Jetzt zog das Rektorat der Montanuniversität Leoben endgültig die Reißleine: Die Burschenschaft Leder, die am Wochenende den rechtsextremen AfD-Politiker Matthias Helferlich aus Deutschland als Redner zu ihrem 140. Stiftungsfest eingeladen hatte, wird auf kommenden Veranstaltungen der Montanuniversität „nicht mehr anwesend“ sein, teilt man am Montag mit.

Taxifahrer beschimpft und attackiert

Rund um das Stiftungsfest sollen mehrere Burschenschafter bei einer Taxifahrt in Leoben nationalsozialistische Parolen gerufen und den Taxifahrer körperlich attackiert haben. Die Polizei ermittelt wegen Wiederbetätigung und Körperverletzung.

„Der Taxifahrer hat den Vorfall in der Nacht von Freitag auf Samstag gegen 2.20 Uhr selbst angezeigt“, erzählt Fritz Grundnig von der Landespolizeidirektion. Ermittelt werde gegen mehrere Personen, man sei noch nicht aller Beteiligten habhaft geworden.

Peter Moser, Rektor der Montanuniversität Leoben, verurteilt die Vorfälle scharf
Peter Moser, Rektor der Montanuniversität Leoben, verurteilt die Vorfälle scharf © APA / Freisinger

Nach diesem möglichen rechtsextremen Vorfall werde man Kooperationen weiterhin mit jenen Vereinen, Verbindungen und Institutionen fortführen, die sich „nachweislich und kontinuierlich zu unseren Werten bekennen“, betont das Rektorat. Gleichzeitig stelle man eine „institutionelle Distanz zu Akteuren sicher, die diesen Werten entgegenstehen“.

„Hat keinen Platz an der Montanuni“

Gemeinsam mit der ÖH Leoben wolle man Prävention und Sensibilisierung gegen Extremismus, Diskriminierung und Intoleranz stärken und auf „klare Sanktionen“ bei Verstößen setzen: „Das Rektorat lässt nicht zu, dass berg- und hüttenmännisches Brauchtum, das Teil der Identität der Montanuniversität ist, ideologisch vereinnahmt und missbraucht wird.“ Haltungen und Handlungen, die den Prinzipien einer offenen, pluralen und demokratischen Universität widersprechen, hätten keinen Platz an der Montanuni.

Alexander Heller, Anna Amerer und Andreas Fresacher: Die ÖH-Vorsitzende und ihre beiden Stellvertreter
Alexander Heller, Anna Amerer und Andreas Fresacher: Die ÖH-Vorsitzende und ihre beiden Stellvertreter © ÖH Leoben

Auch die ÖH Leoben findet klare Worte: „Die in den Medien geschilderten Vorfälle haben uns schockiert und tief betroffen gemacht. Sie stehen in deutlichem Widerspruch zu den Werten eines respektvollen, offenen und demokratischen Miteinanders, für die wir als Studierendenvertretung stehen“, betonen ÖH-Vorsitzende Anna Amerer und ihre Vertreter Andreas Fresacher und Alexander Heller.

Als Reaktion habe man bis zur Klärung des Sachverhalts beschlossen, jede mögliche Zusammenarbeit mit der Burschenschaft Leder zu beenden. „Wir werden keine gemeinsamen Veranstaltungen durchführen und keine Veranstaltungen unterstützen, bei denen die Burschenschaft Leder eine Rolle spielt“, erklären Amerer, Fresacher und Heller.

ÖH Leoben unterstützt Ausschluss

Amerer, Fresacher und Heller machen unmissverständlich klar: „Die ÖH Leoben unterstützt sämtliche Entscheidungen des Rektorats und der Leobener Verbindungen, die einen Ausschluss der Burschenschaft Leder vom Bierauszug sowie von universitären Veranstaltungen vorsehen würden.“

„Die Vorwürfe rund um NS-Parolen, Wiederbetätigung und Gewalt gegen einen Taxilenker sind zutiefst verstörend und auf das Schärfste zu verurteilen. Dafür gibt es in Leoben keinen Platz“, stellt auch Leobens Bürgermeister Kurt Wallner klar. Solche Vorfälle würden dem Bild der Stadt schaden: „Aber sie stehen nicht für Leoben. Leoben ist eine friedliche, offene und vielfältige Stadt.“

Leobens Bürgermeister Kurt Wallner zieht klare Konsequenzen
Leobens Bürgermeister Kurt Wallner zieht klare Konsequenzen © KLZ / Andreas Schöberl-Negishi

Die Stadt ziehe klare Konsequenzen: „Es wird keine Vermietung städtischer Räumlichkeiten an die Burschenschaft Leder und auch nicht an andere politisch extremistische Organisationen geben“, so Wallner. Ins selbe Horn stoßen Susanne Sinz, Grün-Gemeinderätin und Gemeinderat Walter Reiter (Bürgerliste): „Leoben darf keine Bühne mehr für rechtsextreme Netzwerke sein.“

„Lehne jede Form von Extremismus ab“

Eine Person aus dem Umfeld der „Lederer“ meint auf Anfrage der Kleinen Zeitung: „Ich lehne jede Form von Extremismus ab, insbesondere den Nationalsozialismus. Ich lehne auch jede Form von Gewalt ab.“ Er sei selbst nicht der Veranstalter gewesen und werde sich zum laufenden Verfahren nicht äußern und die Vorfälle auch nicht weiter kommentieren.

„Da mische ich mich nicht ein, ich trage zur Aufklärung der Vorkommnisse bei, was ich beitragen kann“, so der Unternehmer. Man kooperiere jedenfalls mit den Behörden – die Aufklärung des Sachverhalts sei deren Sache.