Klimawandel

Das Wetter kommt uns immer teurer

Überflutungen, Hagel, Murenabgänge: Kein Sommer vergeht mehr ohne Unwetterschäden in Millionenhöhe. Und die Kosten steigen immer weiter an. Ein Teil davon geht auf das Konto des Klimawandels.

Auch die Schäden an öffentlicher Infrastruktur, wie hier nach einem Unwetter im Bezirk Hartberg-Fürstenfeld, nehmen zu © BFV Hartberg
 

Noch ist der Sommer nicht zu Ende, doch bereits jetzt gilt er bei der Österreichischen Hagelversicherung als der teuerste jemals aufgezeichnete. Noch nie dagewesene 270 Millionen Euro schüttete die Institution bis Ende August an Österreichs Bauern aus, um wetterbedingte Schäden abzudecken. Vielerorts haben Hagelunwetter, Überschwemmungen und Stürme gewütet; alldem war eine außergewöhnlich frühe Vegetationsphase auf den Feldern vorangegangen, was die Pflanzen für den darauffolgenden Spätfrost verwundbar machte. Schäden in historischem Ausmaß waren die Folge.

Teure Folgen

Nicht nur die Bauern bekamen den Sommer 2016 zu spüren, er hinterließ seine Spuren auch an Häusern, Fahrzeugen und öffentlicher Infrastruktur. Lokale Schwerwetter-Ereignisse, wie es sie prinzipiell immer wieder schon gegeben hat – doch Experten sind sich weitgehend einig: Die derart verursachten Schäden werden zunehmend größer, die Folgen des Wetters immer teurer.

Gewitter werden intensiver

Zum einen hängt das schlicht damit zusammen, dass wir immer mehr besitzen. Teure Hausfassaden, Fotovoltaikanlagen auf den Dächern, wertvolle Autos vor den Haustüren – all das lässt die Schäden heute tendenziell höher ausfallen als einst. „Neuere Studien haben allerdings gezeigt, dass auch die Intensität von Gewittern und die Schwere von Hagelschlägen in verschiedenen Regionen zugenommen haben“, sagt Peter Höppe, Leiter der Risikoforschung beim Rückversicherer Munich Re. Erst heuer haben Grazer Forscher belegt, dass die klimawandelbedingte Erwärmung des Mittelmeeres hierzulande mehr Starkregen bringt.

Schäden steigen stark an

So sind laut einer Aufstellung des „Austrian Climate Research Programme“ die jährlichen Kosten großer Wetter-Extremereignisse in Österreich von durchschnittlich 97 Millionen Euro in den 1980er-Jahren auf 127 Millionen in den 1990ern und schließlich auf 706 Millionen Euro in den 2000ern geklettert. Kein Zufall, wie Gottfried Kirchengast, Leiter des Wegener Centers der Uni Graz, betont. „Durch das Mehr an verfügbarer Wärme gibt es auch ein Mehr an verfügbarer Feuchtigkeit in der Luft. Zudem steigt durch den Klimawandel auch die vorhandene Energie für Auf- und Abwinde“, sagt der Klimaforscher. Die Folge sind lokale Unwetter, die sowohl in ihrer Zahl als auch in ihrer Ausprägung zunehmen. Sie kommen plötzlich, dazwischen erstrecken sich oft lange Hitzephasen ganz ohne Regen.

Mehr Unwetter und Hitze

Für den Südosten Österreichs haben die Grazer Forscher erhoben, dass die sommerlichen Wetter-Extreme heute um den Faktor 5 bis 10 häufiger auftreten als in der Zeit vor 1970. Schwere Unwetter und Hitzewellen, wie sie einst im Schnitt alle 50 Jahre auftraten, gibt es inzwischen also bereits alle 5 bis 10 Jahre. „Auch Tagen mit mehr als 30 Grad begegnen wir rund fünf Mal öfter als vor 1970“, sagt Kirchengast. „Dass da auch Hagelereignisse zunehmen, ist physikalisch nur logisch.“

Bei der Hagelversicherung bestätigt man diesen Trend. „Die Schäden steigen nicht linear, aber die Tendenz geht eindeutig nach oben“, sagt Sprecher Mario Winkler. Erschwerend hinzu komme der Trend zur Bodenversiegelung, der Überschwemmungsereignisse begünstige und die Folgekosten weiter in die Höhe treibe.

Verwundbares Österreich

Genau solche Hochwasserereignisse verursachen weltweit rund zwei Drittel aller Extremwetterschäden, sagt Franz Prettenthaler, Direktor des Zentrums für Klima, Energie und Gesellschaft beim Joanneum Research in Graz. Und die Kosten dürften weiter steigen. Eine eben fertiggestellte Studie der Forschungseinrichtung ergab, dass Österreich bei Hochwasserereignissen nach Tschechien das zweitverwundbarste Land Europas ist – bedingt durch enge Täler und Bauten nahe an Flüssen. „Nach unseren Berechnungen auf Basis der Klima- und Infrastrukturdaten muss Österreich in den nächsten 30 Jahren im Schnitt jährlich 300 bis 900 Millionen Euro für Hochwasserschäden aufwenden, etwa um 50 Prozent mehr als bisher“, sagt Prettenthaler. Für die Zeitspanne 2035 bis 2065 steigt die Summe sogar auf 430 bis 1700 Millionen Euro. In der Steiermark sind laut den Forschern Voitsberg, Graz-Umgebung und Liezen die hochwasseranfälligsten Bezirke.

Nur ein Jahr ohne Katastrophe

Die Landesregierung hat auf diese Bedrohungen bereits nach den verheerenden Muren in Gasen im Jahr 2005 reagiert. Seit damals gibt es einen „Priorität 1“-Topf für Soforthilfe bei großen Naturkatastrophen. „Bislang gab es nur ein Jahr, nämlich 2007, in dem keine Auszahlungen nötig waren“, heißt es beim Katastrophenschutzreferat des Landes. Mehr als 58 Millionen Euro wurden insgesamt für „Priorität 1“-Katastrophen aufgewendet, dazu kommen 67 Millionen für Schäden an Infrastruktur entlang der Flüsse.

Neue Rückhaltebecken

Um diese wachsenden Kosten zu zügeln, investiert das Land jedes Jahr rund 40 Millionen Euro in den Hochwasserschutz, etwa in neue Hochwasser-Rückhaltebecken. „Der Schutzgrad ist heute dadurch deutlich höher als noch vor zehn Jahren“, sagt Johann Wiedner, Leiter der Wasserwirtschaftsabteilung des Landes.

Doch die Kosten wachsen weiter, was auch am weltweit verhaltenen Kampf gegen den Klimawandel liegt. Solange mehr CO2 in die Atmosphäre gelangt, warnen Klimaforscher, steigen auch die Temperaturen mit allen geschilderten Folgen weiter an.

Zwischen 22 Uhr und 8 Uhr ist das Erstellen von Kommentaren nicht möglich.
Danke für Ihr Verständnis.

Hohenwanger
3
3
Lesenswert?

Dass was sie wollen bekommen

sie auch. (Dass viele Haben müssen).
Die Natur kann man austreten sie kommt mit anderen Vorzeichen wieder zurück.
Heute wird Dreck ,Mist, Gestank produziert.
Morgen sind die Ursachen zu bezahlen.
Der Mensch kann nichts dafür, oder doch?

Antworten
sydneysider
6
1
Lesenswert?

Klimalüge

Solange eine Airpower (sinnloses herumfliegen) veranstaltet wird, ist es eine LÜGE.

Antworten
Scaurus
11
13
Lesenswert?

Und

die FPÖ stimmt im Nationalrat natürlich gegen das Klimaabkommen von Paris.

DANKE FPÖ! Sehr zukunftsorientiert. Aber hauptsache, dagegen sein...

Antworten
DeHeGe
3
3
Lesenswert?

Re: Und

Ich reise sehr viel und war schon sehr oft in China, Süd-, Mittel und Nordamerika in ganz Europa und kann eines sagen wenn dass alles wahr ist was man so über den "Klimawandel" sagt, warum ist dann Europa der einzige Kontinent und da nicht einmal alle Länder die etwas ändern wollen? Den Rest der Welt interessiert das nicht. Klimawandel gibt es seit Millionen von Jahren, das ist etwas ganz natürliches und das tolle an den Klimaschutz Maßnahmen ist das die nichts bringen da sie nur einen geringen Prozentsatz ausmachen, Autos z.B.: 0,23%!!!

Es wird wichtig geredet und pseudo Maßnahmen gesetzt und ändern tut es nichts. Alles nur um Verbote und sinnlose Gesetzte zu erfinden um Geld einzuziehen.

Antworten
Scaurus
0
2
Lesenswert?

Jaja, Herr Weltreisender

Du wirst's schon wissen, die 99% der Forscher sind alle doof. Den unten angegebenen Suchtipp von Planck kann ich dir nur ans Herz legen.

Aber wenn dein Motto wortwörtlich "nach mir die Sintflut" ist, sei's dir belassen. Hauptsache dagegen sein...

Antworten
Planck
7
3
Lesenswert?

Und

die Schwesterpatei des Kornblumenvereins, die AfD, hat die "Klimalüge" sogar in ihrem Parteiprogramm festgeschrieben.
Was wiederum Harry Lesch veranlasst hat, sich damit wissenschaftlich aueinanderzusetzen. Was wiederum zu unfassbaren Reaktionen im Netz geführt hat.
Sucheintrag:
>> lesch afd klima <<

Der helle Wahnsinn ... *gg

Antworten

Bei der Erstellung von Kommentaren haben Nutzer rechtliche Bestimmungen (z. B. Privat-, Strafrecht), die Netiquette und Forenregeln einzuhalten. Was wir in diesem Forum nicht dulden: Beschimpfungen, Verspottungen, Belästigungen, Ehrbeleidigungen, Verhetzung, Diskriminierung in jedweder Form, Rassismus, Aufrufe zu Gewalt oder gar Selbstjustiz. Beiträge, die diesen Bestimmungen zuwiderlaufen, werden bei Kenntnis gelöscht, Nutzer im Wiederholungsfall gesperrt. Zudem behalten wir uns die stundenweise oder völlige Schließung von Foren vor. Wir weisen Sie darauf hin, dass wir auch keine Links zu anderen Websites akzeptieren.
Als Nutzer stimmen Sie der Speicherung der von Ihnen angegebenen Daten (Stamm-, Verkehrsdaten, etc.) ausdrücklich zu. Die angegebenen Daten werden an staatliche Stellen (z. B. Polizei, Gericht) bei Untersuchung von vom Nutzer verbreiteten Materialien, oder sonst vorgenommenen ungesetzlichen Aktivitäten, weitergegeben. Weiters werden angegebene Daten (Name und Adresse) an sonstige Dritte bei Verletzung von Rechten oder sofern deren Rechtsverletzung nachvollziehbar behauptet wird (zB gem. § 18 Abs. 4 ECG), weitergegeben. Mit der Erstellung von Kommentaren stimmen Sie dem ausdrücklich zu und verzichten auf die Geltendmachung von jeglichen Ansprüchen. Siehe dazu auch unsere Forenregeln/Betriebsbedingungen in den AGB.