„Auf Tugenden besinnen“

Christian und Georg Knill lenken von Weiz aus eine global tätige Unternehmensgruppe. Zudem gehören die beiden Brüder bundesweit zu den einflussreichsten Interessensvertretern der Industrie.

Die Brüder Christian und Georg Knill führen das Familienunternehmen Knill
© HANSCHITZ
Die Brüder Christian und Georg Knill führen das Familienunternehmen Knill

Wie viel Mut braucht es, um als junges Brüderpaar ein Familienunternehmen mit über 300-jähriger Firmengeschichte zu übernehmen?

CHRISTIAN KNILL: Georg war 29, ich 32 Jahre alt – wir waren also tatsächlich relativ jung. Natürlich ist es eine große Verantwortung, aber in diesem Alter ist man unbekümmerter. Ich habe es daher sehr mutig von unserem Vater empfunden, dass er uns damals die Führung übertragen und losgelassen hat. Selbst freut man sich darauf, etwas gestalten zu können.

GEORG KNILL: Da ist weniger Mut als Demut dabei. Natürlich ist es eine Riesenverantwortung und wir sind sehr stolz, dass wir eines der ältesten Familienunternehmen Österreichs in zwölfter Generation weiterführen dürfen. Dass wir zu zweit sind, ist bei schwierigen Entscheidungen sicher hilfreich, weil man sich gegenseitig beraten kann.

Was, wenn es ein „Unentschieden“ gibt?

CHRISTIAN KNILL: Das hat es in den letzten 22 Jahren nie gegeben, …

GEORG KNILL: … weil wir in den großen, langfristigen strategischen Fragen absolut gleich denken und handeln. Der Paarlauf beflügelt eher, als dass er hemmt.

Wenn man im Ausland expandiert und weltweit exportiert: Was hält einen als Unternehmer dann noch in der Oststeiermark?

CHRISTIAN KNILL: Um wachsen zu können, braucht es eine Basis. Wir benötigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Veränderungen und Wachstum mittragen – und die finden wir hier in der Region.

GEORG KNILL:: Sie denken gleich und wollen auch etwas bewegen, weiterentwickeln und voranbringen. Familien­unter­nehmen und auch viele andere erfolgreiche Betriebe zeichnen klare Grundsätze und Werte aus. Die leben wir vor und fordern sie auch ein. Da gibt es definierte Vorgaben, aber auch ein ehrliches Miteinander.

CHRISTIAN KNILL: Wir geben unseren Mitarbeitern sehr viel Verantwortung, aber auch Freiheit und Gestaltungsspielraum. Das wird geschätzt.

GEORG KNILL: Es gibt eine sehr hohe Bindung und Loyalität und Mitarbeiter, deren Eltern und Großeltern schon bei uns gearbeitet haben.

Macht das krisenfester?

GEORG KNILL: Auch unser Geschäft ist nicht linear wachsend, sondern volatil. Aber wenn man etwas gemeinsam erfolgreich meistert, dann schafft man es auch leichter, durch schwierigere Zeiten. Und es schafft auch gegenseitiges Vertrauen und Verständnis. Man geht gemeinsam durch dick und dünn. Das ist mehr als nur eine Floskel.

Sie sind beide in hochrangigen Bundesfunktionen tätig. Warum engagieren Sie sich in der Wirtschaftskammer als Fachverbandsobmann der metalltechnischen Industrie und sind damit „Chefverhandler“ bei den Kollektivvertragsverhandlungen?

CHRISTIAN KNILL: Wir sind so erzogen worden, dass man – wenn man sich aufregt, dass etwas schlecht ist oder besser sein könnte – es auch zu verändern versucht. Das ist die Basis unseres Engagements.

... auch für Ihr Amt als Präsident der Industriellenvereinigung?

GEORG KNILL: Ich sehe das auch als Teil der unternehmerischen Verantwortung, die man für die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, für die Region und darüber hinaus hat. Nur aus der zweiten Reihe zu schimpfen und selbst nichts zu tun, ist mir zu wenig. Es geht darum, mitzugestalten. Das ist der Anspruch und mein Selbstverständnis, warum ich mich einsetze.

Warum nicht selbst Regierungsverantwortung übernehmen?

CHRISTIAN KNILL: Das wäre nichts für mich. Ich könnte nicht etwas nur um des Konsens‘ Willen machen, hinter dem ich nicht zu hundert Prozent stehe.

GEORG KNILL: Politik ist geprägt vom Kompromiss. Und Dinge schönzureden ist zu wenig. Damit deckt man nur Missstände zu. Das passt nicht zu einem Unternehmer – der ich unheimlich gerne bin und auch bleibe.

Sind Unternehmer so gesehen kompromisslos?

GEORG KNILL: Man muss Ziele haben und konsequent dahinterstehen.

Fehlt das der Politik? Was bräuchte es?

CHRISTIAN KNILL: Mehr Weitsicht, längerfristiges Denken …

GEORG KNILL: ... ein Verstehen der globalen Zusammenhänge und mehr Mut, unangenehme Dinge anzusprechen und auch umzusetzen. Wir schieben große Problemberge vor uns her und verlagern damit Verantwortung in die Zukunft und in die nächste Generation.

CHRISTIAN KNILL: Dabei wäre es wichtig, den Jungen eine Perspektive zu geben, wofür Leistung notwendig ist. Das „Es-passt-eh-alles“-Denken ist eine gefährliche Einstellung. Man muss schon weiterdenken.

Wenn sich das nicht ändert, müssen wir dann unsere Bundeshymne umtexten? „Zukunftsreich“ heißt es dort.

GEORG KNILL: Nein, wir sind weiterhin absolut zukunftsfit. Wir sind eines der reichsten Länder dieser Welt – viele glauben, das ist normal. Diesen Wohlstand hat aber unsere Elterngeneration aufgebaut. Wir konsumieren ihn. Das reicht nicht. Wir müssen uns dafür einsetzen, ihn zu erhalten und uns dafür auf unsere Tugenden besinnen. Es braucht Einsatzbereitschaft, Leistung, Fleiß und Mut.

Knill Gruppe

Die Wurzeln der heutigen Knill Gruppe mit Hauptsitz in Weiz liegen in der 1712 gegründeten Klingenschmiede Mosdorfer. Heute beschäftigt die von Georg und Christian Knill geführte Gruppe 29 Unternehmen in 17 Ländern mit insgesamt rund 2300 Beschäftigten. Zuletzt wurde ein Gruppenumsatz von rund 444 Millionen Euro erwirtschaftet.

Diese Serie soll der Schwerkraft der Krisen entgegenwirken. Sie erscheint als Medienkooperation der „Kleinen Zeitung“ und wird von den teilnehmenden Unternehmen finanziell unterstützt.

Mehr zum Thema