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Kika/Leiner-Investor Hermann Wieser wegen Betrugsverdachts festgenommen

Vergangenen Freitag wurde er mutmaßlich im Bezirk Liezen aufgegriffen. Das Landesgericht für Strafsachen Wien hat wegen „systematischen Betruges“ Untersuchungshaft verhängt.

Das Ende der Kika/Leiner-Gruppe war erst der Beginn der Ermittlungen und Gerichtsverfahren
© APA / Helmut Fohringer
Das Ende der Kika/Leiner-Gruppe war erst der Beginn der Ermittlungen und Gerichtsverfahren
Veronika Höflehner
Teamleiterin Regionalredaktion Liezen

Paukenschlag in der Causa rund um die Insolvenz der Kika/Leiner-Gruppe: Wie am Dienstag bekannt wurde, hat die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) die Festnahme des ehemaligen Geschäftsführers der ehemaligen Möbelkette, Hermann Wieser, angeordnet. Er wurde am vergangenen Freitag verhaftet, mutmaßlich im Bezirk Liezen. Das wurde aber auf Anfrage der Kleinen Zeitung nicht bestätigt.

Fest steht: Am Sonntag wurde durch das Landesgericht für Strafsachen Wien die Untersuchungshaft verhängt. Das Gericht geht wie die WKStA „von einem dringenden Tatverdacht sowie dem Vorliegen der Haftgründe der Fluchtgefahr, Verdunkelungsgefahr und Tatbegehungsgefahr aus“, heißt es in der schriftlichen Beantwortung der WKStA. Konkret wird Wieser „systematischer Betrug“ vorgeworfen, unter anderem habe er mutmaßlich „die Notlage von Hochwasseropfern im September 2024 gezielt ausgenutzt“.

Gesamtschaden von 15 Millionen Euro

Und weiter schreibt die WKStA: „Im Rahmen einer beworbenen ‚Unwetter-Soforthilfe-Aktion‘ in den sozialen Medien wurde Kunden ein 20-prozentiger Rabatt auf Möbelkäufe versprochen, um rasch liquide Anzahlungen zu generieren. Diese Aktion soll Teil eines systematischen Betrugs gewesen sein. Trotz tatsächlicher Zahlungsunfähigkeit des Handelsunternehmens ab Ende Jänner 2024 ließ der Beschuldigte weiterhin Anzahlungen für Möbelkäufe entgegennehmen und Wertgutscheine vertreiben, obwohl eine Lieferung mangels Liquidität unmöglich war.“

Mindestens 4700 Kunden waren davon laut WKStA betroffen, der Gesamtschaden beläuft sich auf zumindest 15 Millionen Euro. Zudem bestehe der „dringende Verdacht, dass der Beschuldigte kurz vor der Insolvenzeröffnung gezielt Vermögen der Möbelkette beiseitegeschafft hat“, um Zahlungen an zahlreiche Gläubiger im Insolvenzverfahren des Landesgerichts St. Pölten „zu vereiteln oder zu schmälern“.

Anwalt bestätigt Festnahme

Außerdem soll der Handelsmanager „Zahlungen für Rechnungen ohne adäquate Gegenleistungen freigegeben und so insgesamt 1.103.400 Euro abgezogen haben“. Diese sollen nach der aktuellen Verdachtslage an eine kooperierende Gesellschaft sowie an ein eigenes Unternehmen des Beschuldigten gegangen sein, so die WKStA.

Einer seiner Anwälte, Georg-Christian Gass, bestätigt im Gespräch mit der Kleinen Zeitung die Festnahme. Er ist zurzeit in der Justizanstalt Josefstadt in Wien in Haft. Das weitere Vorgehen werde er mit Wieser am morgigen Mittwoch besprechen, sagte Gass weiter. Ein ausführliches Statement gibt es zum jetzigen Zeitpunkt nicht.

Auch im Bezirk Liezen vor Gericht

Neben dem Insolvenzverfahren in St. Pölten verklagten Kundinnen und Kunden Wieser auch zivilrechtlich am Bezirksgericht Schladming (wir berichteten), außerdem gibt es dort einen Rechtsstreit mit einem ehemaligen Geschäftspartner. Bei den Verhandlungen erschien er aber nie persönlich, sondern ließ sich durch seinen Anwalt vertreten.

Zuerst hieß es, es sei ihm aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich gewesen, dann meldete er sich „ortsabwesend“. Dem Vernehmen nach lebt der gebürtige Ennstaler die meiste Zeit in Zypern, kommt aber immer wieder aus familiären Gründen zu seinem Wohnsitz in Mitterberg-Sankt Martin. Dort oder zumindest in der Nähe sei er dann auch festgenommen worden, hieß es aus informierten Kreisen.

Um drei Euro von Benko

Der Handelsmanager übernahm im Juni 2023 das operative Geschäft von Kika/Leiner um drei symbolische Euro von der Signa-Gruppe des Investors René Benko. Im November 2024 meldete die Möbelkette dann Insolvenz an, nach zwei erfolglosen Sanierungsverfahren kam es zum Konkurs. Im Jänner 2025 wurden die verbliebenen 17 Standorte in Österreich geschlossen und 1350 Beschäftigte gekündigt. 

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