Wo früher auf 3000 Quadratmetern in Folientunneln rund 40 verschiedene Paradeissorten sowie zahlreiche Chili- und Paprikapflanzen dicht an dicht wuchsen, stehen dem „jungen wilden Gemüsebauern“ Jan Kutos aus Schwabau (Gemeinde Straden) in diesem Jahr nur noch 800 Quadratmeter Tunnelfläche für den Anbau seiner Tomatenpflanzen zur Verfügung.

Grund dafür sind die Schneemassen im Februar, die weite Teile der Steiermark unter sich begruben. „Dadurch wurde fast der gesamte Schaugarten zerstört. Der große Tunnel ist einfach unter der Schneelast zusammengebrochen. Das war ein verheerender Tag“, erzählt Kutos betroffen.

Mehr als 50.000 Euro Schaden

„Urlmüllers Schaugarten“ besteht bereits 20 Jahre lang und war ursprünglich das Werk von Kutos‘ Vater Johann Unger. Besonders bitter war für den jungen Landwirt zudem, dass zum Zeitpunkt des Unglücks auch die Ernte des Vogerlsalats unmittelbar bevorstand. Den finanziellen Schaden schätzt der Gemüsebauer auf 50.000 bis 60.000 Euro. Für einen vollständigen Wiederaufbau der zerstörten Folientunnel müsse er allerdings deutlich mehr investieren, schätzt Kutos.

Unterkriegen lassen wolle er sich durch das Unglück jedoch nicht. „Wir müssen nun einige Dinge anders angehen. Stand jetzt wird die betroffene Fläche eine Zeit lang freie Anbaufläche bleiben“, so Kutos, der die landwirtschaftlichen Flächen erst seit rund zwei Jahren von seinem Vater pachtet.

Wetterkapriolen und Preisdruck

Der Betrieb ist nicht zum ersten Mal von den Folgen von extremem Wetter betroffen. Vor wenigen Jahren zerstörte ein Hochwasser große Teile der Ernte und setzte den Hofladen unter Wasser. Neben den Wetterkapriolen sind es vor allem die wirtschaftlichen Faktoren, die für Kutos eine Herausforderung darstellen. Während Tomaten im Supermarkt deutlich günstiger angeboten werden, müsse er als regionaler Produzent kostendeckend wirtschaften: „Bei der aktuellen Wirtschaftslage schauen die Leute aber einfach stärker aufs Geld und greifen dann doch zu den Zwei-Euro-Tomaten aus dem Supermarkt statt zu jenen, die 3,50 pro Kilo kosten“, so Kutos.

In fünf weiteren Folientunneln baut Kutos Melanzani an
In fünf weiteren Folientunneln baut Kutos Melanzani an © KLZ / Ramona Lenz

Deshalb versucht er, neue Wege zu gehen. „Süßere Produkte wie Marmeladen sind weniger gefragt. Dafür funktionieren Chutneys und schärfere Soßen momentan sehr gut.“ Und künftig will er neben dem Anbau von Melanzani und Paradeiser auch vermehrt auf Salat setzen. „Es wird immer schwieriger, gute Hilfs- und Saisonarbeiter zu finden. Salat lässt sich maschinell gut ernten. Derzeit wird schon Rucola angebaut. Bald kommen noch verschiedene Schnittsalate dazu“, erklärt Kutos.

Schaugarten ist jetzt kleiner

Auch „Urlmüllers Schaugarten“ wird es weiterhin geben, jedoch mit stark verkleinertem Angebot. Dieses Jahr gedeihen im verbliebenen Folientunnel 1000 Pflanzen, darunter sechs bis sieben Sorten Paradeis sowie ein paar Chili-Pflanzen und zwei Paprikasorten. Geöffnet wird er Mitte Juli.

Trotz aller Schwierigkeiten: an das Aufhören denkt Kutos nicht: „Wenn das Wetter mitspielt, ist es eine der schönsten und dankbarsten Arbeiten, die man machen kann. Ich bin mit der Landwirtschaft aufgewachsen und kenne das Leben gar nicht anders.“