Alessandro Hämmerle: "Ich habe mir schon Sorgen gemacht, ob das überhaupt je wieder weggeht"
"Ich habe eineinhalb Vorwärtssalti gemacht und bin letztlich mit dem Kopf auf einer Kante aufgeschlagen." Nach seiner schweren Gehirnerschütterung geht Cross-Olympiasieger Alessandro Hämmerle am Mittwoch bei der Snowboard-WM an den Start.

Kopf- und Nackenschmerzen, starke Schwindelanfälle und benebelte, schlechte Sicht. Alessandro Hämmerle war die letzten Wochen über gezeichnet. Der Boardercross-Olympiasieger hatte sich Mitte Jänner beim Training auf der Reiteralm eine schwere Gehirnerschütterung zugezogen. "Ich war für ein Element etwas zu schnell dran, sodass es mich ausgehoben hat. Ich habe in der Luft völlig die Orientierung verloren, eineinhalb Vorwärtssalti gemacht und bin letztlich mit dem Kopf auf einer Kante aufgeschlagen."
Erst ein, zwei Wochen nach dem Sturz wurde Hämmerle bewusst, "dass nichts weitergegangen ist und ich nicht gewusst habe, wann es wieder weggeht". Dieser Zeitraum war von den unterschiedlichsten Therapieformen geprägt: Von Osteopathie, Physio- und Zelltherapie bis hin zum Augentraining ließ er nichts aus, Besserung stellte sich allmählich ein.
"Geht das überhaupt wieder weg?"
Beim allerersten Schneetraining musste der Boarder im Vorfeld ein Protokoll abarbeiten. "Da konnte ich noch nicht wirklich Gas geben, weil sich die Symptome ständig verschlechtert haben. Erst drei Wochen nach dem Sturz ging es wieder stetig bergauf."
Bis dahin sorgten Gedankenspiele für Kopfzerbrechen. "Es war eine extrem belastende Zeit für mich. Und ich mache mich gerne noch selbst schlau, da nur ich mich in meinen Körper reinfühlen kann. Ich habe mir schon Sorgen gemacht, ob das überhaupt je wieder weggeht." Und Hämmerle stellte sich Fragen über Fragen: Kann ich mich bewegen? Darf ich ins Handy schauen? Was ist möglich? "Ich hatte Angst, ob ich mir Gutes tue oder doch kontraproduktiv arbeite. Es war herausfordernd, aber jetzt habe ich alles hinter mir lassen können."
"Es käme einem Märchen gleich"
Demnach spielte der Faktor Nervosität im heutigen und einzigen Training für den wegen der schlechten Wettervorhersagen um einen Tag vorverlegten Bewerb keine unwesentliche Rolle. Im Normalfall ist er nicht der Typ, der zahlreiche Trainingsläufe benötigt, aber: "Nach meiner Vorgeschichte wäre mehr als nur einer nicht schlecht gewesen. Aber ich fühle mich wohl, die Zeiten haben gepasst. Da alles sehr eng beieinander ist, werde ich wohl auch meine Ellbogen brauchen", meinte der 29-Jährige, dem WM-Gold noch fehlt. "Wenn es hier klappen würde, käme das einem Märchen gleich. Ich gehe nach allem, was ich durchgemacht habe, nicht mit der Erwartung hinein, dass ich alles zerreißen werde."
Für die Boardercrosser wird’s am Mittwoch knackig, da sowohl die Pre-Heats als auch das WM-Rennen stattfinden. Neben Hämmerle starten dessen Bruder Luca, Jakob Dusek, Julian Lüftner sowie bei den Damen Pia Zerkhold.
Und wie war das noch mal mit der "zartesten Versuchung"? Hämmerle ist das einzig männliche Testimonial für die lila Schokolade – neben Kalibern wie Doppel-Olympiasiegerin Anna Gasser. "Das Team ist unglaublich nett – und wenn’s dann noch 'Ganze Haselnuss' gibt – was will man mehr?"




