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Die Zahl der Morde sinkt, die Opfer sind mehrheitlich Frauen

Aktualisierte Analyse für Österreich zeigt Abwärtstrend über die letzten 50 Jahre. Im Vorjahr kamen 38 Menschen gewaltsam ums Leben, 23 der Opfer waren weiblich.

Spurensicherer am Tatort eines Mordes an einer Frau in Wien-Brigittenau
© APA / Georg Hochmuth
Spurensicherer am Tatort eines Mordes an einer Frau in Wien-Brigittenau

Die Zahl der Tötungen in Österreich ist im langjährigen Schnitt gesunken – bei männlichen Opfern stärker als bei weiblichen. Die Zahl der Verurteilungen wegen versuchten Mordes stieg hingegen. Das zeigen aktualisierte Ergebnisse der Analyse zu Morden in Österreich der FH Joanneum im Auftrag des Bundesverbandes der Gewaltschutzzentren, die am Dienstag präsentiert wurden. 2025 erfasste die Todesursachenstatistik 38 Morde, 23 der Opfer waren weiblich, 15 männlich.

Die Analyse wurde im Vorjahr erstellt, die Kleine Zeitung hat dazu ein ausführliches Interview mit den Autoren geführt. Erstmals zeigte sie eine Aufschlüsselung der Tötungsdelikte seit den 1970er-Jahren. Ziel sei es, Fakten zum Thema Mord zu liefern, langjährige Trends und geschlechterspezifische Unterschiede zu erfassen, erklärte Studienautor Rainer Loidl von der FH Joanneum in Graz. Die Studie solle jährlich weiterentwickelt werden, ergänzte Marina Sorgo, stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbandes der Gewaltschutzzentren. Deshalb wurden nun aktuelle Zahlen aus dem Jahr 2025 eingearbeitet und weitere Auswertungen ergänzt, wie etwa nach Geschlecht, Alter oder Herkunft der Opfer.

Im Vorjahr setzte sich der Trend der vergangenen 50 Jahre fort: Mit 38 Fällen zählte die Todesursachenstatistik der Statistik Austria weniger Fremdtötungen als in den Jahren davor. 23 der Opfer waren weiblich, 15 männlich. Bei männlichen Opfern variiere die Zahl im Zeitverlauf stärker, der Rückgang der Sterbefälle seit 1970 sei zugleich noch markanter als bei weiblichen Getöteten.

Amoktat in Graz als „statistischer Ausreißer“

Da es sich bei den Fallzahlen in Österreich um relativ niedrige Werte handelt, lassen einzelne Ereignisse die jährlichen Werte stark schwanken, sagte Loidl. Detailauswertungen stoßen daher an ihre Grenzen. Das zeigte sich im Vorjahr durch die Amoktat am Grazer BORG Dreierschützengasse mit zehn Getöteten. Rund 26 Prozent der Opfer entfallen damit auf ein Ereignis – und damit auch auf ein Bundesland, einen Monat und einen Tatmechanismus, heißt es in der Studie. Zudem waren die Opfer bei der Mehrfachtötung überwiegend weiblich. In der polizeilichen Anzeigenstatistik für 2025 fand der Amoklauf übrigens keinen Eingang. Der Akt sei noch nicht abgeschlossen, hieß es bei der Präsentation im März. Daher wurden in der Steiermark offiziell sieben vollendete Morde gezählt

Marina Sorgo und Rainer Loidl analysieren die tödlichen Gewalttaten
© Klz / Stefan Pajman
Marina Sorgo und Rainer Loidl analysieren die tödlichen Gewalttaten

Die Mordrate ist in Österreich im Vergleich sehr niedrig

Insgesamt gab es im Zeitraum von 1970 bis 2025 4335 Getötete, das seien im Schnitt 77 pro Jahr. Betrachtet man die vergangenen 20 Jahre, lag die Fallzahl im Schnitt zwischen 33 und 60 Morden. Auch die Mordrate – also die Zahl der Tötungen pro 100.000 Einwohner – ist seit den Siebzigerjahren gesunken. Österreich zähle mit einer Mordrate von 0,5 zu den sichersten Ländern weltweit.

Der Trend zum Rückgang an Mordfällen zeige sich bei männlichen und weiblichen Opfern – bei Männern jedoch stärker. Betrachtet man die vergangenen 20 Jahre, wurden in Summe mehr Frauen als Männer getötet. Da Daten zur Täter-Opfer-Beziehung fehlen, könne hier nicht von Femiziden gesprochen werden, hieß es bei der Präsentation. Berichte, wonach Österreich im europäischen Vergleich zu den Ländern mit besonders vielen Tötungen von Frauen zähle, würden die Zahlen nicht bestätigen, sagte Loidl.

Zwei Drittel der getöteten Frauen wurden zuhause ermordet

Einen geschlechtsspezifischen Unterschied gab es beim Tötungsort: So wurden seit 2002 knapp zwei Drittel der getöteten Frauen zuhause ermordet, bei Männern war es rund ein Drittel. Der häusliche Kontext bei Frauenmorden bleibe ein zentrales Problemfeld, so die Studie. Auch Detailauswertungen zum Alter zeigen Unterschiede: So werden in der Altersgruppe der über-75-jährigen Frauen anteilig mehr Tötungen verzeichnet. Bei Kindern unter fünf sind hingegen Buben anteilig häufiger betroffen.

Auch polizeiliche Anzeigenstatistik und gerichtliche Verurteilungsstatistik wurden in der aktualisierten Studie mit den Zahlen der Todesursachenstatistik abgeglichen. Hier zeigte sich, dass die Verurteilungen wegen Mordes kaum abnahmen und die Anzahl der Verurteilungen aufgrund „versuchten Mordes“ besonders seit 2018 stark stieg.

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