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Olympiasieger Alessandro Hämmerle brach wohl so manch chinesisches Frauenherz

Snowboardcross-Olympiasieger Alessandro Hämmerle startet am Wochenende in die neue Saison. Wie der 29-Jährige tickt, warum ein "Entführungsversuch" aus der Schweiz scheiterte und was ihn aus der Fassung bringt.

Alessandro Hämmerle: Snowboardcross-Olympiasieger, passionierter Surfer und Tierliebhaber
© GEPA (2); KK/Privat (2)
Alessandro Hämmerle: Snowboardcross-Olympiasieger, passionierter Surfer und Tierliebhaber
Denise Maryodnig
Redakteurin Sport

Blitzlicht hier, Handy da – und die Chinesinnen schmolzen reihenweise dahin. Alessandro Hämmerle war nach seiner spektakulären Goldfahrt bei den Olympischen Spielen in Peking das Foto-Objekt schlechthin. So richtig wahrgenommen hat es der smarte Vorarlberger, der – nebenbei gemerkt – glücklich vergeben ist, nicht. „Das war mir gar nicht so bewusst, aber es gibt Schlimmeres“, sagt der 29-Jährige schmunzelnd. Der Hype um seine Person war ihm aber eher unheimlich, da er äußerst ungern im Mittelpunkt steht. „Ich habe versucht, alles zu genießen. Es waren ganz neue Erlebnisse. Für meine Verhältnisse war ich sehr präsent“, erzählt der Vizeweltmeister von 2021.

"Ich fand es amüsant"

Schließlich gönnte er sich eine Belohnung für Gold: Mit seinen Brüdern ging es zum Surf-Urlaub in den Süden. „Das war nach den ganzen Terminen wichtig, um abzuschalten und den Kopf freizubekommen.“ Dass die Schweizer den rot-weiß-roten Goldjungen quasi „stehlen“ wollten, nahm Hämmerle, der im Kanton Thurgau geboren ist und 2002 nach Vorarlberg zog, mit Humor. „Das habe ich zuerst nur am Rande mitbekommen, aber nach und nach wurden mir die Schlagzeilen zugeschickt. Ich fand es amüsant, aber das musste ich gleich klarstellen: Alles, was mit Snowboard zu tun hat, habe ich in Österreich gelernt.“ Der „eidgenössische Entführungsversuch“ war damit zum Glück zum Scheitern verurteilt.

In der Vorbereitung spulte der Paradeathlet aus Bludenz zahlreiche Kilometer auf dem Rad ab, kombiniert mit Kraft-, Ausdauer und Koordinationseinheiten. „Ich habe generell versucht, meine Rücken- und Nackenprobleme, die mich schon länger verfolgen, in den Griff zu bekommen. Das ist uns ganz gut gelungen, wie auch der Aspekt, die körperliche Leistungsfähigkeit hochzuhalten.“

Auf Schnee ist Hämmerle in seinem Element, da kann ihn kaum etwas aus der Fassung bringen. Außerhalb seines „Reviers“ wird man jedoch fündig. „Wenn ich unvorbereitet bin, werde ich unrund. Das versuche ich zu vermeiden, nur klappt das nicht immer.“ Das Kopfkino war nach der Einladung zur „Promi-Sportler-Millionenshow“ dementsprechend absehbar: „Ich dachte mir nur: Und was jetzt? Ich habe gleich die Millionenshow-App getestet und letztlich alles gut überstanden.“

"Es war ein ständiges Feuerlöschen"

Wissen ist am Wochenende weniger gefragt, da greift der dreifache Weltcup-Gesamtsieger in Frankreich ins Weltcup-Geschehen ein. Die Konkurrenz sollte sich warm anziehen, scheint der 1,90-Mann doch auf noch besserem Niveau als vor Olympia zu sein. „Die Phase vor den Spielen war irrsinnig stressig. Ich musste an vielen Baustellen arbeiten, konnte mich kaum aufs Wesentliche konzentrieren. Es war ein ständiges Feuerlöschen, bis das System halbwegs funktioniert hat. Heuer hatte ich Zeit und die nötige Routine, um an gewissen Schrauben zu drehen“, verdeutlicht Hämmerle. Er ist ein Mann, der nach Effizienz strebt, aber nie das Wesentliche aus den Augen verliert.

Als seine größte Baustelle definiert der 14-fache Weltcupsieger die sogenannten „engen Radien bei Kurven. Daran habe ich intensiv gefeilt, da es immer öfter gefragt ist. Wenn etwas nicht so hinhaut wie gewollt, dann steigt meine Motivation noch mehr.“ Mental hat er seinen „Werkzeugkoffer“, inklusive Atemübungen, stets parat, sodass einer erfolgreichen Saison nichts im Weg steht. Die Erwartungshaltung ist von allen Seiten hoch, was ihn keineswegs stört. „Ich kann Druck gut ausblenden und versuche, manche Dinge nicht zu nah an mich heranzulassen. Auch mir wird ab und zu alles zu viel, doch sobald ich den Rennrhythmus gefunden habe, läuft’s.“

Attacke lautet das Motto bei der WM

Mit Olympia-Gold ist „etwas Großes abgehakt, doch ich habe das nie als Ziel festgelegt. Der Sport macht mir riesigen Spaß und solange das andauert, werde ich angreifen.“ Attacke lautet das Motto bei der WM in Georgien (19. Februar bis 5. März). Allerdings konnte er sich mit dem flachen Rennhang bisher nicht anfreunden. „Ich war zweimal im großen Finale, doch die Strecke hat mir nicht getaugt. Sie war langweilig, das hat mich angezipft. Aber wer weiß, was sie für die WM herzaubern. Vielleicht tue ich dem Veranstalter Unrecht, wenn ich vorher zu viel motze“, erklärt „Izzy“, wie er von klein auf genannt wird.

Im Prinzip kann kommen, was will – er wird seiner Devise treu bleiben: „Man muss gewisse Dinge loslassen und sich nicht im Vorfeld alles ausmalen, sonst wird man nur narrisch.“

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