Die Nahversorgung in „seiner“ Gemeinde Kammern ist und bleibt ein Sorgenkind von Bürgermeister Karl Dobnigg. Als vor 13 Jahren der allerletzte Lebensmittelhändler von der Bildfläche verschwunden war, setzte er mit vielen engagierten Mitstreitern auf einen Verein, um weiterhin ein Geschäft für die Dinge des täglichen Bedarfs führen zu können.

Das funktionierte etliche Jahre auch trotz aller Schwierigkeiten gut. Spätestens mit der Coronapandemie ging es allerdings mit den Kosten steil bergauf, während die Talfahrt bei den Umsätzen nicht mehr aufzuhalten war. Die darauf nahtlos folgenden Krisen der Welt, aber auch das geänderte Einkaufsverhalten führten im Herbst 2025 in die finanzielle Sackgasse.

Minus wurde immer größer

Unser Nahversorger ist in Gefahr, die wirtschaftliche Lage ist ernst“, meinte Dobnigg damals. Es brenne der Hut und er sei der Meinung, dass die Bevölkerung über die prekäre Situation Bescheid wissen solle. Das Minus von 18.000 Euro aus dem Jahr 2024 sei im Jahr 2025 noch größer geworden. Grund genug für Dobnigg, die Reißleine zu ziehen.

Man habe sich ausreichend Zeit genommen, die Situation auszuleuchten, ohne die Schwierigkeiten zu verschweigen: „Wir haben ganz viele Gespräche geführt, mit den Bewohnern, den Mitarbeitern, den Vereinen, den Gemeinderäten. Dabei haben wir versucht, alle wichtigen Hinweise, Anregungen und Wünsche aufzunehmen“, so Dobnigg. Man hat auch externe Berater konsultiert.

Karl Dobnigg, Bürgermeister von Kammern, ist Obmann des Trägervereins
Karl Dobnigg, Bürgermeister von Kammern, ist Obmann des Trägervereins © Armin Russold

Heute, Samstag, geht man mit dem quasi runderneuerten Nahversorger „Wir für unser Geschäft in Kammern“ offiziell wieder ins Rennen – mit einem Grillfest, das zwischen 11 und 15 Uhr stattfindet. „Es war offenkundig, dass wir akuten Handlungsbedarf haben und wir nicht so weitermachen können wie in den vergangenen Jahren“, betont Dobnigg.

„Das Sortiment komplett durchforstet“

Mithilfe einer Umfrage habe man herausgefunden, wo man den Hebel ansetzen und Dinge verbessern könne. Und das habe man auch getan: „Wir haben das Sortiment durchforstet und komplett neu aufgestellt und gruppiert“, sagt Dobnigg. Da im Liesingtal sehr viele Bauarbeiter tätig seien, habe man etwa auf fertige „Schmankerl“ umgestellt, damit nicht jeder auf ein Wurstsemmerl extra warten müsse.

Ein weiteres Beispiel: Das Gebäck gibt es jetzt im Kammerner Lebensmittelgeschäft – wie ringsum in den Supermärkten längst üblich – in durchsichtigen Plexiglasschütten, aus denen man sich mit einer Zange oder Handschuhen selbst bedienen kann. Eine Neuaufstellung gab es überdies beim Personal: „Wir haben auch eine neue Geschäftsführerin“, so Dobnigg.

Maßnahmen bereits ergriffen

Der Eingangsbereich samt Folierung auf den Scheiben und das gesamte Innenleben des Geschäfts habe man einladender gestaltet, es wurde eine WhatsApp-Gruppe aus der Taufe gehoben, um den aktuellen Bedarf an gewissen Produkten schneller und effizienter kommunizieren zu können.

Schon im ersten Monat – dem Juni – habe sich nach Umsetzung der Maßnahmen ein Umsatzplus von 13.000 Euro ergeben: „Wenn das so weitergeht, dann geht sich das finanziell aus“, meint Dobnigg. 100.000 Euro brauche man pro Jahr mehr, um wirtschaftlich über die Runden zu kommen.