So sparen sich Hobbymechaniker ein teures Fahrradservice
Nach einer langen Winterpause muss das Fahrrad vor der ersten Ausfahrt wieder in Schuss gebracht werden. Tipps und Tricks, wie Sie Ihr Bike selbst frühlingsfit machen.
Sommerlich warm wurde es bereits früh im April, Ende des Monats sollen die Temperaturen erneut steigen. Die Fahrräder werden also wieder aus den Garagen und Kellern dieses Landes geholt. Doch aufgepasst: Bevor die Radtouren starten können, sollte man sein Bike einem genauen Check unterziehen. Laut dem Bundesministerium für Mobilität würden viele Unfälle passieren, weil Fahrräder technische Mängel aufweisen – beispielsweise ungenügende Beleuchtung in der Nacht.
Für diesen Frühlings-Check und den daraus resultierenden Maßnahmen muss nicht unbedingt eine Werkstatt aufgesucht werden. ÖAMTC-Technikexperte Steffan Kerbl betont: „Sein Fahrrad im Frühjahr selbst zu überprüfen, ist keine Raketenwissenschaft. Man kann wirklich sehr viel selbst machen.“
Welche Elemente sind in der Winterpause besonders anfällig beziehungsweise gefährdet?
Steht das Fahrrad in einem Gemeinschaftsraum, sind die Reflektoren an den Speichen und Pedalen gefährdet, unabsichtlich heruntergeschlagen zu werden. Man sollte prüfen, ob sie noch montiert sind. Generell sollte eine Sichtkontrolle auf offensichtliche Schäden vorgenommen werden. Weitere Komponenten, bei denen über den Winter Probleme aufgetaucht sein können, sind die Reifen, die Gangschaltung, die Bremsen und eine Lichtanlage mit Dynamo. Bei Letzterer sollte überprüft werden, ob sie noch funktioniert (Rad kurz durchdrehen).
Diese Fahrradkomponenten können Hobbymechaniker reparieren
- Reifen: Der Luftdruck sollte bei 2,5 bis drei Bar liegen. Drückt man mit dem Daumen in den Reifen, darf er nur mit erheblichem Kraftaufwand nachgeben (circa einen Zentimeter). Beim Profil sollte man die Flanke (außen) mit der Mitte vergleichen. Ist es ungefähr gleich, ist der Reifen noch okay. Hat der Mantel Risse, besteht die Gefahr eines Reifenplatzers. Bei einem schleichenden Druckverlust kann man den Schlauch selber tauschen (siehe Video unter dieser Infobox). Tipp: Das Fahrrad an die Wand hängen, um die Reifen zu schonen und weniger Luft zu verlieren. Außerdem vor der Winterpause so viel Luft hineinpumpen, wie maximal zulässig ist.
- Bremsen: Einen Spritzer eines MoS2-Sprays (Schmieröl) oben in den Seilzug geben, damit die Bremsen wieder gut greifen. Man kann auch außen an den Bremsbelägen ein paar Tropfen Öl auftragen – allerdings sehr behutsam, da die Bremsbeläge innen ölfrei bleiben müssen. Ändert sich nichts, kann es sein, dass die Drahtseil-Stränge in den Bowdenzügen beginnen, sich aufzusplitten. Zumindest das Seil gehört in so einem Fall getauscht. Bei einer Hydraulikbremse testet man den Druckpunkt aus. Zieht die Bremse und kann man das Rad nicht mehr schieben, ist das ein gutes Indiz. Wenn Flüssigkeit austritt, können Laien nichts mehr ausrichten.
- Bremsbeläge: Sieht man von den Rillen/Riefen innen nichts mehr, ist der Bremsbelag in der Regel verbraucht. Ist fast kein Material mehr vorhanden, sollte man sich einen neuen Satz leisten. Etwaiger Flugrost löst sich normalerweise nach ein paar Bremsmanövern automatisch.
- Gangschaltung/Kette: Geht eine Nabenschaltung nach der Winterpause schwerfälliger, liegt es wahrscheinlich an der Schnittstelle zwischen dem Bowdenzug und der Kette. Dort kann sich Dreck angesammelt haben. Diesen kann man mit einem MoS2-Spray (Schmieröl) lösen, den man auf den Bowdenzug und auf die Kette sprüht. Eine Kettenschaltung sollte gründlich gereinigt und geölt werden (idealerweise noch im Herbst) – mit einer Ritzelbürste und einem Textiltuch, durch das man die Kette laufen lässt.
- Schrauben: Alle Schrauben am Fahrrad sollten nachgezogen werden.
Wie oft sollte man ein professionelles Fahrradservice machen lassen?
Einmal im Jahr empfiehlt ÖAMTC-Profi Steffan Kerbl ebenso wie der Verkehrsclub Österreich (VCÖ). Auch dann, wenn man selbst Hand an seinem Fahrrad anlegt. Der Vorteil in diesem Fall ist natürlich, dass weniger Probleme beim Service auftauchen und man billiger aussteigt.
Wie muss ein Fahrrad ausgestattet sein?
Der Gesetzgeber gibt in Form der Fahrradverordnung klare Vorgaben. Ein Fahrrad muss zwei unabhängig voneinander wirkende Bremsvorrichtungen besitzen, eine Hupe/Glocke, weiße nach vorne wirkende Rückstrahler, rote nach hinten wirkende Rückstrahler und gelbe Rückstrahler an den Pedalen (oder Gleichwertiges an den Reifen/Speichen).
Video: So entspricht Ihr Fahrrad der STVO
Was muss bei einem E-Bike beachtet werden?
Der Vorteil ist, dass der Antrieb wartungsfrei ist. Nach der Winterpause sollte man eine Funktionskontrolle machen. Dazu gehört die Überprüfung der Kabel (ist eines beschädigt?) und des Controllers (Display). Der Akku sollte geladen werden, wenn er sich noch laden lässt. Hat er sich über den Winter tiefentladen, kann es sein, dass er keine Ladung mehr annimmt. In diesem Fall muss man den Akku in eine Werkstatt bringen. Zur Vorbeugung sollte man ihn vor dem Einwintern auf mindestens 75 Prozent laden.
Was gilt es bei einem Lastenfahrrad zu beachten?
Der Check nach der Winterpause ist wie bei einem regulären Fahrrad, sollte allerdings noch genauer durchgeführt werden – speziell bei den Reifen und Bremsen. An das Fahrverhalten, vor allem mit Beladung, sollte man sich behutsam wieder gewöhnen. Das Gewicht kann durchaus dem eines Motorrades entsprechen, die Bremsen sind aber bei Weitem nicht so stark. Besonders bergab birgt das eine Gefahr. Zusätzlich ist die Lastenvorrichtung auf Schäden zu prüfen.
Wie viel würde ein Fahrradservice aktuell kosten?
Darauf gibt es keine eindeutige Antwort, da die Preise von Werkstatt zu Werkstatt stark variieren. Auch der Zustand des Fahrrads und der daraus resultierende Umfang des Services hat Auswirkungen auf den Preis. Ein Standardservice sollte aktuell auf 40 bis 60 Euro kommen. Dabei werden in der Regel die Einstellung der Bremsen und der Schaltung, die Kette, die Kassette und der Reifendruck kontrolliert. Auch die Schrauben werden normalerweise nachgezogen. Nach oben ist aber noch viel Spielraum. Rad Aktiv in Graz bietet beispielsweise ein Rundumpaket für 289 Euro an. Um diesen Preis wird das Fahrrad komplett zerlegt und wieder aufgebaut. „Das ist für Räder, die es wirklich nötig haben“, erklärt Geschäftsführer Andreas Schlögl.
Video: Machen Sie Ihr Fahrrad bereit für den Frühling
Hinweis: Dieser Artikel wurde im April 2024 erstmalig publiziert.