„Was können wir? Wofür stehen wir? Wohin wollen wir?“ Diese programmatischen Fragen stellt die Leobener Burschenschaft Leder anlässlich ihres Stiftungsfestes. Als Festkommers-Redner diesen Samstag hat sie sich einen deutschen Politiker eingeladen, der schon in der Vergangenheit in Österreich für Aufregung gesorgt hat. Als 2024 bekannt geworden war, dass er in Wien bei der Burschenschaft Aldania reden sollte, bei der viele Wiener Lokalpolitiker der FPÖ inkorporiert sind, stornierte das gebuchte Hotel den Veranstaltungssaal. In Deutschland gilt der Bundestagsabgeordnete als zu rechts für die AfD. Er selbst soll sich einmal als das „freundliche Gesicht des Nationalsozialismus“ bezeichnet und dies dann als Ironie abgetan haben. Für Aufregung haben Chats gesorgt, in denen er sich auch antisemitisch und rassistisch geäußert habe.

„Stoppt die Rechten“ ist alarmiert

„Die AfD Nordrhein-Westfalen hat ein Parteiausschlussverfahren gegen ihn angestrengt, seine Berufung dagegen läuft aber noch“, ist der grüne Ex-Politiker Karl Öllinger von der Initiative „Stoppt die Rechten“ alarmiert über den geplanten Auftritt des Festredners. In Anspielung auf das Tagungsmotto kritisiert er: „Die Burschenschaft Leder zeigt jedenfalls, wohin sie will. Noch weiter nach rechts.“ Öllinger zitiert auch die Begründung für den AfD-Ausschluss. Helferich habe die Ausweisung deutscher Staatsbürger mit Migrationshintergrund mit staatlichen Zwangsmitteln gefordert und dabei von „Viechern“ gesprochen.

Montanuni-Rektor Peter Moser ist um Abgrenzung bemüht
Montanuni-Rektor Peter Moser ist um Abgrenzung bemüht © Armin Russold

Die Montanuni Leoben, die ja unter Rektor Peter Moser um eine Abgrenzung von den deutschnationalen Burschenschaften bemüht ist, betont, die Veranstaltung finde nicht in Räumlichkeiten der Universität statt und man habe damit auch nichts zu tun: „Die Montanuniversität distanziert sich aufs Schärfste von den Äußerungen des angekündigten Redners und von jeder Form von Extremismus, Diskriminierung und Hass. Wir stehen für wissenschaftliche Redlichkeit, Respekt und demokratische Grundwerte.“ Seit 2023 hat die Hochschule ja den Burschenschaften untersagt, bei akademischen Feiern bewaffnet zu chargieren. Vertreter der Burschenschaft waren für die Kleine Zeitung gestern nicht zu erreichen. Erst jüngst gab es ja Kritik am Empfang einer AfD-Delegation bei der FPÖ im Landhaus.