Regionale Familienbetriebe treiben Energiewende voran
Mit Wilfried und Sohn Roland Klauss gestalten Gailtaler Firmen die Ökostrom-Zukunft aktiv mit. Das energieautarke Stromnetz im Gailtal ist ein regionales Vorzeigeprojekt. Kärnten habe noch großes Potenzial bei den Erneuerbaren.
In Kötschach-Mauthen hat sich die Alpen Adria Energie (AAE) als unabhängiger Ökostromerzeuger etabliert. Die Familie Klauss leistet seit Jahrzehnten Pionierarbeit, etwa mit der Errichtung des allerersten Windrads in Kärnten. Was viele erstaunt: Es dreht sich schon seit einem Vierteljahrhundert und blieb lange Zeit Kärntens einziger Punkt auf der Windenergie-Landkarte. 2017 folgte das zweite Windrad auf dem Plöcken. AAE-Geschäftsführer Wilfried Klauss vermisst in der Energiestrategie das parallele Hochfahren von Speicherkapazitäten, um die PV-Überschüsse vor Ort zu nutzen. Vor 12 Jahren wagte er den Schritt nach Slowenien, wo sich seither die erste Borawindturbine dreht.
„Bei einseitigem Ausbau von Wind- und Sonnenstrom kommt es schon jetzt zu zeitweisen Stromverwertungsproblemen. Viele PV-Einspeiser beklagen den tief gefallen Abgeltungspreis“, schildert Klauss. Da sei aber vorhersehbar gewesen, wenn man auf den Bau der wichtigen Speicher verzichtet.

Österreichs höchster Ladepunkt, Vorstoß bei Wasserkraft
Die von Sohn Roland Klauss gegründete Firma „Enercharge“ expandierte kürzlich nach Osttirol und wuchs um 30 auf in Summe 100 Mitarbeiter. In Oberlienz wird Schnellladetechnik für E-Fahrzeuge wie Autos, Lkw und Busse produziert. Am Sitz in Kötschach-Mauthen sollen weitere 180 Arbeitsplätze entstehen. Eines der prestigeträchtigen Projekte war die Elektrifizierung der Großglockner Hochalpenstraße samt Heiligenblut. Die selbstgefertigten Ladestationen helfen E-Autos bis zu Österreichs höchstgelegenem E-Ladepunkt auf 2262 Meter Seehöhe bei der Fuscher Lacke. Gemeinsam mit den deutschen Pfalzwerken als Partner wurden mehrere Ladeparks umgesetzt.
Für die Stromproduktion betreibt die AAE ein Dutzend Kleinwasserkraftwerke und mehrere Kleinspeicher. Mit einem Agri-PV-Projekt, künftig samt Speicherleistung, werden Erfahrungen gesammelt. Im Zuge eines Repowering-Projekts soll das am Ende seiner Lebensdauer angelangte Windrad durch ein größeres Modell am neuesten Stand der Technik ersetzt werden.
Wilfried Klauss fordert nach der Diskussion um den Ausbau bestehender Speicherteiche in Skigebieten zu Pumpspeicherkraftwerken, die Prioritäten anders zu setzen: „In den Skigebieten wäre vielleicht ein Drittel geeignet. Die viel größere Ausbaumöglichkeit bietet die bestehende Kleinwasserkraft.“ Jede zweite Anlage ließe sich mit zusätzlichen Staubecken nachrüsten. In Kärnten gibt es circa 220 Kleinwasserkraftwerke, die rund ein Fünftel des hier erzeugten Stroms ausmachen. „Zumindest 50 Hochdruckanlagen, mit Gefälle von mehr als 250 Höhenmeter, würden sich für die Adaption als Kleinwasser-Speicherkraftwerke eignen“, schätzt Klauss und kritisiert, dass solche Projekte vom Fördergesetz ausgeschlossen sind, „ein Versäumnis vom Umweltministerium“.
Um nicht ins Überlandnetz einspeisen zu müssen und vor Ort von Wind- und Sonnenenergie zu profitieren, brauche es zusätzlich Regionalmengenspeicher, um umlagern zu können – so die Vision der autarken Energie-Inseln, für die man gar nicht auf den Netzausbau warten müsse.


