Sie kommen aus Ländern wie Bosnien, Afghanistan, Nigeria oder der Ukraine. Die Berufsorientierung vor dem Start des zwölfwöchigen Integrationsprojekts „Handwerk verbindet“ absolvieren 23 Teilnehmer.
Das Besondere neben der fachlichen Grundausbildung, mit dem Ziel danach in den Arbeitsmarkt einzusteigen und eine Karriere im Baugewerbe zu beginnen: Gleichzeitig wird auch ein Sprachkurs durchlaufen. „Das sind 180 Stunden Deutsch, wobei draußen in der Praxis 280 Stunden dazukommen“, schildert Beate Gfrerer von den Kärntner Volkshochschulen, die die Sprachvermittlung übernehmen. Arbeitsanweisungen richtig zu verstehen, ist auf der Baustelle auch aus Sicherheitsgründen unverzichtbar.
Im Bauhof der Bau-Akademie Kärnten geben Lehrlingsausbilder ihr Wissen schrittweise weiter. Am Dienstag wurde ein Läufermauerwerk laut einem Grundrissplan nachgebaut.
„50 Prozent sind danach vermittelbar“
Aref Amiri bringt schon Sprachkenntnisse bis zum B1-Deutschkurs mit und startet wie der Nigerianer Okoh Kenneth motiviert in die Ausbildung. Landeshauptmann Daniel Fellner (SPÖ) lobt als Integrationsreferent dieses „Vorzeigeprojekt“, an dem seit 2024 Land, Arbeitsmarktservice und Wirtschaftskammer sowie Sozialpartner aus der Baubranche mit den VHS und dem Institut für Arbeitsmigration zusammenarbeiten.
Auch AMS-Chef Peter Wedenig spricht von einem österreichweit einzigartigen Erfolgsmodell: Die Hälfte der Teilnehmer ist nach dem Lehrgang am Arbeitsmarkt vermittelbar.“ Initiator und Landesinnungsmeister Robert Rauter dankte auch den Partnerfirmen quer durch Kärnten, die ein Praktikum ermöglichen.
Dass auf der Baustelle wenig Amtsdeutsch zum Umgangston gehört, werden Begriffe wie die „Pritschn“ als Extravokabeln vermittelt.
Stellenschwund: Nachbesetzungen bleiben aus
WKK-Präsident Jürgen Mandl warnte: „Fast 14 Prozent der Baufachkräfte sind zuletzt pensionsbedingt verloren gegangen, ohne nachbesetzt zu werden.“ Von der Qualifizierungsmaßnahme profitiere der Wirtschaftsstandort, für Kärnten entstehe auch ein gesellschaftlicher Mehrwert durch erfolgreiche Integration.
Gewerkschaft Bau-Holz-Geschäftsführer Dietmar Stieger lobte die praxisnahe Ausbildung im Lehrbauhof als stabiles Fundament für den Praxisteil auf der Baustelle. Finanziert wird das 100.000 Euro teure Projekt unter anderem durch AMS, Land Kärnten, Österreichischer Integrations Fonds und die Landesinnung Bau.
Im Vorjahr nahm Hamed Mohammadi teil und ließ sich bei Willroider zum Bauarbeiter ausbilden. Sein Ziel ist der nächste Schritt, die Facharbeiterausbildung, die man anschließend über das Projekt „Bau packt an“ machen kann.