Vier Verhaftungen: Rätselraten um Motiv der Brandstifter in Kroatien
Waldbrände in der Region Zadar am Freitag und Samstag sorgten für enormen Schaden. Vier Verdächtige wurden wegen Brandstiftung festgenommen. Ihr Motiv ist unklar.

In Kroatien wurden am Samstag vier Verdächtige festgenommen. Den drei Männern (42, 45 und 46) mit kroatischer Staatsbürgerschaft, Angehörigen der serbischen Minderheit, sowie einer 33-jährigen polnischen Staatsbürgerin wird vorgeworfen, am Freitag und Samstag insgesamt zehn Brände in der Region um Zadar gelegt zu haben. „Bei der Festnahme der Verdächtigen - sie waren gemeinsam in einem Fahrzeug unterwegs - und den anschließenden Durchsuchungen von Fahrzeugen sowie Wohnadressen, wurden ein halbautomatisches Gewehr, eine Pistole und Munition sichergestellt“, teilte die Polizei am Sonntag mit.
Am Montag ordnete der zuständige Untersuchungsrichter in Zadar, Hrvoje Visković, eine einmonatige Untersuchungshaft wegen Flucht und Verdunkelungsgefahr für die Verdächtigen an. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen ein schweres Verbrechen gegen die öffentliche Sicherheit vor. Den Beschuldigten drohen bei Verurteilung bis zu zehn Jahre Haft.
Terrorismus
Die Täter seien geständig, die Brände mit Feuerzeugen durch Verbrennen von trockenem Gras entlang der Straßenränder verursacht zu haben, erklärte Visković gegenüber 24sata: „Mehr wissen wir noch nicht, man muss jetzt die Ergebnisse der Branduntersuchungen abwarten." Es müsse etwa geklärt werden, ob Brandbeschleuniger zum Einsatz kamen. So werde die Kleidung der Verdächtigen auf etwaige Rückstände untersucht und die Mobiltelefone seien beschlagnahmt worden und werden ausgewertet. Je nach Ermittlungsergebnis kann es auch zu einer Neuklassifizierung der Anklage kommen: „Unter anderem etwa wegen Terrorismus", sagte Visković. Derzeit kenne man das Motiv der Verdächtigen für die Brandstiftungen nicht.

Die Verdächtigen
Bekannt ist mittlerweile, dass alle zum Tatzeitpunkt unter massivem Alkoholeinfluss standen. Den Brandstiftungen soll eine tagelange Zechorgie vorausgegangen sein. Die Polin soll mit einem der Männer befreundet sein und sich auf der Durchreise befunden haben.
Kroatische Medien berichten, dass einer der Verdächtigen eine Landwirtschaft von den Eltern geerbt hatte, dort Schafe hält und dafür in den letzten neun Jahren etwa 221.000 Euro an Agrarsubventionen erhalten hatte.
Umweltskandal
Ein weiterer Verdächtiger erlangte bereits zuvor öffentliche Aufmerksamkeit. Der Mann steht im Zusammenhang mit einem Umweltskandal, dessen Auswirkungen am Europäischen Gerichtshof verhandelt wurden. Er hatte einen Teil seines Grundstücks für die Entsorgung von Bauabfällen verpachtet. Tatsächlich wurde dort in den Jahren 2010 und 2011 ein Berg von etwa 140.000 Tonnen an Schlackenabfällen entsorgt: Silico-Mangan- und Ferromangan-Schlacke, ein Nebenprodukt der Sanierung des ehemaligen Elektroden- und Ferrolegierungswerks (TEF) in Šibenik.
Schwarzer Berg
Medial sorgte die Affäre unter der Bezeichnung „Crno Brdo“ (Schwarzer Berg) für viel Aufsehen in Kroatien. Der Verdächtige beteuerte stets, nichts davon gewusst zu haben. Wie er erst letztes Jahr gegenüber der Zeitung „Novosti“ angab, habe ihm ein Immobilienmakler das Angebot unterbreitet, sein Grundstück zu verpachten. „Als man mir sagte, dass dort Baumaterialien gelagert würden, dachte ich an Ziegelsteine und Zement, so etwas in der Art", sagte er gegenüber Novosti. Das ganze Dorf habe ihn dafür gehasst.
Der Protest der Anrainer führte zu Untersuchungen der Deponie. Tests ergaben eine erhöhte Konzentration krebserregender polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoffe in der Schlacke. Die Anrainer erwirkten letztes Jahr ein Urteil am Europäischen Gerichtshof, das den Staat zur Beseitigung und Sanierung verpflichtete, bisher wurden 120.000 Tonnen abtransportiert und aufbereitet.
Über den vierten Verdächtigen gibt es derzeit keine näheren Informationen. Für alle vier gilt die Unschuldsvermutung.
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