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Paul Huber vor der Champions League: „Es wird ein geiles Spiel für die Fans“

Die 99ers empfangen am Donnerstag zum Start der Champions Hockey League gleich den Schweizer Meister Fribourg-Gottéron. Da akzeptiert sogar Präsident Herbert Jerich eine Niederlage – eventuell.

Die 99ers starten am Donnerstag in die Königsklasse
© APA / Erwin Scheriau
Die 99ers starten am Donnerstag in die Königsklasse

Der Präsident der Graz 99ers, Herbert Jerich, ist ein euphorischer Mensch. Energiegeladen ist er. Geduld zählt hingegen nicht zu seinen Stärken. Oder doch? „Nein. Damit tu ich mir extrem schwer“, sagt er und lacht. Seine Kinder waren dahingehend aber eine gute Schule. „Ich habe gelernt, damit umzugehen. Diese Eigenschaft, ungeduldig zu sein, ist ab und zu aber auch ganz gut, weil du dein Ziel schneller erreichen willst.“ So wurden dank seines inneren Antriebs und äußerem Antreibens der erste Meistertitel und die Teilnahme an der Champions Hockey League (CHL) für „seine“ 99ers Realität. Mit der Königsklasse des europäischen Hockeys beginnt die neue Eiszeit für den Champion am Donnerstag. „Das haben wir uns im Vorjahr erarbeitet, und nun ernten wir die Früchte“, sagt Jerich. „Das ist eine Genugtuung, denn es kommt ein bisschen was zurück für das, was wir investiert haben. Es ist aber auch eine Lernphase für uns. Vielleicht schaffen wir es ja heuer wieder, uns zu qualifizieren.“

Doch ist gleich die erste Aufgabe in der Liga denkbar schwierig. Immerhin kommt mit Fribourg-Gottéron der amtierende Schweizer Meister, der zum siebenten Mal die „CHL“ bestreitet. Dessen Kader kann auf einen Erfahrungsschatz aus 1137 NHL-Spielen, 168 WM- und 25 Olympia-Partien zurückgreifen. Und das ist nur die Spitze des internationalen Eisbergs. Angesichts dieser Qualität lässt sich auch Jerich, der an sich alles andere als ein großer Freund von Niederlagen ist, zu milden Worten hinreißen: „Ich bin ein Realist. So ein Spiel muss man auch genießen. Auch wenn ich denke, dass sie uns vielleicht zeigen werden, wie man Eishockey spielen kann“, sagt er und betont: „Man kann die Teams auch nicht wirklich vergleichen. Wenn der SK Sturm gegen Real Madrid spielt, spielen sie phasenweise mit. Aber wenn Real Madrid aufdreht, bist du einfach der Schwächere.“ Nur zum Vergleich: Bei den 99ers absolvierten Kevin Roy (28), Josh Currie (22), Nick Swaney (1) und Maxim Lagace (20) in Summe 71 Spiele in der NHL; in puncto WM-Einsätzen haben die Grazer mit 195 Partien aber sogar die Nase vorne.

Aktuell haben die Grazer auch verletzungsbedingt vor allem in der Defensive eine Baustelle. „Wir sind nicht zu 100 Prozent ready, unsere Defensive kämpft ein bisschen. Die Jungen müssen noch einen Schritt nach vorne machen“, sagt Jerich, der in diesem Sommer im Gegensatz zum Vorjahr bei den Transfers nicht mitgesprochen hat. „Im Vorjahr war ich bei jedem Transfer voll involviert. Heuer habe ich gesagt: Macht ihr einmal, schauen wir, was rauskommt. Aber ich sehe, dass wir uns in der Defense noch verstärken werden. Und zwar ganz früh in der Saison.“ Positiv: Die Papiere von Frank Hora sind rechtzeitig eingelangt, der Abwehrchef darf spielen. Auch Paul Reiner ist fit, Maxime Lagacé ebenso, er wird aber im ersten Champions-League-Spiel wohl Nicolas Wieser den Platz im Tor überlassen. Indes werden neben den Langzeitverletzten Michael Schiechl und Tim Harnisch auch Nico Brunner, Clay Hanus, Kevin Roy und Kevin Conley nicht mit von der Partie sein.

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Während Jerich gegen Fribourg-Gottéron geneigt ist, einen Persilschein auszustellen („Da müssen wir schauen, dass wir mithalten können“), will der Transport-Unternehmer am Samstag wieder mehr: Da steigt das zweite Spiel in der Königsklasse gegen Bordeaux. Das, sagt er, ist „schon ein Pflichtsieg, wenn wir wirklich unsere Ziele erreichen wollen“. Weiter geht es dann kommende Woche mit den Auswärtsspielen bei den Eisbären Berlin (11. September) und bei Bili Tygri Liberec (13. September). „Der eine oder andere Gegner ist auf dem Papier sicher stärker, aber wir brauchen uns mit unserem Kader nicht zu verstecken“, sagt 99ers-Stürmer Paul Huber. Zudem habe man aus den Vorbereitungsspielen einiges gelernt und auch schon umgestellt.

Auch wenn die Umstellungen im Sommer hauptsächlich die Defensive betrafen, schmerzt der Abschied von Lukas Haudum, Hubers kongenialem Angriffspartner, auch der Offensive. Der Oberösterreicher feierte bei TPS Turku übrigens so was wie einen Traum-Einstand, erzielte beim 4:2-Auftaktsieg in der Liga über KooKoo Kouvola in der ersten Line das Game-Winning-Goal zum 3:2 und lieferte auch noch den Assist zum 4:2-Endstand. „Unsere Linie war in der Liga eine der dominantesten, wenn nicht die dominanteste. Da ist Lukas Transfer natürlich ein bitterer Abgang. Aber ich freue mich auch für ihn. Das ist eine Chance, die man eigentlich nutzen muss“, sagt Huber, dennoch: „Es ist aber ein Riesenverlust für die Mannschaft. So wie er das Spiel von der Defensivzone nach vorne bringt, das gibt es in Österreich nicht so oft, und das geht uns ab.“

Noch wird an den Linien adaptiert und ausprobiert, wer in der Mitte am besten zu Huber und Nick Swaney passt. Im Hinblick auf die am 18. September beginnende ICE Hockey League ist der internationale Bewerb ein Vorteil. „So muss man nicht noch das ein oder andere Vorbereitungsspiel absolvieren, sondern es geht schon um was. Da geht man mit einem anderen Mindset hinein, und auch die Atmosphäre und das Spiel selbst sind andere, als wenn es nur eine Freundschaftspartie ist.“ Und er freut sich auf den Start: „Ich denke, es wird ein geiles Spiel für die Fans.“