Philipp Hansa: „Graz ist für mich immer Wochenende“
Philipp Hansa weckt auf Ö3 die Nation. Mit uns hat er darüber gesprochen, welche Erinnerungen er mit Graz verbindet, warum er seinen Schmäh seinem Vater verdankt und wem er als Kind einen Schrein gewidmet hat.

Der rote Pavillon im Augarten sollte der Ort sein, wo wir uns fürs Interview treffen. Warum genau hier?
Philipp Hansa: Hier haben mein großer Bruder und ich immer Fußball gespielt, wenn er frei war – die Balken waren immer die Tore. Der Augarten war überhaupt so ein Runterkommen-Ort, zum Frisbee-Spielen oder Spazieren. Hier konnte man als 16-Jähriger seine Teenager-Sorgen verarbeiten – damals noch ohne Smartphone, das war befreiend.
Und heute?
Mit ein Grund, dass ich fürs Gespräch in den Augarten wollte, war auch ein voll schöner Spaziergang, den ich hier mit meinem Bruder und seinem besten Freund heuer im Mai gemacht habe, kurz, nachdem mein Vater gestorben ist. Wir haben viel über ihn geredet, und ich habe mich wieder wie so ein kleiner Junge gefühlt, der mit seinem großen Bruder – er ist echt zwei Köpfe größer als ich – spazieren geht und so über das Leben redet. Das hat mich so abgeholt, wie ein mentaler Kurzurlaub.
Wie haben sich Ihre Graz-Besuche verändert, seit Ihr Vater verstorben ist?
Es gibt gute und schlechte Momente, würde ich sagen. Unsere Wohnung in der Grazbachgasse ist voller Erinnerungen, hier ist mein Dad schon aufgewachsen. Letztens ist es mir aber passiert, dass ich in meiner Wohnung in Wien etwas aufhängen musste, was ich eigentlich mit ihm gemeinsam machen wollte. Da habe ich wirklich zum Handy gegriffen und ihn angerufen – und erst beim Läuten gecheckt, dass er ja nicht mehr da ist. Das sind die schlechten Momente.
Sie haben ihm auch einen ganz besonderen Moment im Ö3-Wecker gewidmet.
Kurz davor war ich tatsächlich sehr nervös. Findet man die richtigen Worte, will man die Leute an einem Montag um 7.40 Uhr mit so etwas belasten? Aber wenn jemand ehrlich sein Herz öffnet, muss man schon ein ziemlicher Unmensch sein, das nicht zu verstehen. Robert Kratky hat so etwas damals auch für seine Mutter gemacht, als sie vorangegangen ist, das ist ihm sehr schön gelungen. Vor allem aber wollte ich Dad eine Freude machen und ihm einen langjährigen Musikwunsch erfüllen: „In The Upper Room“ von Mahalia Jackson – das war sein absoluter Lieblingssong. Er wollte immer, dass der mal auf Ö3 läuft, aber das ist halt 50er-Jahre-Gospel, deshalb kam es nie dazu. Dann habe ich alle rausgeschickt aus dem Studio, nur Gabi durfte bleiben. Und einfach losgeredet.

Haben Sie sich von Ihrem Vater auch schmähmäßig viel abgeschaut?
Ja, alles. Punkt.
Ein Beispiel?
Das ist schwer, er war immer sehr schnell im Kopf. Ein Beispiel für seinen Humor wäre, dass er immer mit „Neumann“ abgehoben hat, obwohl wir natürlich alle Hansa heißen. Das war sein Ding. Er hatte immer die blödesten Sprüche, die kann man gar nicht erzählen.
Was verbinden Sie mit Graz, abgesehen von der Familie?
Als ich in den 20ern war und bei Ö3 begonnen habe, da wollte ich mit Wien verbunden bleiben, dort präsent sein. Ich habe sehr viel gearbeitet und hatte wenig Kraft dafür, am Wochenende nach Hause zu fahren – es sind trotzdem Familienbesuche, und wie jeder weiß, können die auch anstrengend sein. In den letzten fünf, sechs Jahren ist es schon deutlich mehr geworden. Ich nehme mir keine Termine vor, aber treffe auch Freunde – wie meinen ältesten Freund Hannes, er ist DJ und hat in St. Peter ein kleines Studio, das ist ein Happy Place geworden. Graz ist für mich einfach immer Wochenende, so würde ich es beschreiben – auch, wenn ich am Montag hierherkomme.
Und Sturm Graz? Woher kommt Ihre Liebe zum Verein?
Ganz klassisch, mein Papa hat mich mitgenommen – das war die Zeit des magischen Dreiecks mit Mario Haas, Ivica Vastić und Hannes Reinmayr, ich war mit neun Jahren bei allen Heim-Champions-League-Spielen. Ich hatte sogar einen Ivica-Vastić-Schrein.
Sie haben in Graz das Akademische Gymnasium besucht, danach BWL studiert – das hätte berufsmäßig in eine ganz andere Richtung laufen können.
Ja, ich habe einen Sommerjob gebraucht. Ich habe immer gearbeitet, bei einer Malerfirma oder in der Gruabn für den Grazer Sportclub. Dann habe ich auf der „blauen Seite“ vom ORF das Inserat für ein Ö3-Praktikum gesehen. Ich wollte meine kreative Seite austesten und habe es probiert. Das war wirklich eine Eingebung in dem Moment.
Und dann ging es ziemlich schnell.
Da war schon auch sehr viel Glück dabei. Obwohl ich auch sehr viel gearbeitet habe. Aber dass ich Gabi Hiller treffe, die auch meine beste Freundin ist, mit ihr gemeinsam ein Demo für eine Late-Night-Sendung abgebe …
… das hat ja super geklappt uhrzeitmäßig!
Haha, nein, zuerst ist aber „Frag das ganze Land“ daraus geworden, und das ist dann super aufgegangen.
Wie war Ihre Reaktion, als Sie später das Angebot bekamen, als jüngster Moderator der Ö3-Geschichte den Wecker zu moderieren?
Ich habe zu dem Zeitpunkt erst ein Jahr moderiert und total unterschätzt, wie groß das ist. Für mich die größte Verantwortung, neben den Hörern natürlich, ist es, für das ganze Team zu funktionieren. Ein Radio sollte ja ganz persönlich und klein klingen, aber im Hintergrund ist schon ordentlich Manpower dahinter.
Wie hat sich Ihr Leben durch den „Wecker“ verändert?
Der Tagesablauf natürlich, ich habe sicher schon viele superlustige Abende verpasst. Aber das passt wirklich voll für mich, ich stehe mit meiner besten Freundin im Studio, wir spielen Musik für Menschen und wollen denen natürlich den Einstieg in den Tag erleichtern. Das ist super.

Und dann gibt‘s ja auch noch den Podcast mit Gabi Hiller und Paul Pizzera, der ungemein erfolgreich geworden ist. Läuft da alles wirklich so spontan ab, wie es wirkt?
Ja, fast. Wir haben natürlich alle eine Liste mit Themen, die wir ansprechen wollen, aber oft halten wir uns gar nicht daran. Eine kurze Runde gibt es vor der Aufzeichnung noch zur Abstimmung – auch um zu klären, was wir nicht sagen wollen.
Die Auftritte mit den meisten Zusehern haben Sie aber jedes Jahr beim Eurovision Song Contest. Im wohl berühmtesten T-Shirt Österreichs …
Um ehrlich zu sein, hatte ich ein anderes Outfit, aber das war dann schmutzig. In meiner Panik habe ich zu dem T-Shirt gegriffen, das ich mit 13 oder 14 einmal in San Francisco gekauft habe.
Hätten Sie sich einen Song Contest aus Graz gewünscht?
Das wäre supercool gewesen, auch für den Michi Ostrowski. Was ich übrigens auch cool finden würde, wäre eine Rückkehr des Ö3-Weihnachtswunders nach Graz. Das war zuletzt im zweiten Jahr, 2015, hier. Es sollte unbedingt zurück in die Steiermark.
Zur Person
Philipp Hansa, geboren 1990 in Graz, ist seit 2012 bei Ö3.
2015 moderierte er erstmals den Ö3-Wecker, seit 2025 ist er Teil des Stammteams. 2016 wurde er als bester Newcomer beim Österreichischen Radiopreis ausgezeichnet.
Im TV ist er u. a. jährlich als österreichischer Punktesprecher beim Eurovision Song Contest zu sehen.
Gemeinsam mit Gabi Hiller und Paul Pizzera macht er den sehr erfolgreichen Podcast „Hawi d‘Ehre“.