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K.O.-Tropfen im Getränk? Streetwork Murtal teilt Soforttests aus

K.O.-Tropfen bleiben brisantes Thema bei Jugendlichen in Murau-Murtal. Streetwork startet Kampagne, Neos stellen Anfrage an Landesregierung.

Franz Hammer und Jasmin Csandl starten die Initiative „Safe Night Murtal“
© KLZ / Sarah Ruckhofer
Franz Hammer und Jasmin Csandl starten die Initiative „Safe Night Murtal“
Sarah Ruckhofer
Stv. Ressortleiterin Regionalredaktionen Steiermark, Teamleiterin Regionalredaktion Murtal & Murau

Das Thema K.O.-Tropfen hat in den letzten Wochen für viel Wirbel gesorgt: Wie berichtet rumorte es nach mehreren angeblichen Zwischenfällen bei Festen im Bezirk Murau. Eine 15-Jährige wurde bei einem Zeltfest in Oberwölz bewusstlos und musste später sogar intubiert werden, ein Test auf K.O.-Tropfen verlief allerdings negativ. Trotzdem sind die Eltern des Mädchens und weiterer Betroffener überzeugt, dass K.O.-Tropfen im Umlauf sind. Die Polizei hat nach Ermittlungen keine Hinweise auf die Verabreichung von K.O.-Tropfen gefunden, die festgestellten Beeinträchtigungen seien auf Alkoholkonsum zurückzuführen.

„Bei uns schlägt das Thema K.O.-Tropfen immer wieder auf. Wir wissen von unseren Klientinnen und Klienten, dass es immer wieder Vorfälle damit gibt“, erzählt Streetworkerin Jasmin Csandl. Aufgrund von Budgetkürzungen ist Streetwork seit Jahresbeginn nicht mehr in Murau, sondern nur mehr im Bezirk Murtal tätig. Hier startet man diese Woche die Initiative „Safe Night Murtal“. Ausgeteilt werden Test-Kits des Wiener Unternehmens „Night Saver“: Binnen Sekunden kann so festgestellt werden, ob Getränke mit Drogen versetzt wurden (Details siehe unten). Dazu haben die Streetworker Infokarten gestaltet und geben Festivalbänder aus, die auf das Thema verweisen.

So sieht ein „Safe Night“-Paket aus
© KLZ / Sarah Ruckhofer
So sieht ein „Safe Night“-Paket aus

So funktionieren die Tests

Mit einem Strohhalm oder dem Finger wird ein Tropfen aus dem Getränk auf dem Testfeld platziert. Nach weniger als zehn Sekunden ist das Ergebnis ablesbar: Eine Verfärbung deutet auf K.O.-Tropfen hin.

Getestet wird auf den Wirkstoff GHB (bekannt als Liquid Ecstasy) und dessen Vorstufe GBL, die am häufigsten als K.O.-Tropfen zum Einsatz kommen. Die Stoffe sind günstig erhältlich und nur sehr kurz im Blut nachweisbar.

GHB ist ein hoch wirksames Allgemeinanästhetikum, es beeinträchtigt Schmerzempfinden und Bewusstsein. GBL ist ein industrielles Lösungsmittel, das sich im Körper in GHB umwandelt und ähnlich wirkt.

Eine 100-prozentige Sicherheit liefern aber auch die Tests nicht, da auch andere Substanzen als K.O.-Tropfen zum Einsatz kommen können. Daher gilt: Immer achtsam sein und Getränke nicht unbeaufsichtigt stehen lassen.

Erhältlich sind die Tests unter www.night-saver.com (im Murtal auch direkt in der Streetwork-Anlaufstelle Knittelfeld).

Quelle: Night Saver

Nicht nur Frauen betroffen

„Wir wollen mit ‚Safe Night‘ auf die Gefahren beim Fortgehen aufmerksam machen. Unserer Erfahrung nach trifft es nicht nur Jugendliche – und nicht nur Frauen“, so die Streetworker. „Oft passiert es schon nach wenigen Getränken. Gerade Erwachsene können normalerweise gut abschätzen, wie sie Alkohol vertragen. Wenn nach einem Bier plötzlich ein Filmriss auftritt und das nicht nur bei einem, sondern bei mehreren in einer Gruppe, ist das doch recht deutlich.“

Das Problem in der Praxis: K.O.-Tropfen sind tückisch. Zum Einsatz kommen verschiedenste Drogen, einige davon sind nur wenige Stunden im Blut nachweisbar. „Was wir von Opfern hören, merken sie oft erst am nächsten Tag nach dem Aufwachen, dass etwas passiert ist. Und dann ist es für eine Blutabnahme oft schon zu spät“, so Csandl und ihr Kollege Franz Hammer. Die meisten Substanzen sind geruchs-, farb- und geschmacklos, schon wenige Tropfen reichen aus. Binnen kürzester Zeit kommt es bei geringen Dosierungen zu Euphorie oder Enthemmung. Höhere Dosierungen führen zu Benommenheit, Erinnerungslücken und plötzlicher Bewusstlosigkeit. Alles Symptome, die auch bei zu viel Alkohol auftreten können, was die Differenzierung schwierig macht.

Tipps der Streetworker

Immer auf das Getränk achten: Keine offenen Getränke von Fremden annehmen, das Getränk immer im Blick haben.

Zusammenbleiben: Mit Freunden vereinbaren, gemeinsam nach Hause zu gehen.

Dem Gefühl vertrauen: Bei plötzlichem Unwohlsein dem Bauchgefühl vertrauen.

Hilfe holen: Im Zweifel lieber einmal zu viel Hilfe holen. Bei plötzlichen Symptomen Freunden, Securitys oder dem Barpersonal Bescheid sagen. Nicht alleine nach draußen gehen.

Mögliche Warnzeichen: Schwindel, starke Müdigkeit, Benommenheit, Kontrollverlust, ungewöhnlich starke Wirkung nach wenig Alkohol.

Auf die gelben Herzen wird das Getränk aufgetragen, verfärbt sich das Herz, ist das ein Hinweis auf Drogen
© KLZ / Sarah Ruckhofer
Auf die gelben Herzen wird das Getränk aufgetragen, verfärbt sich das Herz, ist das ein Hinweis auf Drogen

Helfen und hinschauen

Mit der Kampagne wollen die Streetworker auch Bewusstsein schaffen: „Wir sind von Klienten in letzter Zeit immer wieder auf K.O.-Tropfen angesprochen worden und wussten, wir müssen etwas unternehmen. Hundertprozentige Sicherheit kannst du auch mit dem Test nicht haben, da nur auf die gängigsten Substanzen getestet wird. Darum ist es so wichtig, aufeinander zu achten.“ Gerade wenn jemand über plötzliche starke Symptome klagt, sollte er nicht alleine gelassen werden. „Helfen, hinschauen und hingreifen. Niemand ist selbst schuld, es kann binnen Sekunden gehen.“

Neos stellen Anfrage

Die Diskussion um K.O.-Tropfen hat auch die Politik erreicht. Die SPÖ teilte nach Bekanntwerden der Gerüchte Schutzdeckel für Getränke in Murau aus. Nationalratsabgeordneter Wolfgang Moitzi berichtet von positiven Reaktionen: „Ich bin durch die Nightline Murtal auch viel in Gespräch mit Jugendlichen. Gerade bei jungen Mädchen sind K.O.-Tropfen aktuell ein riesiges Thema.“

Nun starten die Neos ein Landtagsanfrage. Abgeordneter Robert Reif aus dem Pölstal hat aus seinem Umfeld von Vorfällen gehört, Eltern würden berichten, dass ihren Töchtern in konkreten Situationen nicht geglaubt wurde. „Verdachtsfälle müssen ernst genommen werden. Viele Substanzen sind nur kurze Zeit nachweisbar. Hier kann jede Stunde entscheidend sein“, so Neos-Gesundheitssprecherin Bettina Schoeller. Mit der Anfrage wolle man klären, wie genau die Abläufe in steirischen Krankenhäusern sind, ob es einheitliche Verfahren gibt und alle möglichen toxikologischen Untersuchungen zur Verfügung stehen.

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