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Bei Enzo Diessl kam nach dem Frust der Stolz

Hürden-Sprinter lief in Birmingham auf Rang fünf und meinte, sein Potenzial nicht ganz ausgeschöpft zu haben.

Enzo Diessl war „stolz“, aber auch irgendwie „frustriert“
© GEPA
Enzo Diessl war „stolz“, aber auch irgendwie „frustriert“
Michael Schuen
Ressortleiter Sport

Am Tag danach gönnte sich Enzo Diessl eine kleine Auszeit, zur Verarbeitung des Erlebten. Rang fünf im Finale über 110 Meter Hürden war schließlich das Beste, was je ein Österreicher in dieser Disziplin bei einer EM abgeliefert hat. Und doch war da im ersten Moment beim 22-Jährigen ein wenig Frust dabei gewesen. Der hielt sich hartnäckig, auch über Nacht. Also lautete das Fazit des Leibnitzers: „Ich habe mir alles durch den Kopf gehen lassen. Ich bin superstolz auf Platz fünf, das ist eine Superleistung, ich bin auch in der allgemeinen Klasse in einem Finale angekommen. Aber die Ausführung hätte besser sein können. Der Frust ist also nicht verflogen, aber in den Hintergrund getreten.“

Was der Steirer, Sohn einer Argentinierin, mit seiner Analyse meinte: „Die Zeit war nicht schlecht, der Lauf solide – aber ich habe mein Potenzial nicht ausgeschöpft.“ Dabei wollte er gar nicht darauf eingehen, ob er schneller hätte laufen können. „Mir hat einfach was gefehlt, es muss halt so viel zusammenspielen. Und das spiegelt sich oft nicht in Zeiten wider, sondern in anderen Dingen. Und eines ist klar: Ich habe wieder viel lernen dürfen.“ Etwa, dass er ein Semifinale überstehen kann. Etwa, wie er mental und körperlich auf ein Finale reagiert. Und da war eine Reaktion, ein Krampf kurz vor dem Start. „Aber nichts, was eine Ausrede ist, was nicht im Training vorkommt. Ich habe mich körperlich nur im Finale nicht supergut gefühlt, damit muss man umgehen können“, sagte der U23-Europameister.

Letztlich – und das mag man durchaus positiv sehen – zählt die Anzeigentafel. „Und ich glaube, ich hätte es besser machen können. Aber Entwicklung in unserem Sport ist leider nicht immer linear.“ Diessl versucht, auch Birmingham und die Erfahrungen dort aufzunehmen in seinen Erfahrungsschatz, denn: „Ich bin heute ein anderer Enzo als vor zwei Jahren bei Olympia. Man entwickelt sich eben. Ich habe hier ums Finale kämpfen müssen, das habe ich geschafft. Und ich habe auch im Finale gut mitgehalten.“ Die Pause ist kurz, denn schon am 27. August geht es in Zürich am Letzigrund weiter: „Die Schweiz hat einen Europameister, da muss ein Hürdensprint auch dort gelaufen werden“, sagt er und lächelt. Und wird schon dort versuchen, den nächsten Schritt zu setzen.

Am Donnerstag kam für 400-Meter-Läuferin Susanne Gogl-Walli im Halbfinale erwartungsgemäß das Aus. Die EM-Siebente in Rom 2024 landete in ihrem Lauf in 52,29 Sek. an der achten Stelle, gesamt ergab das Platz 23. Tobias Rattinger wurde über 3.000 m Hindernis in seinem Vorlauf in 8:47,91 Min. Elfter, beendete die EM auf Rang 22.

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