Am Balkon, auf der Dachterrasse oder in einem Stadtgarten – auch im urbanen Raum findet sich Platz für Bienen. In der Landeshauptstadt sind einige engagierte Imker tätig, eine davon ist Michaela Kohlbacher-Schneider, die die Bio-Imkerei Bienengartl betreibt.

Die 58-Jährige kümmert sich um 67 Völker, das sind in etwa drei Millionen Bienen. Ihre Bienenstöcke befinden sich unter anderem im Garten des Krankenhauses der Elisabethinen oder beim Schloss Mageregg. Jahrelang hat Kohlbacher-Schneider auch Bienen am eigenen Balkon in der Nähe des ORF-Zentrums gehabt. Diese wurden aber kürzlich, um den Frieden innerhalb der Nachbarschaft nicht zu gefährden, umgesiedelt. Generell gilt: Wer Bienen in der Stadt hält, muss Abstand halten: „Zehn Meter zum Nachbargrundstück, 15 Meter zu öffentlichen Verkehrsflächen und 20 Meter zu Krankenhäusern, Schulen oder Kindergärten“, informiert Patrik Grausberg, Obmann des Landesverbandes für Bienenzucht Kärnten.

Michaela Kohlbacher-Schneider ist unterwegs zu ihren Bienenstöcken beim Krankenhaus der Elisabethinen in Klagenfurt
Michaela Kohlbacher-Schneider ist unterwegs zu ihren Bienenstöcken beim Krankenhaus der Elisabethinen in Klagenfurt © Thomas Hude

Weniger Spritzmittel in der Stadt

Abstriche bei der Qualität des Honigs aus der Stadt gebe es nicht: „Im Gegenteil, meine Bienen kommen kaum mit landwirtschaftlichen Flächen in Kontakt, auf denen chemische Pflanzenschutzmittel gespritzt werden“, sagt Kohlbacher-Schneider, der es ein Anliegen ist, dass die Menschen in der Stadt aufpassen, wie sie ihre Balkonpflanzen oder ihren Garten behandeln. „Für Bienen und generell Insekten wäre es wichtig, dass nur biologische Pflanzenschutzmittel verwendet werden“, sagt die Klagenfurterin, die für den Bio-Lieferdienst aus Moosburg „Bio bringt’s“ tätig ist.

Vor 15 Jahren hat sie ihre Liebe zur Imkerei entdeckt – trotz Allergie: „Mittlerweile hat sich mein Körper an die Bienenstiche gewöhnt“, sagt sie. Im Gegensatz zum „Waldhonig“, wohl die bekannteste Honigsorte, stammt der Honig aus der Stadt hauptsächlich von Laubbäumen. „Der Geschmack ähnelt aber stark dem von einem Waldhonig.“ Der Honig wird in der Innenstadt in den Räumlichkeiten einer Hobbybrauerei geschleudert. Die strengen hygienischen Vorschriften können dort eingehalten werden. Die Produkte können im „Bio-Naturkost und Reformparadies“ in Waidmannsdorf oder im „Kunst & Werk“ am Hauptplatz 27 in St. Veit gekauft, direkt bei Kohlbacher-Schneider abgeholt oder bestellt werden.

Kohlbacher-Schneider ist Bienenwirtschaftsmeisterin, Wanderlehrerin und Bienenseuchensachverständige im Raum Klagenfurt-Land. Sie unterrichtet angehende Imker und ist Mitglied des Vereins „Stadtbienen“, der einen Frauenanteil von über 50 Prozent hat. In der Landeshauptstadt ist aber auch noch der Bienenzuchtverein Klagenfurt aktiv. Die Klagenfurter Imkerin wird auch zu Notfällen gerufen, erst am vergangenen Wochenende ist ein Bienenschwarm ausgebüchst, tausende Bienen haben sich in einer Traube an einem Kirschbaum in Lendorf gehängt. Kohlbacher-Schneider hat den Schwarm eingefangen und ihn in einem neuen Bienenstock einlaufen lassen.

Ein ausgebüchster Bienenschwarm auf einem Ast in der Nähe der Lendorf-Kaserne
Ein ausgebüchster Bienenschwarm auf einem Ast in der Nähe der Lendorf-Kaserne © KK/Privat

Tag der offenen Tür

Wer mehr über die Imkerei erfahren möchte, kann sich am Samstag, dem 30. Mai zwischen 10 und 16 Uhr informieren. Der Landesverband für Bienenzucht, der heuer sein 120-Jahr-Jubiläum feiert, öffnet die Kärntner Imkerschule in Ochsendorf 16 in Pischeldorf für Führungen, Honigverkostungen und Mitmachstationen. Die Imkerschule besteht nunmehr seit 60 Jahren.