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„In Villach spielt sich jetzt alles im Schatten der Bäume ab“

Welche Hitzeschutzmaßnahmen Villachs Bürgermeister Günther Albel als Obmann des Städtebundes empfiehlt und was die Bundesregierung rasch fixieren müsste.

Bürgermeister der Stadt Villach und Obmann des Städtebundes Kärnten, Günther Albel (SPÖ)
© Helmuth Weichselbraun
Bürgermeister der Stadt Villach und Obmann des Städtebundes Kärnten, Günther Albel (SPÖ)

Mit Rekordwerten bei Hitze und Trockenheit geht der Sommer 2026 ins Finale. Doch nach dem Extremsommer ist vor weiteren Extremsommern. In den Städten und Gemeinden kann nicht zur Tagesordnung übergegangen werden. Was ist zu tun?

GÜNTHER ALBEL: Es ist kein neues Thema. Der Klimawandel ist menschengemacht. Da geht es um Klimaschutz, also CO2-Reduktionen als langfristiges Ziel und um kurz- wie mittelfristige Klimawandel-Anpassungen, um das Alltagsleben erträglich zu halten. Beides ist immens kostenintensiv, aber ein must do. Und beides braucht nationale Kraftanstrengungen, die gut koordiniert und gut gefördert werden. Es kann nicht sein, dass das auf die kleineste Ebene, auf Gemeinden und Städte abgewälzt wird.

Was muss von Seiten der EU, der Bundes- wie Landespolitik passieren?

In vielen Gemeinden gibt es Anträge für einen Hitzeschutzplan, in Städten Anträge für Maßnahmen in Kindergärten und Schulen. Ich halte nichts davon. Denn es kann nicht sein, dass jede der 2100 Gemeinden und Städte in Österreich ihre eigene Hitzeschutz-Regelung trifft. Wenn es um Klimaanlagen, um Beschattung, die Wasserversorgung geht, kann das nur der Bund regeln, wir brauchen einen nationalen Plan, der für alle gleich ist. Und als echtes Hitzeschild gegen die Erwärmung muss es einen „richtigen“ Klimafonds geben, der hoch dotiert ist (100 Millionen sind es im seit 2007 bestehenden Fonds, Anm.). Eine Milliarde Euro aus der CO2-Bepreisung gehört für den Klimafonds zweckgewidmet - und dann muss rasch umgesetzt werden.

Was lässt sich in Städten und Gemeinden rasch umsetzen, damit es die Bevölkerung im nächsten Sommer bereits merkt?

In den Gemeinden passiert unterschiedlich viel. In Villach haben wir schon 2022 mit Experten eine Hitzestudie gemacht und Problemfelder erkannt. Die Grüne Achse (vom Bahnhof bis zum Stadtpark), die Baumpflanzungen (1300 waren es in den vergangenen Jahren, Anm.), Entsiegelungsmaßnahmen waren die Folge. Straßenbegleitende Alleen-Bepflanzungen sind wichtig fürs Umgebungsklima. Jetzt im Herbst machen wir eine Aktion für Kindergärten und Schulen „Wir pflanzen Villach“. Als Stadt stellen wir ein paar Hundert Bäume zur Verfügung, die in Hitzezonen vor Kindergärten und Schulen gepflanzt werden sollen.

Riesige Parkplätze vor Einkaufszentren, große Asphaltflächen bei aufgelassenen Tankstellen oder Discontern. Was muss sich in der Raumordnung ändern, müssen Flächenrecycling und Begrünungen verpflichtend werden?

Bei Altwidmungen können wir nicht eingreifen. In Villach verlangen wir bei Neubauten verpflichtend 25 Prozent Grünanteil. Für jedes Stadtteilentwicklungskonzept sind große Parks verpflichtend. Wir entsiegeln auch, damit jeder Stadtteil Grünzonen, eine grüne Zone vor der Haustür hat. Natürlich brauchen die Bäume Zeit zum Wachsen. Am Hauptplatz etwa merken wir bereits, wie massiv der Schatten unter den zehn Laubbäumen genützt wird. Es wirkt. Zurecht wird über die riesigen Parkplätze diskutiert. Wir verlangen eine Doppelnutzung. Der große Parkplatz in der Italienerstraße wird mit Wohnungen bebaut, es entsteht ein kleiner Park und die Autos kommen in Hochgaragen. Wir bauen generell in die Höhe und nicht in die Breite, um weniger Boden zu verbrauchen.

Bürgermeister tragen Verantwortung für die Bevölkerung: Braucht es in Städten und größeren Gemeinden öffentliche klimatisierte Aufenthaltsräume?

Das muss im nationalen Hitzeschutzplan verankert sein. Jede Gemeinde sollte solche Zonen haben. Generell wird sich auch der Städtebau, die Bauarchitektur ändern müssen: Früher gab es die Ausrichtung nach Süden und große Fensterflächen. Jetzt geht es um dickere Wände, kleinere Fensterflächen und um besondere Beschattungsmöglichkeiten. Noch sind Dachflächen dunkelrot oder schwarz. Im Süden sind sie wegen der besseren Wärmeabstrahlung oft weiß.

Hitzeperioden fegen Innenstädte leer, lassen Schüler und Beschäftigte stöhnen. Müssen wir jetzt alles neu denken: Geschäfts-Öffnungszeiten, Ferien- und Schulzeiten, Ruheregelungen (kein Rasenmähen nach 20 Uhr) etc.?

Ja, das müssen wir. Die südlichen Länder machen‘s uns vor. Dafür muss es nationale Vorgaben geben. Das gesellschaftliche Leben wird sich auch bei uns ändern, wir werden viel südlicher werden. Für alle Maßnahmen und Änderungen braucht es aber einen breiten gesellschaftlichen Konsens.

Sind Sie in Sorge wegen der Trinkwasserversorgung der Bevölkerung?

Österreich ist ein sehr trinkwasserreiches Land. Als Obmann des Wasserverbandes Kärnten weiß ich, dass wir ein Verteilungsproblem haben. Es gibt viel Wasser in Oberkärnten bis Villach und weniger in Richtung Lavanttal. Für die Zukunft ist die Wasserschiene Kärnten (die Unterversorgung ausgleichen soll, Anm.) ein extrem wichtiges Projekt.

Bürgermeister beklagen, dass dabei viel zu lange schon nichts passiert, das Tempo fehlt.

Ja, es ist ein Thema seit den 1970er Jahren, aber mit der Dreierkoalition und den Landesräten Rolf Holub und dann Daniel Fellner sind seit 2013 große Schritte gelungen. Wir werden im nächsten Jahr die Projekte ausschreiben.

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Am Bahnhofsvorplatz in Villach wurden 250 Quadratmeter Beton entsiegelt, über der Tiefgarage entstand eine kleine Grünfläche mit Blumen und Bäumen
Am Bahnhofsvorplatz in Villach wurden 250 Quadratmeter Beton entsiegelt, über der Tiefgarage entstand eine kleine Grünfläche mit Blumen und Bäumen © KK/Villach/Kompan

Für Klimawandel-Anpassungen braucht es nationale Kraftanstrengung und einen hoch dotierten Klimafonds. Das kann nicht auf die kleinste Ebene, auf Städte und Gemeinden abgewälzt werden.

— Günther Albel, Bürgermeister, Städtebund-Obmann

Weitere Beispiele

In Arnoldstein gibt es einen kleinen Klimabeitrag. Der VCÖ würdigt, dass das Land die zu breite Kärntner Straße B 83 sicherer machte und verschmälerte. Ein Grünstreifen, ein Geh- und Radweg entstanden. 10.000 Quadratmeter wurden renaturiert.

In Klagenfurt sollen bis 2030 mindestens 1000 zusätzliche Bäume gepflanzt werden, es soll mehr Trinkwasserbrunnen, kühle Zonen, klimatisierte Pflegeheime und Schulen geben. Mit dem Geld aus Parkgebühren soll ein Hitzeschutzfonds gefüllt werden, so will es Stadtplanungsreferent Vzbgm. Ronald Rabitsch.

In St. Veit sorgt ein vom Land mit 170.000 Euro finanziertes Projekt zur Klimawandelanpassung für Diskussionen. Auf 210 Quadratmetern entstand am Hauptplatz für vorerst fünf Jahre ein temporärer Mini-Park mit zehn Lederhülsenbäumen, die hitzeresistent sind und derzeit noch lichten Schatten spenden. Ein Baum soll laut Experten eine Kühlleistung von bis zu drei Grad haben. Der Beschluss im Stadtrat war einstimmig. Dem war ein Bürgerbeteiligungsworkshop vorausgegangen. Kritiker sprechen jetzt von „Showpolitik“. Wobei aus dem Pop-up-Green auch eine Dauerlösung nach dem Schwammstadt-Prinzip werden könnte.

In Kärntner Gemeinden will man jetzt mit 160 Hitzeschutzmaßnahmen in Schulen, Kindergärten und Kindertagesstätten Hitzewellen der kommenden Jahren abfedern: mit Beschattungen, Trinkbrunnen bis zu Deckenventilatoren, Cooling Rooms und klimatisierten Ruhebereichen. 51 Gemeinden haben bereits um die Hitzeschutzförderung des Landes angesucht. Vier Millionen Euro sind laut LH Daniel Fellner im Topf. Laut Gemeindereferentin Marika Lagger-Pöllinger „müssen bei künftigen Bauprojekten die Klimaveränderungen von Anfang an mitbedacht werden“.