Wie Dackel Pauli einen Krieglacher Traditionsbetrieb „mitbegründet“ hat
Die Mürztalerin Martina Posch führt seit 16 Jahren eine Manufaktur für natürliches Hundefutter. Mit ihrer Mitarbeiterin verarbeitet sie 150 Kilo heimisches Fleisch pro Woche – und die Kunden stehen Schlange.

Stolze 16 Jahre zählt Dackel Pauli. Er hört schlecht, sieht schlecht, aber der Appetit ist noch immer groß. „Pauli ist nicht nur der Grund warum es uns gibt, er ist auch der Chef da herinnen und meine beste Werbung“, schmunzelt Martina Posch. Vor 16 Jahren gründete sie „Paulis Naturkost“ in Krieglach – eine der wenigen Futtermanufakturen in Österreich. Gemeinsam mit Mitarbeiterin Silvia Schwaiger verarbeitet sie unglaubliche 150 Kilogramm Frischfleisch pro Woche. Wild, Huhn, Lamm, Kalb... Alles, was Hundemägen brauchen. Dazu Innereien und viel frisches Gemüse.
„Qualität hat bei uns oberstes Gebot. Da kenne ich nix, da bin ich streng“, sagt die Firmengründerin. Viele Jahre lange arbeitet sie im Sozialbereich, später im Unternehmen ihres Mannes. Dann kam Dackel Pauli: „Ich habe ein Buch gelesen darüber, was in industrieller Tiernahrung alles enthalten ist. Da war für mich klar: Mein Hund bekommt das nicht.“ Im Gartenhäuschen beginnt die gebürtige Langenwangerin zu kochen. „Aber wenn du täglich kochst, wirst du nie mehr fertig. Also musste ich das Futter haltbar machen.“ Bald erfahren Freunde von der hochwertigen Hundenahrung im Glas, die Qualität spricht sich herum.

Lieferungen von Burgenland bis Vorarlberg
Heute wird „Paulis Naturkost“ dank Onlineshop von Hundebesitzern in ganz Österreich bezogen. Von Vorarlberg bis Burgenland kommen täglich Bestellungen herein, die Nachfrage ist riesig. „Vor drei Jahren haben wir uns räumlich deutlich vergrößert, und jetzt wird es schon wieder eng“, lacht Martina Posch. Sogar Tierärzte schicken ihre vierbeinigen Kunden mit allerlei Problemen nach Krieglach. „Beratung ist uns ganz wichtig. Und wenn wir etwas nicht wissen, dann sagen wir das offen und lesen uns ein.“
Vier Mal die Woche stehen Posch und ihre Mitarbeiterin in der Küche hinter dem Geschäft. 500 Kilo Fleisch werden angeliefert, was nicht verarbeitet wird, wird als Rohnahrung (Barf-Futter) tiefgekühlt. Fast das gesamte Fleisch wird aus Österreich bezogen, je regionaler, desto besser. Dazu produzieren die zwei Frauen Sonderprodukte wie die Morosche Karottensuppe – Hundebesitzer wissen, wie praktisch es ist, diese bei Durchfall daheim zu haben. Durch die langsame Erhitzung sind die Produkte ein Jahr ungekühlt haltbar. Was nicht ins Glas kommt? Geschmacksverstärker, künstliche Zusatzstoffe, Konservierungsmittel oder Aromen.

17 Menüs und Sonderprodukte
Zwischen Beratung im Geschäft, Kochen der 17 verschiedenen Menüs (plus Sonderbestellungen für spezielle Kunden), und Verpackung der Ware für den Versand geht den Damen manchmal fast die Puste aus. „Mit Humor schaffen wir aber alles! Reich werde ich damit nicht, das war mir immer klar. Aber es ist ein tolles Gefühl, Hunden helfen zu können. Dafür machen wir es.“ Um ihren eigenen Qualitätsanspruch einhalten zu können, verarbeitet Martina Posch mit Silvia Schwaiger (die übrigens jahrelange Erfahrung im Lebensmittelhandel und der Fleischverarbeitung mitbringt), das gesamte Muskelfleisch selbst. Anfangs sei es schwierig gewesen, Lieferanten zu finden. „Die meisten Bauern haben mich ausgelacht. Ich bin viel belächelt worden. Das hat sich geändert.“
Im Geschäft in der Krieglacher Roseggerstraße gibt‘s auch Leinen, Spielzeug, anderes Futter und Zubehör, aber der Frequenzbringer bleibt die Naturkost. „Wir haben so viele Stammkunden. Am besten ist es ja, wenn Leute nicht erst kommen, wenn ihre Hunde krank sind. Gesunde Ernährung kann so einen Unterschied machen“, erzählt Martina Posch, selbst zweifache Dackel-Besitzerin. Im Lager neben der Küche stapeln sich Kartons: „Bei uns wird alles wiederverwendet, das gesamte Verpackungsmaterial, die Gläser sowieso. Nichts wandert in den Müll.“
Ich bin anfangs viel belächelt worden.
— Martina Posch
In den Müll, da würde die leidenschaftliche Unternehmerin gerne so manches industriell gefertigtes Futter werfen: „Was ich kritisiere, ist die unklare Deklarierung der Inhaltsstoffe. Tierbesitzer haben kaum eine Chance, zu verstehen, was sie da kaufen“, seufzt sie. Und sie appelliert: „Lasst euch beraten – Naturkost ist nicht teurer, als anderes Futter.“