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Trumps Impulskontrolle versagt auch bei Südkorea

Thomas Golser
Redakteur Außenpolitik/International
© IMAGO

US-Präsident Donald Trump fällt seinem in der Region wichtigsten militärischen Verbündeten Südkorea in den Rücken: Gemeinsame Militärmanöver sollen deutlich reduziert werden – vermutlich, weil Seoul kein Interesse hat, in seinen planlosen Iran-Krieg einzusteigen.

Wenn Donald Trump Außenpolitik macht, ist das im Wesentlichen auf nutzbringende Geschäfte und Vergeltung ausgerichtet. Beispiele gibt es aus seiner ersten und vor allem aus der laufenden zweiten Amtszeit zuhauf: Nun wies er sein Verteidigungs- bzw. Kriegsministerium an, die gemeinsamen Militärmanöver mit Südkorea deutlich zu reduzieren. Hintergrund dürfte Seouls neutrale Haltung, was seinen Krieg gegen den Iran betrifft, sein: Er habe den südkoreanischen Präsidenten Lee Jae-myung kürzlich gefragt, ob sich das Land an einer Denuklearisierung des Iran beteiligen wolle, was dieser mit den Worten „Nein, danke“ abgelehnt habe.

Der von den Vereinigten Staaten und Israel gezündete Krieg gegen den Iran tobt seit bald einem halben Jahr, ohne dass sich auch nur eine vage Lösung abzeichnen würde: beidseitiges Säbelrasseln, höchst volatile Lage in der gesamten Golf-Region, feindseliges Feilschen um die Straße von Hormuz. Er wird auch zu einer Ressourcenfrage für die mächtigste Armee der Welt: Das derzeitige Patt gegen das Mullah-Regime verschlingt Unsummen und knabbert längst die riesigen Waffenarsenale der Vereinigten Staaten an.

Dass die gemeinsamen Manöver mit dem engen militärischen Verbündeten Südkorea laut Trump kostspielig seien, ist korrekt, aber nichts Neues. Interessanter ist schon Trumps verquere Argumentation, wonach sie ein „völlig unangemessenes und feindseliges Signal“ an ein Land sendeten, das sich während seiner Präsidentschaft respektvoll und nicht bedrohlich verhalten habe. Gemeint ist Nordkorea, zu dessen Diktator Kim Jong Un er „sehr gute Beziehungen“ habe. Das ist das gleiche Nordkorea, aus dem seit Ende 2024 Schätzungen zufolge bis zu 15.000 Soldaten nach Russland geschickt wurden, um sie gegen die Ukraine kämpfen zu lassen oder sie die die russischen Grenzregionen abdecken zu lassen. Zudem liefert Nordkorea – glaubhaften Berichten zufolge – Raketen an Russland.

Dass der US-Präsident die Wechselwirkungen einer nachlassenden Unterstützung Südkoreas durch die USA in ihrer vollen Tragweite im Auge hat, darf zumindest bezweifelt werden. Der erfolg- und strategielose Krieg gegen den Iran ist ein taktisches Desaster. Jubeln dürfte man indes in Pjöngjang.