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Bill Guerin: “Es gibt nicht diese eine Formel, die man anwenden kann“

Hinter Minnesota Wild liegt ein schwieriger NHL-Start. General Manager Bill Guerin (53) erzählt im Exklusiv-Interview, wie er die Mannschaft schützt, lobt aber vor allem die Entwicklung sowie die Einstellung von Marco Rossi.

Minnesota Wild-General Manager Bill Guerin | Minnesota Wild-General Manager Bill Guerin
© IMAGO/David Joles, Star Tribune
Minnesota Wild-General Manager Bill Guerin|Minnesota Wild-General Manager Bill Guerin
Martin Quendler-Trabesinger

Ein NHL-Team ist längere Roadtrips eigentlich gewöhnt. Doch die Reise nach Stockholm ist doch etwas ganz Anderes. Wie stehen Sie diesem Abenteuer gegenüber?

Bill Guerin: Es ist ganz lustig und etwas Besonderes für uns alle. Wir sind für lange Zeit an einem Ort. So etwas haben wir sonst ja nie. Aber noch mehr freuen wir uns natürlich auf die Spiele.

Die Minnesota Wild, so muss man es sagen, haben in diese Saison einen klaren Fehlstart hingelegt. In den letzten zwölf Partien setzte es neun Niederlagen. Ihre Meinung?

Ich hoffe zuerst, dass wir eine Art Turnaround hier schaffen. Eine Reise wie diese kann manchmal dazu dienen, den Kopf wieder frei zu bekommen. Und vielleicht einen anderen Zugang zur Spielweise zu finden. Außerdem sind wir erst einmal weg von den Geräuschen, die mittlerweile rundherum zu vernehmen sind. Vor allem außerhalb der Mannschaft. Und vielleicht gelingen uns hier zwei gute Vorstellungen.

Sie haben die Geräuschkulisse von Minnesota erwähnt: Was bedeutet das für einen General Manager? Wie schützen Sie die Mannschaft?

Alle Augen sind in der Umgebung auf das Eishockey im Allgemeinen und auf unsere Mannschaft im Speziellen gerichtet. Das ist aber nichts Überraschendes, so steht es auch in meiner Jobbeschreibung. In solchen Situationen ist es wichtig, die Ruhe zu bewahren, dies den Trainern und den Spielern zu signalisieren und sich darauf zu konzentrieren, wie man wieder auf die Erfolgsspur findet.

Das bedeutet?

Die Mannschaft braucht da die Unterstützung des GMs. Man muss sich auf die wirklich wichtigen Dinge fokussieren, versuchen, zu helfen und darf nicht in Panik ausbrechen, weil es einmal nicht nach unseren Vorstellungen läuft.

In Österreich wird natürlich alles rund um Minnesota verfolgt. Vor allem wegen Marco Rossi. Wie beurteilen Sie seine bisherige Saison?

Marco hat bis jetzt richtig gute Leistungen gezeigt. Alles, was er auf und abseits des Eises macht – es ist einfach großartig, das zu sehen, wie er aufblüht.

Zur Person

Bill Guerin

Geboren: 9. November 1970 in Worcester, MA (USA)

Karriere als Spieler: zwei Stanley-Cup-Titel mit New Jersey Devils (1995) & Pittsburgh Penguins (2009), absolvierte 1403 NHL-Spiele (468 Tore, 462 Assists) bei NJ Devils, Edmonton Oilers, Boston Bruins, Dallas Stars, St. Louis Blues, San Jose Sharks, New York Islanders und Pittsburgh, Gold beim World Cup of Hockey 1996, Olympia-Silber 2002.

Karriere als Funktionär: zwei Stanley-Cup-Titel mit Pittsburgh Pengiuns (2016 und 2017) als Assistant-General Manager, seit 2019 als General Manager bei Minnesota Wild.

Obwohl er das vergangene Jahr großteils in der AHL verbringen musste?

Ich bin dennoch der Meinung, auch wenn das einige kritisch gesehen haben und es für ihn nicht immer einfach gewesen ist, dass ihm das vergangene Jahr bei Farmteam Iowa Wild gut getan hat. Aber vor allem der Sommer, den er ja bei uns in Minnesota verbrachte, hat ihn stärker gemacht. Das war immens wichtig, hat ihn zu einem besseren Spieler auf dem Eis werden und reifen lassen. Aber nicht nur das. Er trägt deutlich mehr Selbstvertrauen in sich.

Rossi ist ein gutes Beispiel, dass es nicht auf Anhieb klappen muss, dass es manchmal selbst für einen Erstrunden-Draftpick Geduld braucht. Wie viel Zeit wird einem jungen Spieler zugestanden, dass er in der NHL Fuß fassen kann?

Das kann man nicht über einen Kamm scheren, eine NHL-Karriere verläuft bei nahezu jedem Spieler anders. Einige sind mit 18 Jahren fertig und bereit, andere sind erst mit 23 Jahren soweit, tragende Rollen in der Liga zu übernehmen. Jeder Mensch ist anders, und auch jeder Klub bietet eine andere Ausgangsposition. Es gibt nicht diese eine Formel, die man da anwenden kann.

Als Sie ihn im NHL-Draft ausgewählt hatten - welche Idee hat damals von Minnesota Wild dahintergesteckt? Haben Sie damit gerechnet, dass es bei Rossi etwas länger dauert?

Ich habe damals unserem Chef-Amateurscout Judd Brackett freie Hand gelassen, um unsere Draftpicks zu bestimmen. Marco hatte damals ein beeindruckendes, unglaubliches Jahr hinter sich bei Ottawa in der OHL. Er hatte für enorm viele Punkte gesorgt, hat Stabilität in der Defensive verkörpert. Er hatte alles, was es braucht, um in der ersten Runde gezogen zu werden. Vor allem jedoch einen guten Charakter. Ich bin sehr zufrieden, dass wir ihn gezogen haben.

(Guerins Telefon läutet) Hi, … yes, …ok, give me two minutes,… Sorry, it was the Owner (Craig Leipold, Anm.)

Zur Gegenwart: Rossi spielt mittlerweile in der Top-Formation, hat aber gleichzeitig den Druck, in der NHL in jedem Spiel für Scorerpunkte zu sorgen. Das ist, für einen jungen Spieler, der vergangene Saison noch in der AHL spielen musste, ein enormer Schritt. . .

Er ist absolut bereit dafür, diese neue Rolle zu übernehmen. Ich sehe ihn als eine bestimmte Art von Spieler, der er werden könnte. Er gibt sich nicht zufrieden, will sich mit den Besten messen und macht sehr viele Dinge richtig. Klar, es geht darum, Tore und Assists zu liefern. Aber auch darum, immer hart zu arbeiten. Aber das erwarte ich mir von allen Spielern, nicht nur von Marco.

Minnesota Wild genießt den Ruf, im Laufe einer langen Saison immer zulegen zu können. Was kann die Mannschaft in dieser Saison erreichen?

Unser Ziel lautet immer, den Stanley Cup zu gewinnen. Das ist der Grund, warum wir das alles auf uns nehmen, warum wir überhaupt Eishockey spielen. Aber zuerst müssen wir besser werden, dann das Play-off erreichen – also genau in dieser Reihenfolge. Es sind kleine Schritte. Aber ich erwarte mir Verbesserungen, jeden Tag, jedes Spiel.

Die NHL in Stockholm