Sie gelten als cool und lässig und wer sie trinkt, ist vermeintlich ebenso cool und lässig – zumindest versucht die Werbung das zu vermitteln. Energydrinks üben wohl auch deswegen eine enorme Anziehungskraft auf junge Menschen aus. Allerdings können Getränke, die durch ihren Koffeingehalt aufputschend wirken sollen, der Gesundheit schaden. Das zeigt eine Analyse bestehender Studien, die ein Team von Kinderkardiologen der MedUni Graz durchgeführt hat. Vor allem hohe Koffeinmengen können bei Kindern und Jugendlichen Herzrhythmusstörungen und EKG-Veränderungen begünstigen.

Das Forschungsteam um Stefan Kurath-Koller sichtete 126 Publikationen, prüfte 110 Arbeiten im Screening und schloss schließlich 12 Studien in die Analyse ein, um die Auswirkungen von koffeinhaltigen Drinks auf das Herz-Kreislauf-System von jungen Menschen zu untersuchen. „In allen eingeschlossenen Studien wurden insgesamt 39 Jugendliche mit koffeinbedingten Herzrhythmusstörungen oder EKG-Veränderungen beschrieben. Zu den Koffeinquellen zählten Energydrinks, koffeinhaltige Tabletten und Pulver“, ist in der Arbeit der Grazer Mediziner zu lesen. Diese waren zwischen 13 und 18 Jahre alt, 69 Prozent waren männlichen Geschlechts.

Welche Symptome beobachtet wurden

Berichtet wurde von unterschiedlichen Herzrhythmusstörungen. Es fanden sich verschiedene Tachykardien (“Herzrasen“) und sogenannte QTc-Verlängerungen. Dabei handelt es sich um eine potenziell lebensbedrohliche Verlängerung des Erholungsintervalls des Herzens. Auch Veränderungen im EKG wurden beschrieben. Solche Veränderungen können auf eine ernsthafte Herzbelastung hinweisen und müssen ärztlich abgeklärt werden. Die Autoren betonen jedoch, dass die bisherige Evidenz vor allem auf Fallberichten und kleineren Studien beruht. Die Warnsignale sind ernst zu nehmen, auch wenn noch größere Studien fehlen.

Dass Koffein sich auf Körper und Geist auswirkt, ist bekannt. In moderaten Dosen wird Koffein sogar mit positiven Effekten in Verbindung gebracht: gesteigerte Aufmerksamkeit, verbesserte kognitive Leistungsfähigkeit sowie geringere Müdigkeit. Aber die Dosis gibt den Ausschlag, ob ein Wirkstoff positive oder negative Effekte nach sich zieht. Und gerade Kinder und Jugendliche haben aufgrund ihres Lebensalters meist noch wenig Kontakt mit Koffein. Wenn sie nun gleichzeitig Energydrinks mit einer hohen Koffeindosis konsumieren, kann dies das Risiko für Herzkreislaufprobleme erhöhen. „Darüber hinaus werden Energydrinks und Co. häufig mit anderen Substanzen, etwa Alkohol, kombiniert, oft kommt auch Schlafentzug hinzu“, erzählt Kurath-Koller aus der Praxis. Diese Faktoren würden Herzrhythmusstörungen zusätzlich begünstigen.

Laut der ausgewerteten Literatur können Vergiftungssymptome ab etwa ein bis zwei Gramm Koffein auftreten; sehr hohe Mengen gelten als potenziell lebensgefährlich. Da einzelne Fälle auch nach moderaten Koffeinmengen beschrieben wurden, könnten manche Personen aufgrund individueller oder bislang unerkannter Vorerkrankungen besonders anfällig sein.

Was der Experte Eltern rät

Was bedeutet das nun für den täglichen Konsum? Kurath-Koller rät: „Als praktische Orientierung gilt: Unter 12 Jahren sollten Kinder möglichst keine Energydrinks oder andere stark koffeinhaltige Produkte konsumieren. Ab 12 Jahren sollte Koffein nur in sehr kleinen Mengen aufgenommen werden.“ In den USA wird empfohlen, dass ab zwölf Jahren nicht mehr als 100 mg Koffein pro Tag konsumiert werden sollten. Das entspricht ungefähr jener Menge Koffein, die in einer Tasse Filterkaffee enthalten ist. Oder wie der Kardiologe es ausdrückt: „Unter zwölf gar nicht, und danach so wenig wie möglich.“

Eltern rät Kurath-Koller, mit ihren Kindern über diese Art von Getränken zu sprechen. „Man kann erklären, dass diese koffeinhaltigen Getränke das Potenzial haben, die Gesundheit zu schädigen, verbieten kann man sie vor allem Jugendlichen eher nicht mehr.“