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Von wegen „Oageld“ – Wie Bäuerinnen in Hartberg-Fürstenfeld ihre Höfe schupfen

Bauernhof als Chefinnensache: Familie Radl aus Hartl zeigt, wie Frauen in Hartberg-Fürstenfeld die Landwirtschaft mit viel Leidenschaft und Ideenreichtum prägen.

Kerstin Radl (l.) führt gemeinsam mit ihrer Schwester Andrea in Hartl einen Hof mit Gemüsebau und Alpakazucht
© KLZ / Margot Jeitler
Kerstin Radl (l.) führt gemeinsam mit ihrer Schwester Andrea in Hartl einen Hof mit Gemüsebau und Alpakazucht
Margot Jeitler
Redakteurin Regionalredaktion Hartberg & Fürstenfeld

„Oageld“, Kinderschauen und Aufkochen: Auch anno 2026 geistern in so manchen Köpfen noch Vorstellungen übers Bäuerinnen-Dasein herum, die mit der Realität nur wenig zu tun haben.

Ein beliebter Spruch: Dass die Damen am Hof lediglich „mithelfen“. Ein Wort, das die Gemüter erhitzen kann. Bezirksbäuerin Michaela Mauerhofer, selbst Betriebsführerin, kennt das Klischee nur zu gut. Immer wieder treffe sie auf Besucher am Hof, die nach „dem Chef“ fragen, so als könne nur er sich auskennen. „Dabei ziehen die Frauen gerade im Hintergrund die Fäden.“ Das Schriftliche, die Buchhaltung und die Direktvermarktung seien meist weiblich geprägt, von der Verarbeitung bis zum Verkauf im Hofladen. Aber auch die Betriebsführung selbst liegt immer öfter in weiblicher Hand. In der Steiermark etwa in 38 Prozent der Höfe.

Genau das will die „Woche der Landwirtschaft“ heuer sichtbar machen, die ganz im Zeichen des von der UNO ausgerufenen „Jahres der Landwirtinnen“ steht.

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Seit elf Jahren gibt es Alpakas am Hof der Radls
Seit elf Jahren gibt es Alpakas am Hof der Radls © KLZ / Margot Jeitler

In Hartberg-Fürstenfeld bestätigt sich dieser Trend, wie Kammerobmann Herbert Lebitsch betont: „Wir wissen: Wo Bäuerinnen am Hof sind, lebt der Bauernhof auch in Zukunft weiter.“ Man sei seitens der Interessensvertretung in der glücklichen Lage, dass die Bäuerinnen die Initiative ergeifen und ihre Stimme für ihre Anliegen erheben würden, so Lebitsch.

Die Schwestern Kerstin und Andrea haben den Betrieb Anfang des Jahres von den Eltern Christa und Josef Radl übernommen
© KLZ / Margot Jeitler
Die Schwestern Kerstin und Andrea haben den Betrieb Anfang des Jahres von den Eltern Christa und Josef Radl übernommen

McLeods Töchter auf Oststeirisch

Gleich drei solche Power-Frauen gibt es am Hof von Familie Radl in Hartl. „Meine Mama, meine Schwester und ich schupfen gemeinsam den Hof“, erzählt Kerstin Radl. Auch Papa Josef packt nach wie vor kräftig mit an, auch wenn die Übergabe längst über die Bühne gegangen ist. „Meine Schwester und ich haben jetzt mit Jänner den Betrieb übernehmen dürfen, Mama und Papa durften in Pension gehen“, meint Kerstin Radl. Ihre Schwester Andrea ergänzt mit einem Augenzwinkern: „Offiziell jedenfalls.“ Ohne die Arbeit der Eltern würde vieles nicht funktionieren, sind sich die beiden einig. Insgesamt leben vier Generationen am Hof, von der bald 96-jährigen Oma bis zum fünfjährigen Kindergartenkind.

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Im Hofladen gibt es täglich saisonales Gemüse
Im Hofladen gibt es täglich saisonales Gemüse © KLZ / Margot Jeitler

Auf rund zehn Hektar Wald und 40 Hektar Acker- und Grünland, aufgeteilt auf zwei Betriebe, wird Vielfalt großgeschrieben. „Seit fast 40 Jahren baut wir Gemüse an, seit elf Jahren gibt es Alpakas, seit fast 30 Jahren Kompostierung und dazu Ackerbau und Wald. Wir probieren immer wieder gerne Neues aus“, erzählt Kerstin. Im Hofladen gibt es Kernöl, Schnäpse, Pestos, Chutneys, frisches Gemüse und Alpakaprodukte bis hin zur Wolle – inklusive Namen des Tieres, von dem die Wolle stammt.

Die „Woche der Landwirtschaft“ steht heuer ganz im Zeichen der Bäuerinnen
© KLZ / Margot Jeitler
Die „Woche der Landwirtschaft“ steht heuer ganz im Zeichen der Bäuerinnen

Eine Frage der Generationen

Die Gleichberechtigung am Hof stand für Papa Josef nie zur Debatte: „Wir haben 1989 übernommen, und bei uns war das ganz selbstverständlich, dass alles Halbe-Halbe ist.“ Dass das keineswegs überall so ist, war sich die übrige Runde aber schnell einig. So bestätigt auch Kammersekretär Manfred Oberer: Ob Höfe partnerschaftlich geführt würden, hänge stark von der Einstellung der Männer ab und zwar „von der vorherigen Generation und teilweise auch von der vorvorherigen Generation.“ Wo bisher nur die männliche Seite am Eigentum beteiligt gewesen sei, lasse sich das auch heute noch nur schwer aufbrechen.

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