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„Ich verstehe nicht, warum EU-Abgeordnete so etwas beschließen“

Der steirische Handel kämpft mit den Folgen des Krieges im Nahen Osten und mit der neuen EU-Verpackungsverordnung. Real sanken die Umsätze im ersten Halbjahr – aber nicht überall.

„Mehr Hemmnisse als Impulse“: Ökonom Peter Voithofer und Handelsobmann Gerhard Wohlmuth bilanzieren das erste Halbjahr im steirischen Handel
© WK/Foto Fischer
„Mehr Hemmnisse als Impulse“: Ökonom Peter Voithofer und Handelsobmann Gerhard Wohlmuth bilanzieren das erste Halbjahr im steirischen Handel
Hannes Gaisch-Faustmann
Stv. Ressortleiter Wirtschaft

Seit Tagen machen Händler und Händlerinnen ihrem Ärger über die neue EU-Verpackungsverordnung Luft. Auch Gerhard Wohlmuth, Spartenchef in der steirischen Wirtschaftskammer, schüttelt den Kopf, wenn er an die Auswirkungen denkt. „Diesen Rucksack können kleine Betriebe nicht tragen. Für mich ist es nicht nachvollziehbar, dass EU-Abgeordnete so etwas beschließen können.“

Zur Einordnung: Die Verordnung soll Müll reduzieren und die Kreislaufwirtschaft ankurbeln. Gleichzeitig entstehen für Handelsbetriebe umfassende Informations-, Prüf-, Dokumentations- und Nachweispflichten, klagt die Branche. Den Unternehmen entstehen zusätzliche Kosten – vor allem im grenzüberschreitenden Handel. Die Verordnung trat bereits im Februar 2025 in Kraft und wurde nach einer Übergangszeit am 12. August scharf gestellt. „In Österreich wurde keine Richtlinie erlassen, wie sie umzusetzen ist“, sagt Wohlmuth und fordert eine rasche Überarbeitung der neuen Regelung. Er sei im Vorfeld auch von keinem EU-Abgeordneten um seine Meinung gefragt worden.

Real sanken Umsätze um 1,2 Prozent

„Wir haben mehr Hemmnisse als Impulse“, erklärt Wohlmuth mit Blick auf die EU-Bürokratie und die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten, die die Energiekosten nach oben treiben. 18,2 Milliarden Euro erlösten steirische Händler im ersten Halbjahr (inklusive Großhandel und Kfz-Wirtschaft), um rund 300 Millionen bzw. 1,7 Prozent mehr als in den ersten sechs Monaten 2025. „Das klingt gut, ist es aber nicht. Denn real, also preisbereinigt, sehen wir einen Rückgang des Umsatzes um 1,2 Prozent.“

Gewinner und Verlierer

Die Zwischenbilanz fällt in den einzelnen Segmenten unterschiedlich aus, zeigt die Analyse von Peter Voithofer (Institut für Österreichs Wirtschaft). Das größte nominelle Umsatzplus steht hinter dem Handel mit Sport und Spiel (plus 6,7 Prozent), gefolgt von Zeitungen und Büchern (5,5), Drogerien und Apotheken (4,2), Mode und Schuhe (4,0), Uhren und Schmuck (3,7) sowie dem Autohandel (3,0). Der Lebensmittelhandel blieb mit 2,5 Prozent Umsatzplus unter der Inflation, ebenso das Geschäft der Floristinnen und Floristen (1,2). Der Handel mit Elektrogeräten, Möbeln und Heimwerkerbedarf schrumpfte gar um 2,1 Prozent, was mit der geringen Bautätigkeit erklärt wird.

Der Preisauftrieb im Einzelhandel blieb mit 2,0 Prozent unter der Inflationsrate, betont Voithofer. „Es gab keine Aufwärtstendenzen im ersten Halbjahr, das zweite wird auch nicht einfach werden.“

EU-Zoll: Wirkung lässt bereits nach

Die Frage, ob der seit Juli geltende EU-Pauschalzoll für Sendungen aus Drittländern den heimischen Händlern helfe, verneint Wohlmuth klar: „Das hat nichts gebracht. Am Anfang gab es einen Knick bei den Bestellungen, jetzt steigt es wieder. Das lässt sich nicht mehr abstellen.“

Auf Nachfrage bestätigt die Post diese Entwicklung der Kleinen Zeitung. Gab es in den ersten zwei Juliwochen noch einen Rückgang der Paketmengen aus Asien um rund 50 Prozent, so betrage das Minus derzeit im Vergleich zum Vorjahr nur noch 16 Prozent. Die Post geht davon aus, dass sich diese Entwicklung in den nächsten Monaten fortsetzen werde, auch weil asiatische Händler immer mehr dazu übergehen, Waren aus der EU zu versenden.

Wenig Freude macht derzeit die Situation auf dem Arbeitsmarkt. Die Zahl der Arbeitslosen im steirischen Handel stieg im Jahresabstand um 6,5 Prozent auf 5410 Personen. Demgegenüber standen 1435 offene Stellen.