom Aufbau geprägt. Abläufe mussten optimiert, die verschiedenen Biersorten weiterentwickelt und vor allem das Vertrauen von Kunden und Partnern gewonnen werden. Ein wichtiger Meilenstein war für Geigenseer, als das Bier zunehmend in der heimischen Gastronomie und im regionalen Handel angekommen ist.
Die Nachfrage steigt
2022 wurde die Kapazität von ursprünglich 5000 auf bis zu 7500 Hektoliter pro Jahr erhöht. „Wir wollten nicht einfach möglichst schnell wachsen, sondern das Wachstum kontrolliert gestalten und die Qualität beibehalten“, erklärt Stolz. Gerade als kleine Brauerei sei es eine Herausforderung, auch in der Hochsaison gleichbleibende Qualität zu sichern. Mit dem „Stadt Depot“ am Lienzer Hauptplatz erweiterte Geigenseer Ende 2023 sein Vertriebsnetz.
Heute umfasst das Sortiment mehrere Biersorten. Neben dem Edelsud Hell gehören unter anderem das Ursprung Zwickl, das Glaurit Weizen, der Wintersud Bock und der alkoholfreie Freisud dazu. Gebraut wird mit Wasser aus der Romisquelle im Defereggental. Auch bei den Auszeichnungen machte sich die junge Brauerei schnell einen Namen. Geigenseer wurde 2022, 2023 und 2024 zur beliebtesten Mikrobrauerei Tirols gewählt.
Zwischen Corona und steigenden Kosten
Die fünf Jahre seit dem ersten Sud waren allerdings nicht frei von Herausforderungen. Auf die Pandemie folgten steigende Energie-, Rohstoff- und Betriebskosten. „Bierbrauen ist sehr rohstoff- und energieintensiv, gleichzeitig erwarten die Kunden ein faires Preis-Leistungs-Verhältnis“, sagt Stolz. Für eine kleine Brauerei seien solche Entwicklungen besonders spürbar. Entscheidend sei deshalb gewesen, flexibel zu bleiben und die eigenen Abläufe laufend zu verbessern. Auch Investitionen seien gezielt dort getätigt worden, wo sie langfristig weiterhelfen.
Der regionale Markt bleibt unser wichtigstes Standbein.
— Bastian Stolz, Braumeister und Geschäftsführer
Der regionale Markt ist für Geigenseer weiterhin besonders wichtig. Das Bier soll in den heimischen Gasthäusern ebenso präsent sein wie im regionalen Handel. Gleichzeitig hat sich die Bekanntheit über Osttirol hinaus entwickelt. „Wir wollen nicht um jeden Preis möglichst weit hinaus expandieren“, betont Stolz. Die regionale Verwurzelung sei vielmehr ein wichtiger Teil der Marke. Genau darin sieht der Geschäftsführer auch einen Vorteil gegenüber großen Bierkonzernen: „Wir müssen nicht versuchen, jedem Markt und jedem Geschmack gerecht zu werden. Wir können unseren eigenen Charakter behalten.“
Die nächsten fünf Jahre
Für die Zukunft setzt Geigenseer auf kontrolliertes Wachstum. Die Produktion soll weiterentwickelt und dort investiert werden, wo es Qualität und Effizienz verbessert. Auch neue Biersorten sind möglich. „Ein neues Bier soll aber nicht einfach deshalb entstehen, weil gerade eine bestimmte Sorte im Trend liegt, sondern weil wir davon überzeugt sind“, erklärt Stolz.
Der regionale Markt soll weiterhin das Fundament bilden, gleichzeitig will die Brauerei Chancen außerhalb Osttirols nutzen. Nach fünf Jahren Bierproduktion ist aus den ersten Suden damit ein kontinuierlich gewachsener Betrieb geworden. Und das Ziel für die kommenden Jahre? Stolz fasst es so zusammen: „Wir wollen Bier mit Charakter brauen, möglichst nah an den Menschen und an unserer Region.“

