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Mark Zuckerberg, vom Nerd zum globalen Strippenzieher

Er gilt als Gralshüter der sozialen Medien - doch für Meta-Boss Mark Zuckerberg und seine Produkte zog böiger Gegenwind auf.

Mark Zuckerberg bei einer Veranstaltung im Weißen Haus in Washington im Juni 2026
© AP
Mark Zuckerberg bei einer Veranstaltung im Weißen Haus in Washington im Juni 2026
Thomas Golser
Redakteur Außenpolitik/International

Als Mark Zuckerberg am 4. Februar 2004 eine Plattform namens „The Facebook“ startete, lebte er noch in einem Studentenwohnheim in Harvard. Der damals 19-Jährige wollte ein überschaubares Netzwerk schaffen, damit sich Studierende untereinander austauschen können.

Ausnahmekarriere nach Studienabbruch

Er selbst hatte sich für Informatik und Psychologie eingeschrieben – 2006 brach der blasse Bursche mit den deutschen, österreichischen und polnischen Vorfahren sein Studium aber ab. An seinem Weg nach oben änderte das nichts: Aus dem „Nerd“ wurde ein Strippenzieher mit einem Produktportfolio, das rasch einschlug.

Mark Zuckerberg mit Donald Trump im September 2025
© IMAGO
Mark Zuckerberg mit Donald Trump im September 2025

Wir bauen keine Dienste, um Geld zu verdienen. Wir verdienen Geld, um bessere Dienste zu bauen.“

— Mark Zuckerberg, Tech-Titan

Heute, 22 Jahre danach, wird sein Vermögen vom „Forbes Magazine“ auf schwindelerregende 203 Milliarden Dollar geschätzt. Der im beschaulichen Dobbs Ferry im US-Bundesstaat New York Aufgewachsene ist CEO des mächtigen Technologiekonzerns Meta Platforms, zu dem neben Facebook auch Instagram und WhatsApp gehören. Facebook hält inzwischen bei drei Milliarden monatlich aktiven Nutzerinnen und Nutzer sowie gut zwei Milliarden Userinnen und User, die täglich in die Plattform Lebenszeit investieren.

Wankt das Meta-Geschäftsmodell?

Der 42-Jährige wurde zum Altvorderen der sozialen Medien, in die Milliarden Menschen eine Art Filialexistenz auslagern. Doch: Der Gegenwind wird stärker – und sowohl Zuckerberg selbst als auch sein bislang ungemein lukratives Geschäftsmodell stehen in der Kritik.

Der König Midas der sozialen Medien hat Erklärungsbedarf, am Dienstag begann in Kalifornien ein Prozess gegen Meta – und zwar auf Bundesebene: Der Konzern habe „Kinder und Jugendliche mit seinen Produkten abhängig gemacht, die Funktionsweise ihrer Gehirne ausgenutzt und die Öffentlichkeit in die Irre geführt“, hieß es im aufgeladenen Eröffnungsplädoyer. Klar ist jedenfalls: Hier steht viel auf dem Spiel, auch für Zuckerberg.

Der Ausgang des Verfahrens könnte das Geschäftsmodell ins Wanken bringen, das laut Anklage darauf beruhe, „Nutzer an sich zu binden, sie so lange wie möglich zu halten, ihre Daten abzuschöpfen und dann die Wahrheit vor der Öffentlichkeit zu verbergen“. Das Zuckerberg-Zitat „Wir bauen keine Dienste, um Geld zu verdienen. Wir verdienen Geld, um bessere Dienste zu bauen!“ lässt die Frage offen, was er mit „besser“ meinte. Wesentliche Modifikationen am Aufbau der Apps, die das Kindeswohl stärker berücksichtigen, würden die auf Verweildauer und Klicks beruhenden Einnahmen erheblich mindern.

Mitglied der US-Tech-Milliardäre

Die studentische Anmutung, die Zuckerberg über lange Zeit anhaftete (und von ihm kultiviert wurde), ist längst passé: Er wurde zum Machtspieler, gehört mit Elon Musk (Tesla, SpaceX), Jeff Bezos (Amazon), Larry Page und Sergey Brin (Google) sowie Larry Ellison (Oracle) zum Zirkel der US-Tech-Milliardäre. Die Welt kam an in einer Ära, in der ihre Produkte nicht nur die globale Wirtschaft prägen, sondern auch Gesellschaft und Politik ihren Stempel aufdrücken.

Zuckerbergs Nähe zu US-Präsident Donald Trump (“Die brillantesten Köpfe, eine Gruppe mit hohem IQ!“, schwärmte dieser nach einem Treffen mit den Magnaten) passt dazu – und ist beidseitiges Kalkül. Dass Meta Vorwürfe wie jene im aktuellen Prozess – mit dieser Rückendeckung – in Bausch und Bogen zurückweist und alle Studienergebnisse negiert, verwundert kaum. Bestenfalls werden vom Zuckerberg-Moloch Definitionsdebatten angeboten, aber keine Einsicht oder Verantwortung: Wer wird denn von „Sucht“ sprechen, nur weil jemand 16 Stunden pro Tag auf Instagram verbringe, merkte etwa sein für Instagram zuständiger Manager Adam Mosseri einmal an.

Meta-KI-Brille als Sündenfall

Es zog noch mehr Gegenwind auf: Gar nicht gut an kam auch die Meta-KI-Brille, die bei Datenschützern alle Alarmglocken schrillen lässt. Die schnittige, dauerfilmende Apparatur wird vom Boss selbst eifrig beworben, deutsche Verbraucherschützer argumentieren indes, dass die „Ray-Ban Meta Wayfarer“ gegen Datenschutzgesetze verstoße – und erstatteten Strafanzeige: Man müsse „jederzeit damit rechnen, gefilmt und im Internet bloßgestellt zu werden“.

Zuckerberg will indes der Menschheit das digitale Dasein verordnen: Wer künftig keine KI-Brille nutze, dem drohe, „den Anschluss zu verpassen und zum digitalen Außenseiter zu werden“. Ein „Makel“, mit dem vermutlich viele leben könnten.