Dass Marco Polo die Nudel im 13. Jahrhundert aus China mitgebracht haben soll, ist wohl ein Mythos. Und trotzdem ist die Pasta nicht alles in der Nudelwelt. Im Nordwesten von China, wo das Hauptnahrungsmittel nicht Reis, sondern Weizen ist, haben insbesondere die Uiguren und die muslimische Minderheit der Hui die Kunst der handgezogenen Nudeln entwickelt – und die hat sich in den letzten Jahren zu einem Gastronomie-Trend entwickelt, der nun auch in Graz eingeschlagen hat.

Für den August haben die Betreiber der „MayKay“-Lokale am Jakominiplatz einen Stand mit handgemachten Lanzhou-Nudeln unter dem Namen „Pulld.“ angekündigt. Zuvorgekommen ist ihnen ein neues Restaurant direkt neben „Kaoo Riverside“, das dem persischen „Safran“ nachgefolgt ist (das ist übrigens jetzt in der Eggenberger Georgigasse als GD‘s Grill zu finden): „Longmian Handpulled Noodles“ (was laut Übersetzung offenbar für „Drachennudeln“ steht) ist unter Grazer Foodies recht schnell eingeschlagen, bei unserem Besuch ist das Lokal gut gefüllt.

Die üppige persische Einrichtung ist einem klaren, teils an japanische Papierwände erinnernden Design gewichen, bei der Deko dreht sich alles um Nudeln. Herzstück ist die Küche, durch ein großes Fenster kann man den Nudelmeistern bei ihrer doch recht anstrengenden Arbeit zuschauen. Da wird geknetet, gezogen und zwischendurch ziemlich laut auf den Tisch gehauen – dieses Klatschen ist übrigens namensgebend für die breiten Biang-Biang-Nudeln.

Bevor wir aber die Blicke in die übersichtliche Speisekarte (alle Speisen haben auf einer Doppelseite Platz) versenken, fällt unser Blick noch auf eine Besonderheit: Es gibt einen Ständer mit Papierschürzen – die sollen beim Nudelsuppen-Schlürfen wohl Spritzer auf die Kleidung verhindern. Nehmen wir dankbar an!

Nudeln, Nudeln, Nudeln

Von den Vorspeisen gefällt uns der knackig-frische Gurkensalat mit Knoblauch (4,90 Euro) gut – aber Achtung: Man wird ihn riechen! Die panierten Garnelen (6,90 Euro) sind schön knusprig, wenn auch eher austauschbar.

Dann auf ins Geschlürfe! Die Biang-Biang-Nudeln mit Rindfleisch (15,90 Euro) in der Version ohne Suppe kommen mit einer würzigen und leicht scharfen Sauce und schmecken richtig gut – wenn uns am Teller auch leider ein paar der in der Karte angegebenen frischen Zutaten wie Karotten und Sojasprossen abgehen. Was die Korianderhasser unter uns positiv vermerken: Bei jedem Gericht ist zwar Koriander als Zutat dabei, man wird aber gefragt, ob man ihn haben will. Zum Nachschärfen steht Chili-Öl am Tisch bereit, das aber auch nicht sehr scharf ist – wir vermuten, dass man sich bei den Schärfegraden recht stark an europäische Zungen angepasst hat.

Sonst wirkt das Essen, das auf Wagerln zum Tisch gebracht wird und in hübschen weiß-blauen Schalen angerichtet ist, aber ziemlich authentisch: Bei der Nudelsuppe mit geschmortem Rindfleisch und chinesischem Sauerkraut (15,90 Euro) liegt möglicherweise ein Fall von „Lost in Translation“ vor, denn etwas Sauerkrautähnliches finden wir nicht im Teller vor. Aber sonst eine wirklich gschmackige Suppe, gutes Fleisch und vor allem köstliche Nudeln – Koriander passt übrigens sehr gut dazu, nicht abbestellen, wenn‘s irgendwie geht! Auch die vegane Tomaten-Nudelsuppe mit Tofu (13,90 Euro) kann geschmacklich mithalten, vor allem freilich wegen der guten Nudeln darin. Mehr davon würde übrigens als „kostenlose Nudel-Nachfüllung“ auf der Karte angeboten, aber die Portionen sind tatsächlich üppig.

Dann muss nur noch eines in Erfüllung gehen: „Aufessen und reich werden“ – das steht nämlich laut Google-Übersetzung auf der Schürze geschrieben.

Longmian Handpulled Noodles findet man am Kaiser-Franz-Josef-Kai 24, ein zweiter Eingang findet sich in der Sackstraße 22. Geöffnet ist von Montag bis Sonntag je von 11.30 bis 21.30 Uhr. Kontakt: Tel. 0676 5613458, E-Mail longmiangraz@gmail.com, @longmian_handpulled_noodles auf Instagram.