Dürrehilfen für Bauern: „Riesenwatsche und Verhöhnung“
Die Bundesregierung hat sich geeinigt, Landwirte mit 240 Millionen Euro zu unterstützen. Für viele User des Kleine-Zeitung-Forums geht das nicht weit genug. Wie stehen Sie dazu?
Die Bundesregierung hat sich nach zwei Wochen Verhandlungen auf Dürrehilfen geeinigt. Nach dem extrem trockenen Sommer kündigt sie für Landwirte Unterstützungen in der Höhe von 240 Millionen Euro an. Im Detail werden Bauern zwei Monatsbeiträge der Sozialversicherung erlassen, das macht rund 140 Millionen Euro aus und wird wohl erst im kommenden Jahr spürbar. Je 50 Millionen Euro werden für zusätzliche Förderungen der Dürreversicherung sowie für Zuschüsse für Betriebsmittelkredite ausgegeben. Die Länder sollen sich beteiligen.
Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) sprach offen von einem „Kompromiss zwischen den drei Parteien“, keiner sei zu 100 Prozent mit der Lösung zufrieden. Die Dürrehilfen würden die Budgetziele jedoch nicht gefährden. Agrar- und Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP) erklärte die Entlastung bei der Sozialversicherung damit, dass ganz Österreich betroffen sei: „Da wir heuer insgesamt weniger Ertrag haben, ist es völlig gerechtfertigt, dass wir hier auf der Seite der Sozialversicherung ein Signal setzen.“ Mit der Einigung geht auch das Bundes-Klimaschutzgesetz einher, das Klimaneutralität bis 2040 vorsieht.
„Gießkanne feiert fröhliche Urständ“
Die Reaktionen zu den Dürrehilfen fallen im Forum der Kleinen Zeitung gemischt aus. Mit Kritik an der Maßnahme wird nicht gespart. So schreibt User „Resistance“: „Obwohl dauernd von Totschnig dementiert, feiert die Gießkanne fröhliche Urständ! Unabhängig davon, ob und wie viel ein Landwirt einen Dürreschaden erlitten hat, wird lustig Steuergeld (...) an alle Bauern verteilt.“ Man müsse davon ausgehen, „dass die Trocken- und Hitzeperioden künftig immer wieder und immer härter zuschlagen werden“.
„FranzWinkler75“ vermisst langfristigere Maßnahmen: „Für Klimaschutzmaßnahmen ist kein Geld da, aber da sprudelt es nur so. Heuer 240 Mio. …in 5 Jahren brauchen wir 1 Mrd. im Jahr.“ „Ich befürchte, dass sich die Preise trotz Förderungen erhöhen werden. Ich vermisse auch in ihrem eigenen Interesse die Forderung der Bauern nach vermehrter Klimaschutzpolitik“, schreibt „07ran“.
Diese Summe gleicht den Schaden trotzdem nicht aus
— User „Sauschneider“
Hilfe unzureichend?
Gleich zwei Kritikpunkte äußert „Wolf02“: „So stell‘ ich mir eine Soforthilfe vor, wenn nur 50 Millionen wirklich sofort kommen und der Rest ab Anfang nächstes Jahr kommen sollte. Das ist eine Riesenwatsche und Verhöhnung für die Betroffenen.“ Außerdem hätte 2050 als Ziel für die Klimaneutralität - entsprechend dem Ziel der EU - ausgereicht, so „Wolf02“.
„Ich als direkt Betroffener empfinde es als eine Frechheit, wie stümperhaft die Regierung mit den Interessen von uns Landwirten umgeht - zu Corona-Zeiten wurden Tourismus und Handel in Bausch und Bogen massiv überfördert“, kommentiert „madmote3“. „Diese Summe gleicht den Schaden trotzdem nicht aus“, hebt „Sauschneider“ hervor und nennt als Beispiel die Rinderpreise. Diese seien „dank der Dürre absolut im Keller“.
Seien wir doch froh, in einem Sozialstaat leben zu dürfen und zu wissen, dass uns in Notsituationen geholfen wird
— User „fliegenpilz123“
„Rasantes Bauernsterben“ ließe SPÖ und Neos kalt
Richtig findet den Schritt der Bundesregierung „fliegenpilz123“: „Und schon wieder geht die Neiddebatte munter los. (...) Seien wir doch froh, in einem Sozialstaat leben zu dürfen und zu wissen, dass uns in Notsituationen geholfen wird. Jetzt sind es halt die Bauern, wir bekommen hochwertige Lebensmittel von ihnen. Und so ‚ganz nebenbei‘ pflegen sie die Landschaft und die Almen.“
„tim29tim“ stellt sich ebenfalls hinter die heimischen Landwirte: „Jedes Jahr sperren in Österreich tausende Bauernhöfe zu, weil man trotz 80-Stunden-Woche nicht mehr davon leben kann. Nicht mal nach der Dürre-Katastrophe wollte Rosa-Rot etwas gegen das rasante Bauernsterben unternehmen. Gut, dass VP-Kanzler Stocker die Rettung unserer heimischen Nahrungsmittel-Produzenten durchgesetzt hat.“
