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Quereinstieg mit 58: Kärntner Ex-Manager startet als Lehrer durch

Seinen Job im Management hat Klaus Lesjak im November des Vorjahres an den Nagel gehängt. Nach einer Findungsphase entschied sich der Klagenfurter zum Quereinstieg als Lehrer.

Der Klagenfurter Klaus Lesjak wagt mit 58 Jahren einen beruflichen Neustart
© Thomas Hude
Der Klagenfurter Klaus Lesjak wagt mit 58 Jahren einen beruflichen Neustart
Petra Eggerer
Redakteurin Regionalredaktion Klagenfurt

Zwölf Mal hat Klaus Lesjak in seinem Leben den Schulbeginn schon miterlebt – doch der heurige ist ein ganz besonderer. Denn zum ersten Mal wird der Klagenfurter nicht auf einer der Bänke Platz nehmen, sondern vor der Tafel stehen. Mit 58 Jahren wagt er einen beruflichen Neuanfang und hat sich für den Quereinstieg als Lehrer entschieden. Ab Montag unterrichtet der zweifache Familienvater am Ingeborg-Bachmann-Gymnasium in Klagenfurt die Fächer Informatik und digitale Grundbildung in vier verschiedenen Schulstufen.

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Dabei blickt Lesjak auf eine beeindruckende Karriere zurück. Nach der Matura am Europagymnasium zog es den Kärntner nach Wien, um das Studium der Wirtschaftsinformatik in Angriff zu nehmen. Mit dem Magistertitel in der Tasche heuerte er zunächst in der IT-Sektion im Finanzministerium an. Knapp sieben Jahre später kehrte er in die Kärntner Heimat zurück und stieg bei der Telekom ein. „Ich habe dort maßgeblich den Markteintritt IT-Outsourcing vorangetrieben“, erzählt Lesjak. Doch nach insgesamt über 21 Jahren war die Luft raus. „Die Freude war einfach nicht mehr so groß“, erklärt der Wirtschaftsinformatiker. „Ich wollte nicht mehr nur für Umsatzkennzahlen arbeiten gehen, sondern etwas für die Gesellschaft tun.“

Im November des Vorjahres zog er einen Schlussstrich und machte sich auf die Suche nach einer neuen Herausforderung. Nach einer kurzen Findungsphase entschied sich Lesjak für den Quereinstieg als Lehrer, denn schon während seiner Tätigkeit bei der Telekom führte er regelmäßig Schulungen und Ausbildungen durch und hielt Vorträge. „Das hat mich auf den Geschmack gebracht“, sagt der 58-Jährige. Also absolvierte der Klagenfurter die sogenannte Zertifizierungsphase (mit drei Phasen) – mit Erfolg. „Ich habe mich dann für drei Stellen beworben, zwei Schulen haben sich gemeldet“, führt der „Junglehrer“ aus.

Schnupperstunden und Nachdenkphase

Sein erstes Bewerbungsgespräch führte den Quereinsteiger in das Ingeborg-Bachmann-Gymnasium. Und Lesjak war sofort begeistert: „Das Gespräch mit dem Direktor war sehr positiv.“ Nach zwei Schnupperstunden und einer kurzen Nachdenkphase sagte Klaus Lesjak zu. Anfang September startete die zweiwöchige Induktionsphase an der Pädagogischen Hochschule. Dabei werden den Quereinsteigern rechtliche, organisatorische und pädagogische Grundlagen vermittelt.

Unsere Kinder sind die zukünftigen, genialen Köpfe, die wir dringend brauchen.

— Klaus Lesjak , Quereinsteiger

Am Montag wird es dann ernst – um 7.45 Uhr startet der Vater zweier erwachsener Kinder in seinen neuen Lebensabschnitt als Lehrer. Die Vorfreude ist dementsprechend groß, von seiner neuen Aufgabe ist er mehr als begeistert: „Was gibt es denn Schöneres, als mit jungen Menschen zu arbeiten und diese auf das spätere Leben vorzubereiten. Es ist unsere Aufgabe mögliche Talente zu entdecken und zu fördern.“

Über den Sommer hat er sich intensiv mit dem Lehrplan auseinandergesetzt und bereits Themen, die er im Unterricht behandeln will, ausgearbeitet. „Ich gehe gut vorbereitet in den Unterricht“, behauptet Lesjak, der sich in seiner Freizeit im Vorstand bei „SOMA“ engagiert und als Diakon in der Dompfarre tätig ist. „Den Unterricht will ich praxisbezogen gestalten und den Schülerinnen und Schülern ein Werkzeug mit auf dem Weg geben.“

Studium neben der Schule

Unterstützung erfuhr Klaus Lesjak bei seiner Entscheidung durch die Familie – Ehefrau Barbara sowie die Kinder Teresa (30) und Max (28). Andere wiederum äußerten sich durchaus kritisch: „Natürlich bin ich auch gefragt worden, warum ich mir das antue.“ Von seinem Weg abbringen konnte ihn auch diese Meldungen nicht. Übrigens: Seine alte Ledertasche, die einst als Schultasche diente, hat Lesjak wieder ausgepackt, denn nach dem Unterricht muss auch der Lehrer wieder die Schulbank drücken: Quereinsteiger müssen einen viersemestrigen Hochschullehrgang in pädagogisch-didaktischer Hinsicht und bildungswissenschaftliche, fachdidaktische und praktische Lehrveranstaltungen absolvieren.