Peter Skoff: Gelassenheit und Präzision am Kranachberg
Peter Skoff macht präzise Weine, langfristige Pläne und um heikle Antworten einen eleganten Bogen. Beim Podcast „Wein oder Wahrheit“ zeigt sich: Am Kranachberg liegt nicht nur der Wein über dem Nebel.
Peter Skoff sitzt am Kranachberg, vor ihm ein Glas Wein, mit bester Aussicht. Trotzdem wirkt er nicht wie ein Mann, den Panoramen oder Pokale aus der Ruhe bringen. Zwei Kategoriesiege bei der Weinkost der Kleinen Zeitung – Welschriesling und Weißburgunder – quittiert er so: freut ihn, passt, weiterarbeiten.
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Dabei war der Doppelsieg nicht kühl kalkuliert. Weil die zugelassenen Jahrgänge bei den Riedenweinen nicht zu Skoffs gereiftem Sortiment passten, reichte er erstmals zwei Klassikweine ein. Der Vater hatte denselben Gedanken. Skoff nennt es ein „goldenes Händchen“. Das klingt bescheiden, ist aber die südsteirische Form von Selbstbewusstsein.
Skoff ist keiner, der laut „Terroir!“ ruft und danach an einem Stein leckt. Er erklärt den Kranachberg einfacher: Sand, Schotter und Konglomerat rieseln leicht durch die Hand – und so sollen die Weine wirken. Reif, aber nicht schwer. Mineralisch, salzig, präzise. Dazu kommen Höhenlage, Wald und kühle Nächte. Die Trauben liegen oft über dem Nebel. Der Winzer über den Dingen.
Als junger Weinbauschüler sah Skoff in jeder Wolke Hagel, Frost und den Untergang. Heute denkt er nicht mehr in Wetterberichten, sondern in Jahrzehnten. Über 20 Ernten machen gelassener. Zeit ist für Skoff kein Luxus, sondern ein Kellergerät. Seine Weine dürfen reifen. Und wenn einer nicht passt, wird er nicht gefüllt – selbst wenn er schon auf der Karte steht.
Präzision heißt daher nicht, mit der Pinzette durchs Weingut zu laufen. Es heißt: täglich kosten, Verschnitte mehrmals prüfen und im Zweifel einen Tank weglassen. 40 Weine stehen zur Auswahl. Das ist weniger Getränkekarte als mündliche Matura. Zehn bis zwölf Proben seien ideal. Danach weiß man, welcher Wein passt – oder wo die Gästezimmer sind.
Erst bei den berüchtigten „Wein oder Wahrheit“-Fragen bekommt die Gelassenheit einen Korken. Namen? Keine. Seitenhiebe? Keine. Stattdessen wandert dreimal eine Flasche in den Gewinnspielkarton. Peter Skoff weiß eben: Wein darf anecken. Winzer müssen das nicht.
Ganz unpolitisch bleibt es nicht. Der Weinkonsum sinkt, steile Flächen werden wirtschaftlich schwieriger. Skoff spricht von einem möglichen „gesunden Schrumpfen“, warnt aber davor, was passiert, wenn Weingärten verschwinden: Dann verliert nicht nur ein Betrieb Rebfläche, sondern eine ganze Landschaft ihr Gesicht. In der Südsteiermark verkauft man schließlich nicht bloß Wein. Man verkauft den Weg dorthin, den Blick, die Jause, das Gespräch und einen vollen Kofferraum.
Auch das Klima zwingt zu neuen Entscheidungen. In der Schule lernte Skoff, wie man Reife beschleunigt. Kurz danach musste er überlegen, wie man sie bremst. Er beschäftigte sich mit der Beschattung von Sauvignon-Trauben und setzte 2006 auf Ostlagen, bei denen Kollegen die Hände über dem Kopf zusammenschlugen. Heute liefern sie gute Trauben. Weinbau ist eben die einzige Branche, in der man eine Entscheidung trifft und 20 Jahre später sagen darf: Hab ich gesagt.
Hinter all dem steckt weniger Winzerromantik, als das Etikett vermuten lässt. Die Hälfte sei Unternehmertum, der Rest vor allem Knochenarbeit. Kreativität beginnt meist erst, wenn die Arbeitsschuhe schmutzig sind. „Falcon Crest“ sieht anders aus.
Und würde Skoff nirgendwo anders Wein machen wollen. Eine kleine Rebfläche der Schwiegereltern in der Wachau reizt ihn zu einem Fass in der Garage. Aber Winzer und Reben, sagt er, seien dort gewachsen, wo sie hingehören. Seine Weine tragen seine Persönlichkeit: ruhig, verlässlich, ernsthaft, ohne Show. Am Kranachberg gewinnt man offenbar nicht, weil man lauter ist als die anderen. Sondern weil man geduldig bleibt.