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Die beste Liga der Welt zapft eine neue Geldquelle an

Die NHL gastiert mit ihrer Global Series in Stockholm. Für vier Spiele übersiedelt ein ganzer Tross nach Schweden. Das kostet Millionen US-Dollar. Aber die Liga sieht es als Investment.

Die NHL mit Minnesota Wild sowie dem Österreicher Marco Rossi gastiert dieser Tage in Stockholm
© IMAGO/Claudio Bresciani/TT
Die NHL mit Minnesota Wild sowie dem Österreicher Marco Rossi gastiert dieser Tage in Stockholm
Martin Quendler-Trabesinger

Die Auswahl fiel nicht zufällig auf Schweden. Wenn die Nation für etwas empfänglich ist, dann wohl für Eishockey in allen Facetten. Und weil knapp 10 Millionen Einwohner ihren geliebten Sport hier tagtäglich leben, übersiedelte die NHL für knapp eine Woche mit vier Mannschaften nach Skandinavien. Der Hintergrund klingt trivial: Die beste Eishockey-Liga der Welt braucht Geld. In den vergangenen Jahren sind die Portokassen für die Spielzeuge der Milliardäre leerer geworden. Der Betrieb ist kein Abschreibposten mehr, Corona und ausgesperrte Fans haben die Portemonnaies verschmälert. Und das ist deutlich ersichtlich. Vor zwei Jahren fiel eine Bastion. Die Reinheit des Eishockeys bekam Flecken. Plötzlich prangten Sponsoren auf Helmen und Dressen.

In den nordamerikanischen Gefilden gerät das Business allmählich ins Stocken. So drohen einzelne Standorte der mittlerweile 32 Mannschaften wegzubrechen. Eine neue Geldquelle soll in Europa angezapft werden. Solche Gastspiele, wie sie derzeit in Stockholm abgehalten werden, sind für die NHL nicht neu. 13 von 38 Spielen der Regular Season wurden bislang in Schweden veranstaltet, zwölf davon in der Avicii-Arena (Globen). „Das hat eigentlich Tradition“, bekräftigt Lynn White. Die US-Amerikanerin aus dem „International Strategy Department“ leitet für die NHL solche Projekte. Früher vielleicht aus Idealismus wirkt die Motivation nun deutlich zielgerichteter. Im September etwa inszenierte sie NHL-Spiele sogar im australischen Melbourne. Um neue Märkte zu erschließen.

10 Prozent Schweden-Anteil

Schweden hingegen mit seinen über 60.000 gemeldeten Spielern benötigt keine Entwicklungshilfe. Hier wird ein anderes Ziel verfolgt: „Drei Gründe: Es spielen mehr Schweden in der NHL, als aus jedem anderen Land außerhalb Nordamerikas. Zudem verfügen wir hier über Geschäftspartner wie Viaplay (besitzt die Medienrechte in Nordeuropa, Anm.) mit enorm hohen Einnahmen aus diesem Bereich. Und natürlich gibt es hier auch eine starke Fanbasis“, erklärt White. Fast zehn Prozent der NHL-Spieler stammt aus Schweden. Es sei naheliegend, dass die NHL auf diesem Markt Spiele abhält.

NHL-Mitarbeiterin Lynn White (International Strategy Department)
© Quendler
NHL-Mitarbeiterin Lynn White (International Strategy Department)

NHL Global Series in Stockholm

Donnerstag (16. 11.): Ottawa Senators – Detroit Red Wings (20 Uhr)
Freitag (17. 11.): Detroit Red Wings – Toronto Maple Leafs (20 Uhr)
Samstag (18. 11.): Ottawa Senators – Minnesota Wild (17 Uhr)
Sonntag (19. 11.): Minnesota Wild – Toronto Maple Leafs (14 Uhr)

Alle NHL-Spiele werden bei Sky Sport live gezeigt.

Die Liga wünscht sich auf lange Sicht finanziell zu profitieren. Eishockey mag vielfach ein regionales Phänomen sein, speziell in Europa. Doch die NHL denke global, und an der besten Liga der Welt soll zukünftig kein Weg vorbeiführen. White benennt das Ziel: „Wachstum. Wachstum bei den Eishockey-Fans und damit auch bei den Einnahmen. Die NHL soll Interesse hervorrufen und in den sozialen Medien zu Engagement führen, und damit noch internationaler werden.“ Der Preis für diesen exorbitanten Aufwand spiele keine Rolle. „Das Investment ist ein Marketing-Asset und nicht Einnahmen-gesteuert. Die Global Series sind empfindlich teuer, keine Frage. Aber um das Wachstum der NHL in Europa zu steigern, ist die Summe es allemal wert.“

Große Reisegruppe

Über Beträge wird nicht gesprochen: „Significant“, bleibt White charmant lächelnd und doch schmallippig. Entlocken lässt sich die NHL-Verantwortliche jedoch, dass alleine die Ausgaben für den Transfer der Teams „mehrere Millionen US-Dollar“ übersteige. Denn in Nordamerika erfüllt die Infrastruktur alle nötigen Standards. Für solche Gastspiele übersiedelt der Ligabetrieb aber kurzzeitig über den Atlantik, und retour. Seitens der NHL umfasst der Stab bereits eine große Reisegruppe (Organisation, TV, Offizielle, Statistik, etc). Mannschaften wie Minnesota Wild (Marco Rossi) sind mit rund 125 Personen angereist. Die Strapazen inklusive Jetlag (Zeitverschiebung sieben Stunden für wenige Tage) werden untergeordnet.

Es mag für den Klub des Österreichers ein willkommener Tapetenwechsel sein. Zuletzt lief es sportlich etwas schleppend. „Die Mannschaft wächst zusammen, das tut allen gut. Wir haben gemeinsam Spaß. Und vielleicht gelingt es uns hier, wieder auf die Siegerstraße zurückzukehren“, erklärt der Stürmer, der mittlerweile in die Topformation zwischen Mats Zuccarello und Kirill Kaprizov aufgerückt ist. Auch bei der Auswahl der Mannschaften überließ die NHL nichts dem Zufall. White: „Die Fans sind Spieler-getrieben. Wir mussten also Mannschaften wählen, die Relevanz aufweisen. Minnesota und Toronto verfügen über den höchsten Schweden-Anteil mit jeweils fünf Spielern. Detroit Red Wings sowie Ottawa Senators können eine starke Verwurzelung in die Tre-Kronor-Nation mit ihren ehemaligen Akteuren vorweisen.“

NHL-Spiele ausverkauft

Für die NHL selbst zeichnet sich in Stockholm bereits jetzt ein großer Erfolg ab. Die vier Spiele sind mit einem Fassungsvermögen von 14.000 Zuschauern „beinahe ausverkauft. Für die Fans ist es eine tolle Gelegenheit, ohne nach Nordamerika reisen zu müssen. Aber auch für unsere Spieler ist es etwas Besonderes, und für die nordamerikanischen Spieler, die so eine Atmosphäre nicht kennen“, sagt White. Die Ticketpreise seien weit entfernt von Kosten wie bei den Toronto Maple Leafs, wo im Unterrang etwa 500 Euro zu berappen sind. „Es ist ja ein Premium-Event für die Fans.“

Die NHL will in Zukunft nicht locker lassen. Bereits jetzt laufen im Hintergrund die Planungen für das nächste Europa-Gastspiel. „Wir wollen konstant in den nordeuropäischen Ländern spielen. Es ist davon auszugehen, dass es nächstes Jahr erneut NHL-Spiele in Schweden oder Finnland geben wird. Das sind neben Tschechien, Schweiz und Deutschland unsere Kernmärkte.“ Als würde die Millionen-Liga eine Flucht nach vorne antreten. Koste es, was es wolle.

Minnesota Wild-Stürmer Marco Rossi steht im Mittelpunkt des Interesses
© Quendler
Minnesota Wild-Stürmer Marco Rossi steht im Mittelpunkt des Interesses

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