Kleine Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen.

Minnesota-Trainer Evason bezeichnet Rossi als seinen „besten Spieler“

Minnesota Wild spielt am Samstag (gegen Ottawa/17 Uhr) sowie Sonntag (gegen Toronto Maple Leafs/14 Uhr) in Stockholm, versucht dort seine Probleme hinter sich zu lassen. Marco Rossi ist mittlerweile in der Top-Formation gesetzt. Sky überträgt beide Spiele live.

Minnesota Wild-Stürmer Marco Rossi | Minnesota Wild-Stürmer Marco Rossi
© KLZ / Bruce Bennett
Minnesota Wild-Stürmer Marco Rossi|Minnesota Wild-Stürmer Marco Rossi
Martin Quendler-Trabesinger

„Einige Leute waren besorgt. Ob Marco Rossi nicht zu sehr gehyped worden ist“, sagt Michael Russo am Rande der Eiseinheit von Minnesota Wild in Stockholm. Der Journalist folgt Minnesota Wild auf Schritt und Tritt, auch zu den NHL Global Series nach Schweden. Russo schreibt für „The Athletic“. Er und etwa 15 weitere Kollegen gehören zur engsten Entourage des NHL-Teams. Sie fühlen den Puls, erzählen aus dem Herzen der Organisation, sind näher dabei, als jeder andere. Sie berichten über neueste Entwicklungen, politische Entscheidungen und sind loyal gegenüber ihrer Informanten aus dem Büro von General Manager Bill Guerin. Das bedeutet allerdings auch, die härtesten Kritiker Rossis waren eher in den Boulevard-Medien oder Blogs angesiedelt. Doch das prallte am NHL-Stürmer stets ab.

Mittlerweile zählt der Österreicher zu den Stützen von Minnesota Wild. Für den 22-Jährigen ist das wie Balsam. Selbstzweifel keimten zwar nie auf, aber nach überstandener Herzmuskelentzündung hervorgerufen durch Corona und daraus resultierender physischer Defizite, schlich sich Ungeduld ein. Rossi musste sich lange mit dem Farmteam Iowa Wild begnügen. Und als einer, der unentwegt für Tore sorgen will, benötigte es lange (saisonübergreifende 23 Spiele), bis er über seinen NHL-Premierentreffer jubeln durfte.

Rossi: „Stark wie noch nie“

Kein Zufall für ihn. „Ich fühle mich so stark wie noch nie, ich fühle mich zum ersten Mal als richtiger NHL-Spieler. Dem Stürmer war klar, dass es nur eine Frage der Zeit war. „Ich wusste, dass dieser Moment kommen wird. Deshalb bin ich im Sommer auch in den USA geblieben, habe sieben Kilo zugelegt. Viele meinten, dass ich viel opfere oder aufgebe. Aber ich würde es nicht Opfer nennen, wenn man sich damit seinen Traum erfüllt. Ich ordne alles unter, um in der NHL zu spielen.“

Das registrierte auch Dean Evason, der als Trainer der alten Schule gilt, bei dem der Wind nach letztjähriger Skepsis gegenüber Rossi mittlerweile gedreht hatte. Bereits vor der Reise nach Schweden durfte der Vorarlberger die Stars Kirill Kaprizov und Mats Zuccarello centern, den beiden Wild-Torgaranten in der Top-Formation. Das bedeutet allerdings auch: Evason hat eine gewisse Erwartungshaltung in ihn gesetzt. In einem kurzen Interview mit der Kleinen Zeitung gab es Lobeshymnen für Rossi: „Er ist wahrscheinlich einer meiner besten Spieler in diesem Jahr. Ob im 5:5, im Powerplay oder in Unterzahl. Er generiert Spielzüge, liefert ein gut abgestimmtes Gesamtbild ab.“

1 / 6
Minnesota Wild-Headcoach Dean Evason
Minnesota Wild-Headcoach Dean Evason © Renee Jones Schneider via www.imago-images.de

Evason fügt hinzu: „Er verdient es, wo er gerade spielt.“ Und zu Rossis Fortschritten? „Einige sagen, dass er sich langsamer entwickelt hat, wie andere. Jeder entwickelt sich anders. Er hat die beiden Jahre im Farmteam gebraucht, hat gelernt. Heuer stieß er in einer phänomenalen Verfassung zu uns und ist im Sommer zu einem NHL-Spieler geworden.“ Worte wie diese gehen am ansonsten stoischen Rossi nicht spurlos vorüber (zumal es heuer noch kein einziges Einzelgespräch mit seinem Headcoach gegeben hat - nichts unübliches in der NHL): „Da geht einem das Herz auf. Nach all den Aufs und Abs, die ich bisher erleben musste, tut das richtig gut zu hören.“

Und gleichzeitig hat sich Rossi auch unter den kritischen Wild-Stimmen Respekt erarbeitet. Die neue Reife, die auf dem Eis erkennbar ist, setzt sich in souveränen Interviews fort. Längst geht es nicht nur um seine Person. Die Meinung des Österreichers ist zur aktuellen Situation gefragt. Und die ist aktuell keine besonders rosige. In den letzten zwölf Spielen setzte es neun Niederlagen. Der Trip nach Schweden soll eine Trendwende herbeiführen. „Wir sind alle Profi genug und wissen was zu tun. Die letzten Spiele verliefen nicht so grandios, wir sind immer früh und fast aussichtslos in Rückstand geraten. Ein Sieg könnte eine Serie starten.“, erklärt der Wild-Stürmer, dessen Familie pünktlich zum Ottawa-Spiel eingetroffen war.

Ein Beobachter meinte am Rande, dass eigentlich jedes NHL-Team mit Baustellen kämpfe. Mal mit größeren, dann mit kleineren. „Erfolgreich ist der, der sie besser in den Griff bekommt.“ Ähnliches mag nun auf Minnesota zutreffen, die gegen Ottawa mit Filip Gustavsson im Tor starten. Und bereits am Sonntag könnte Frederick Gaudreau nach überstandener Verletzung zurückkehren. Und auch die Sorgen um Rossi haben sich in Luft aufgelöst. Minnesotas erster Draftpick von 2020 steht im Mittelpunkt, ist zu einem zentralen Thema geworden. Davon nimmt auch Russo Notiz: „Für ihn läufts gut. Und das sorgt dafür, dass in der Organisation alle happy sind. Das ist klar zu spüren.“

Zur Person

Marco Rossi

Geboren: 23. September 2001 in Feldkirch

Karrierestationen: Küsnacht/ZSC, 2018-2020: Ottawa 67‘s/OHL, seit 2021: Minnesota Wild (Iowa Wild/AHL), bisher 36 NHL-Spiele/5 Tore/4 Assists. Insgesamt 13 Länderspiele, ua. bei der WM in Tampere 2023.

Alles zur besten Eishockey-Liga der Welt