König Harald V. von Norwegen mit 89 Jahren gestorben
Der älteste regierende Monarch Europas ist tot. Norwegen verliert einen besonnenen und krankheitsgeplagten König. Die Zustimmung zur Monarchie sank jüngst.
Norwegen trauert um König Harald V., der im Alter von 89 Jahren in der Osloer Uniklinik Rikshospitalet starb. Im Jänner feierte der älteste regierende Monarch in Europa sein 35. Thronjubiläum, in den Wochen und Monaten danach kämpfte er immer wieder mit gesundheitlichen Problemen. Mitte August war der Monarch wegen der Bluterkrankung hämolytische Anämie - einer Form der Blutarmut - ins Krankenhaus eingeliefert und mit Kortison behandelt worden. Dort zog er sich zusätzlich eine bakterielle Infektion des Blutkreislaufs zu. Das Königshaus hatte zuletzt mitgeteilt, dass sich der Zustand von Harald V. verschlechtert habe. Nun ist sein 53-jähriger Sohn als Haakon VIII. König.
Es war nicht das erste Mal, dass um König Harald V. gebangt wurde. Während seines Winterurlaubs auf Teneriffa musste der norwegische König bereits im Februar 2026 wegen einer Infektion im Krankenhaus behandelt werden. Zwei Jahre davor war ihm in einer Klinik in Malaysia ein temporärer Herzschrittmacher eingesetzt worden. 2003 erkrankte der Monarch an Blasenkrebs, 2005 folgte eine Operation wegen Aortenstenose. Schon damals vertrat ihn sein Sohn und Kronprinz Haakon.
Internationale Verbindungen
Als Kind von König Olav V. und Kronprinzessin Märtha von Schweden kam Harald V. am 21. Februar 1937 zur Welt - laut Historikern war er der erste Kronprinz seit dem 14. Jahrhundert, der in Norwegen geboren wurde. Sein Großvater und Vater erblickten etwa in England bzw. nahe Kopenhagen das Licht der Welt. Laut Stammbaum ist Harald über drei verschiedene Wege der Ur-Urenkel des dänischen Königs Christian IX. (1818–1906), familiäre Verbindungen gibt es auch ins belgische und britische Königshaus.

Als Kind lebte der Prinz während des Zweiten Weltkrieges eine Zeit lang in Schweden sowie den USA. Als Harald 17 Jahre alt war, starb seine Mutter Märtha infolge einer Krebserkrankung. Drei Jahre später wurde sein Vater Olav V. nach dem Tod des Großvaters Haakon VII. König und Harald zum Kronprinzen.
Nun ist Haralds Sohn Haakon VIII. König von Norwegen, der schon zuletzt die Amtsgeschäfte trug.
„Alles für Norwegen“
Für die Ehe mit der praktisch gleichaltrigen Sonja Haraldsen 1968 musste Harald reichlich Überzeugungsarbeit leisten - sie stammt aus bürgerlichen Verhältnissen. Sein Vater König Olav V. fürchtete, die Heirat könne der Monarchie schaden, und stimmte erst nach neun Jahren der Ehe zu. Das Paar bekam Anfang der Siebziger-Jahre zwei Kinder - Prinzessin Märtha Louise und Kronprinz Haakon, der später Platz eins in der Thronfolge einnahm und nun vermutlich das Amt seines Vaters übernehmen wird.
Nachdem König Olav V. 1991 an Herzversagen verstorben war, legte Harald den königlichen Eid auf die Verfassung ab und setzte seine Regentschaft wie seine Vorgänger unter den Wahlspruch „Alt for Norge“ („Alles für Norwegen“). Beobachter bezeichneten König Harald V. als stets bescheidenes, behutsames Staatsoberhaupt, das zur richtigen Zeit die richtigen Worte fand. Haralds bewegende Rede nach den tödlichen Anschlägen des Rechtsterroristen Anders Behring Breivik im Jahr 2011 hallte lange nach. „Ich fühle mit jedem von euch“, sagte der Vater und fünffache Großvater damals.
Wir Menschen machen Fehler. Aber wir versuchen, aus unseren Fehlern zu lernen
— König Harald V. bei der Neujahrsansprache 2025
Palast in der Kritik
Als begnadeter Segler nahm König Harald V. dreimal bei Olympischen Spielen teil und erlangte 1987 sogar den Weltmeistertitel. Erst als 85-Jähriger beendete er seine Segelkarriere. Zuletzt zogen rund um das Königliche Schloss in Oslo jedoch stärkere Stürme auf. Einmal belastete den Palast der Vergewaltigungsprozess gegen Haralds angeheirateten Enkel Marius Borg Høiby (29). Der König zeigte sich bei seiner Neujahrsansprache 2025 selbstkritisch und nahbar: „Wir Menschen machen Fehler. Die Dinge entwickeln sich nicht so, wie wir es uns erträumt oder vorgestellt haben. Aber wir versuchen, aus unseren Fehlern zu lernen.“ Rund ein Jahr später sprach er „allen Betroffenen“ der Causa Høiby großes Mitgefühl aus. Zum anderen brachten die Verbindungen zu Jeffrey Epstein Mette-Marit in Erklärungsnot.
Auch Tochter Prinzesin Märtha Louise sorgte immer wieder für Negativ-Schlagzeilen. Die Beziehung und Ehe mit dem umstrittenen US-Schamanen Durek Verrett wird von Vergewaltigungsvorwürfen, Geldproblemen und kommerzieller Ausnutzung ihres königlichen Titels überschattet.
Die Zustimmung der Bevölkerung zur Monarchie sank Anfang des Jahres laut einer Umfrage auch infolge der jüngsten Skandale von 70 auf gerade einmal 60 Prozent. Das Parlament sprach sich im Februar zwar mit breiter Mehrheit für ihren Erhalt aus, der neue König steht mehr als seine Vorgänger vor der Aufgabe, die royale Familie Norwegens wieder in ruhigere Gewässer zu manövrieren.
Weitere gesundheitliche Probleme in Königsfamilie
Alles andere als gut stand es überdies zuletzt um die Gesundheit von Kronprinzessin Mette-Marit (53). Die Lungenfibrose-Patientin hat im Juni 2026 eine neue Lunge bekommen und muss sich erholen. Auch Königin Sonja (89), Witwe von König Harald, wurde im Mai wegen Herzproblemen im Spital behandelt. Seine ältere Schwester Astrid (94) hat ebenfalls ein schwaches Herz.
Das Wichtigste für den Royal war immer die Familie. Neben Ehefrau Sonja, hinterlässt er zwei Kinder und sechs Enkelkinder. Kronprinz Haakon und Kronprinzessin Mette-Marit haben zwei gemeinsame Kinder, Prinz Sverre Magnus und Prinzessin Ingrid Alexandra. Die 53-Jährige brachte noch Sohn Marius Borg Høiby mit in die Ehe. Prinzessin Märtha Louise und ihr verstorbener Ehemann Ari Behn haben drei Kinder: Maud Angelica Behn, Leah Isadora Behn und Emma Tallulah Behn.
