Gastro-Obmann Sternad watscht Gewerkschaft nach KV-Einigung ab
„Nicht der tatsächliche Verlauf“: Im Streit um Deutungshoheit weist die Wirtschaftskammer Kärnten die vida-Darstellung zum Tourismus-KV vehement zurück.

Der Obmann der Fachgruppe Gastronomie in der Kärntner Wirtschaftskammer, Stefan Sternad, schießt sich nach der Einigung auf einen neuen Tourismus-KV auf die Gewerkschaft ein. Sternad weist die Darstellung der vida „entschieden zurück“ und erklärt, diese habe „eine Geschichte konstruiert“, wonach ihre Protestaktionen die Wirtschaftskammer zum Einlenken gezwungen hätten. „Das entspricht aus unserer Sicht nicht dem tatsächlichen Verlauf“, kritisiert Sternad.
Seine zur Darstellung der Gewerkschaft recht konträre Darstellung der Dinge: An der grundsätzlichen Verhandlungslinie der Arbeitgeber habe sich „nichts geändert“. Die Arbeitgeber seien ihren wesentlichen Positionen treu geblieben, die Arbeitnehmer hätten dem KV „zugestimmt“, so der Kärntner Gastro-Sprecher. Die Arbeitgeber hätten in wesentlichen Positionen „nicht nachgegeben“. Wichtig sei aus deren Sicht, dass der neue Kollektivvertrag erst mit Herbst und nicht rückwirkend gelte. „Auch eine durchschnittliche Erhöhung von rund drei Prozent ist unter den gegebenen Rahmenbedingungen ein tragfähiger Kompromiss.“
Zweifel an Sozialpartnerschaft
Grundsätzlich müsse man sich nach diesen Verhandlungen aber die Frage stellen, wie eine funktionierende Sozialpartnerschaft künftig aussehen könne, meint Sternad. Die Gewerkschaft hätte Branche und Arbeitgeber permanent schlechtgeredet, so sein Vorwurf. Dass nur ein vergleichsweise geringer Teil der Beschäftigten gewerkschaftlich organisiert sei, müsse für die Gewerkschaft „Anlass zur Selbstreflexion“ sein.
Ähnlich wie Sternad argumentiert Josef Petritsch, der Spartenobmann Tourismus in der Kärntner Wirtschaftskammer. Es sei falsch, dass die Gewerkschaft „den KV als großen Erfolg“ darstelle. Aus Sicht der Unternehmer und der Arbeitnehmer sei der Abschluss aber wichtig: „Damit hängen beide nicht mehr in der Luft.“ Ohne vernünftige Bezahlung bekomme man ohnehin keine Mitarbeiter mehr, betont Petritsch.