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Peter Ambrozy: „Wegen der 16 Prozent weiß eh jeder, dass die Partei den falschen Weg geht“

Was der frühere SPÖ-Chef und Landeshauptmann Peter Ambrozy, jetzt 80, über Andreas Babler, Daniel Fellner und Ron Rabitsch denkt – und seiner Partei empfiehlt.

Peter Ambrozy (80) war nach dem Schussattentat auf LH Leopold Wagner von September 1988 bis nach der Landtagswahl 1989, bei der der SPÖ 480 Stimmen auf die absolute Mehrheit fehlten, Landeshauptmann (SPÖ) in Kärnten. Ihm folgte Jörg Haider (FPÖ-ÖVP-Koalition) nach
© Peter Rass
Peter Ambrozy (80) war nach dem Schussattentat auf LH Leopold Wagner von September 1988 bis nach der Landtagswahl 1989, bei der der SPÖ 480 Stimmen auf die absolute Mehrheit fehlten, Landeshauptmann (SPÖ) in Kärnten. Ihm folgte Jörg Haider (FPÖ-ÖVP-Koalition) nach

Er meldet sich nicht von selbst zu Wort, doch wenn er gefragt wird, spricht Peter Ambrozy Klartext. Vor wenigen Tagen wurde der frühere Kärntner SPÖ-Grande 80 Jahre alt. Als Landtags- und Regierungsmitglied, als SPÖ-Chef und Kurzzeit-Landeshauptmann (von September 1988 bis April 1989) prägte er Jahrzehnte die Landespolitik mit. Anders als in der späteren Ära von Peter Kaiser war Ambrozy stets mit Querschüssen aus der eigenen Partei konfrontiert.

„Schadenfrohe Hinweise sind entbehrlich“

Zu seinem 80er wünschte er sich selbst, „keine wirkliche Veränderung meines Zustandes. Ich fühle mich ziemlich fit – mit Ausnahme meiner neurologischen Erkrankung“ - die ihm das Gehen erschwert. Was Ambrozy seiner Bundespartei mit Parteichef Andreas Babler wünscht? „Dass sie sich in ihrer Gesamtheit findet und die Menschen die SPÖ dann in ihrer Gesamtheit und mit dem politischen Programm begreifen.“ Das erfordere jedoch eine andere Form der Debatte, auch Meinungsopfer. „Schadenfrohe Hinweise aus den eigenen Reihen auf Meinungsumfragen sind entbehrlich. Wenn manche Umfragen auf 16 Prozent zeigen, weiß eh jeder, dass es der falsche Weg ist, den die Partei geht“, deponiert Ambrozy unumwunden. Für die Kritik der Länder-SPÖ-Chefs Hans Peter Doskozil (Burgenland), Daniel Fellner (Kärnten) und Max Lercher (Steiermark) an Andreas Babler hat Ambrozy Verständnis. „Ich verstehe ihre Sorgen, dass sich die schlechte Stimmung in der Bundes-SPÖ auf die Landtagswahlen auswirkt.“

„Keiner kennt die Antwort“

Ambrozy mahnt jedoch: „Bevor man etwas verändert, muss man die Antwort wissen. Doch die kennt jetzt keiner.“ Es sei falsch, den Parteiobmann zu beschädigen, ohne einen Weg aufzuzeigen, wie man aus der Krise herauskommt. Ambrozy hält Babler „für ziemlich beschädigt“. Jetzt sei es die Frage ob es gelingen kann, das zu beseitigen. „Das muss die Partei in nächster Zeit beantworten. Wenn es eine andere Person an der Spitze sein soll, muss man wissen, wer. Ambrozy will keine Namen nennen.

Peter Ambrozy zur Bundes-SPÖ: „Die Partei muss sich in ihrer Gesamtheit wieder finden“
© Peter Rass
Peter Ambrozy zur Bundes-SPÖ: „Die Partei muss sich in ihrer Gesamtheit wieder finden“

Es ist falsch, den Parteichef zu beschädigen, ohne einen Weg aufzuzeigen, wie man aus der Krise kommt.

— Peter Ambrozy, Früherer SPÖ-Chef und Landeshauptmann

In Kärnten ist Ambrozy überzeugt, dass sich SPÖ-Chef und Landeshauptmann Daniel Fellner als Nachfolger von Peter Kaiser „das Vertrauen der Bevölkerung rasch erarbeiten wird“. Passieren keine Fehler, dann sei die Chance groß, bei der Landtagswahl 2028 Nummer 1 zu bleiben, und dass es die Fortsetzung „der Erfolgskoalition mit der ÖVP“ gibt. Wie er, der 2004 mit Jörg Haider die blau-rote „Chianti“-Koalition geschmiedet hat, die Chancen für eine SPÖ-FPÖ oder FPÖ-SPÖ-Koalition in Kärnten einschätzt, die mit Fellner vorstellbar – mit Kaiser hingegen ausgeschlossen gewesen – wäre? Für Ambrozy ist es wichtig, dass „eine engstirnige Nein-Politik gegenüber einer Partei nicht aufrechterhalten wird. Allerdings kommt es immer auf die Inhalte an.“ Er verweist auf gravierend veränderte Rahmenbedingungen. Die Chianti-Koalition gab es zur Zeit der Proporzregierung, als die FPÖ Kraft ihrer Stärke bei der Landtagswahl ohnehin in der Landesregierung vertreten war. Jetzt, da die Verfassung auf Koalitionsregierung geändert wurde, würde die FPÖ im Falle einer Koalition von der Oppositionsbank im Landtag in die Landesregierung geholt. Vor diesem Hintergrund „hätte die SPÖ-FPÖ-Koalition ein anderes Gewicht als damals die Chianti-Koalition“. Eines stellt Ambrozy jedoch klar: Mit Herbert Kickl (statt Erwin Angerer) sei für ihn eine Zusammenarbeit schwer vorstellbar.

2004 schmiedeten Peter Ambrozy und Jörg Haider die Chianti-Koalition, die FPÖ hatte die Wahl gewonnen, Haider blieb Landeshauptmann
© LPD-Bodner
2004 schmiedeten Peter Ambrozy und Jörg Haider die Chianti-Koalition, die FPÖ hatte die Wahl gewonnen, Haider blieb Landeshauptmann

Mit Blick auf Klagenfurt und die Bürgermeisterwahlen 2027 meint Ambrozy, dass die Wahl gegen den amtierenden Bürgermeister Christian Scheider „doch zu gewinnen sein müsste“. Ob die SPÖ den Bürgermeistersessel zurückgewinnen könnte? Überzeugt klingt Ambrozy nicht. Sein Nachsatz: „Scheider als Bürgermeister abzuschreiben, wäre falsch.“ Ronald Rabitsch, den Klagenfurter SPÖ-Chef und wahrscheinlichen Bürgermeisterkandidaten sieht Ambrozy als „agilen und sympathischen Politiker“.

Sein genereller Hinweis: Ob Bildung, leistbares Leben und Wohnen, Absicherung von Pflege und Gesundheitsversorgung - Auf allen politischen Ebenen müsste die SPÖ der Bevölkerung ein Modell klarmachen, wie man unter den heutigen Bedingungen Probleme gerecht lösen kann.

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