EU-Zoll auf Pakete: Bestellungen aus China gehen stark zurück
In den ersten zwei Juliwochen brachen bei der Österreichischen Post die Paketmengen von Billigplattformen aus China um die Hälfte ein.

Für Konsumentinnen und Konsumenten ist es nicht einfach zu überblicken, welche Gebühren für Onlineeinkäufe anfallen. Seit 1. Juli gelten EU-weit drei Euro Pauschalzoll für Bestellungen aus Drittländern bis zu einem Warenwert von 150 Euro (Sendungen über diesem Wert müssen verzollt werden). Drei Euro werden für jede Warengruppe fällig, auch wenn sie zusammen bestellt werden. Die EU will die Paketschwemme chinesischer Billiganbieter eindämmen.
Ab 1. Oktober kommt noch die nationale Paketabgabe in der Höhe von 2,40 Euro hinzu. Und im November packt die EU zusätzlich zwei Euro Bearbeitungsgebühr für jedes Paket aus Drittstaaten drauf.
Der seit rund drei Wochen geltende Drei-Euro-Zoll der EU versetzt den bestellten Mengen aus China bereits einen starken Dämpfer, sagt Peter Umundum, Logistikvorstand der teilstaatlichen Österreichischen Post, der Kleinen Zeitung. „In den ersten zwei Juliwochen sehen wir einen Rückgang um 50 Prozent.“
Hunderttausende Pakete weniger
Um welche Mengen geht es? In den letzten Jahren nahmen Pakete aus Fernost stark zu. 2025 landeten rund 25 Millionen Stück in Österreich, 19 Millionen davon transportierte die Post, das waren knapp mehr als acht Prozent ihres Gesamtaufkommens von 232 Millionen Paketen am Heimmarkt. Im Schnitt bearbeitet die Post also rund 1,6 Millionen Pakete aus China pro Monat – in der ersten Julihälfte sind ihr mehrere hunderttausend Stück durch die Lappen gegangen. Der EU-Zoll wirkt also. Dass Konsumenten in der Zeit vermehrt auf EU-Händler ausgewichen sind, kann die Post hingegen nicht bestätigen.
In Summe ist das erste Halbjahr für den heimischen Marktführer gut gelaufen. „Von Jänner bis Juni haben wir in Österreich und Südosteuropa ein Mengenwachstum von neun Prozent erzielt“, sagt Umundum. Er führt dies unter anderem auf Vorziehkäufe zurück.

China baut Logistik in Europa auf
In der zweiten Jahreshälfte erwartet der Post-Vorstand durch die „Kaskade von Abgaben“ nur noch ein gebremstes Paketwachstum. Die Frage ist aber, wie lange Konsumenten den Drei-Euro-Zoll entrichten müssen, wenn sie auf Plattformen aus Drittländern bestellen. Denn, so Umundum: „Wir sehen, dass chinesische Anbieter Logistik in Zentraleuropa aufbauen. Bereits jetzt versendet zum Beispiel die Modeplattform Shein von Polen aus – und das wird noch mehr werden.“ Der Zoll ist für Verbraucher dann obsolet, auch wenn die Ware weiterhin aus fernöstlicher Produktion stammt. Sie muss beim EU-Import von den Händlern verzollt werden.
Obwohl der aktuelle Drei-Euro-Zoll für Waren unter 150 Euro auf asiatische Billiganbieter abzielt, die wegen Sicherheitsbedenken auch Konsumentenschützern ein Dorn im Auge sind, trifft die Regelung auch alle anderen Drittländer. Allein aus den USA, Großbritannien und der Schweiz schlagen bei der österreichischen Post immerhin eine Million Pakete jährlich auf.
Kampagne für Shöpping
Die nationale Paketabgabe – 2,40 Euro ab Oktober – hat kein Ablaufdatum. Die Post wird für ihre Plattform shöpping.at eine Kampagne starten, kündigt Umundum an: „In der Nische haben wir jetzt eine Chance.“ Denn die Abgabe fällt nur auf Plattformen ab 100 Millionen Euro Umsatz an, da liegt shöpping mit aktuell 30 Millionen klar darunter. Rund 1000 Händler sind derzeit dort vertreten, seit eineinhalb Jahren wird nach Deutschland exportiert.
Doch der Export ist aus heimischer Händlersicht kümmerlich. 80 Prozent der Paketmengen kommen aus dem Ausland herein, 15 Prozent werden national verschickt – und lediglich fünf Prozent gehen aus Österreich hinaus. Die Post-Tochter euShipments ist spezialisiert darauf, Händler kleiner und mittlerer Größe an E-Commerce-Plattformen anzubinden. Umundum: „Da liegt viel Potenzial brach.“
