Homo-EheEin Brief an Gerald Grosz

Der frühere Abgeordnete und Obmann des BZÖ lebt in einer eingetragenen Partnerschaft. Er schrieb der Kleinen Zeitung einen Brief. Wir antworten ihm.

 

Lieber Gerald! Wir kennen uns lange und begegnen einander in schöner Regelmäßigkeit auf dem Markt in der Stadt. Mit Ihrem klugen, lieben Partner an Ihrer Seite verstricken wir uns dann meist in feurige Stehdebatten, bis uns die Karottensäcke so drücken, dass wir hastig weiterziehen.

Am Wochenende haben Sie uns einen Text geschickt und ihm hinzugefügt: „Wann springt endlich auch Ihr über den Schatten?“ Die „Krone“ hatte ihn als Leserbrief gebracht. Es ging um die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare. Der Entscheid der Verfassungsrichter hatte den Weg frei gemacht.

Sie haben leidenschaftlich aufgelistet, warum die Gesellschaft allen Grund habe, den Schritt zu bekräftigen: Niemand komme zu Schaden, keine klassische Ehe werde dadurch geschieden oder nicht geschlossen. Kein Ja zum Kind verkümmere zu einem Nein. Nur die Kirche und „verbissene Narren“ würden sich der Einsicht verschließen. Es seien Leute, die „uns immer noch am Galgen“ sähen oder im Zuchthaus. Ihre Argumentation gleiche jenen von Islamisten.

An dieser Stelle kündigte ich dem Text die Gefolgschaft auf. Wo er zuvor um Verständnis warb, kippte er plötzlich ins Haltlose. Selbstverständlich ist es bedrückend, was Homosexuellen an Ächtung und Repression entgegenschlug. Zum Glück ist all das überwunden. Ächtung erfährt, wer öffentlich die Achtung verweigert. Das ethische Postulat ist heute Konsens: Wer sich zu seiner gleichgeschlechtlichen Beziehung bekennt, dem dürfen Absicherung, Würde und Respekt nicht verwehrt werden. Das Rechtsinstitut der eingetragenen Partnerschaft stellt dies sicher.

Aber warum die Gleichsetzung mit der Ehe? Sie können mir jetzt mit dem rhetorischen Galgen drohen, Gerald, aber Ungleiches nicht gleichzusetzen, ist keine Diskriminierung. Wir können nicht mehr mit Unterscheidungen leben. Die Ehe ist nun einmal die einzige Verbindung, aus der neues Leben hervorgehen kann. Dass die Richter die Besonderheit unterschlagen, ist schleierhaft.

Bis dass der Tod sie scheidet: Natürlich ist das hoch gehängt, und dazwischen ist oft viel Kummer. Und Sie haben recht: Familie ist bunt und vielschichtig, da möge der Staat Abstand halten. Aber das kann doch nicht heißen, dass er deswegen ausgerechnet jenes Ideal einebnet und über Bord kippt, das seine eigene Zukunftstauglichkeit berührt. Der Staat darf nicht nur die Ehe privilegieren, er muss es sogar, nimmt er sich und seinen Fortbestand ernst. Er kann doch nicht hergehen und sagen, die Kindfähigkeit als Kategorie ist mir ab sofort egal, ich deute den Begriff um und entkerne ihn. In Frankreich sind sie schon weiter: Da streichen sie gerade die Begriffe Mütter und Väter aus dem Gesetzbuch.

Ist das nicht irre? Wären wir ohne Väter und Mütter, hätten wir uns nie mit den Karottensäcken am Markt getroffen. Wenn alles in einem Meer an Beliebigkeit aufgeht und alles alles sein kann, wird irgendwann alles nichts sein. Wem schadet’s, fragen Sie. Uns allen.

Kommentare (4)

Kommentieren
Bond
1
13
Lesenswert?

Durchsichtige Strategie

Was soll denn sonst in einer Publikation des katholischen Pressvereins stehen?

Antworten
vollcool
4
11
Lesenswert?

Bei aller Ehre...

...hier muss gesagt werden, dass die Ehe eine rechtlich abgesicherte Verbindung zweier Menschen ist. Es ist keine Verbindung zwischen zwei Erwachsenen und einem oder mehreren Kindern.

Dass zwei Gleichgeschlechtliche keine Ehe (=rechtliche Verantwortung füreinander) haben dürfen, zwei verschiedengeschlechtliche Menschen schon, wäre nach meinem Verständnis tatsächlich eine Diskrimminierung, erst recht, wenn es da Ehe hieße und dort "eingetragene Partnerschaft".

Kinder: Kein Ehegelübde - der rechtliche Akt vor dem Standesbeamten nicht, auch nicht das Bekenntnis vor dem Traualtar, bringt Kinder hervor. Kinder entstehen durch den Sexualakt.

Verstehen Sie "Ehe" als offizielle Erlaubnis zum Sexualakt, sprich: zur Kinderzeugung?

Kein Homosexueller trifft eine Entscheidung zur Homosexualität, er ist so gemacht. Die Evolution/Natur/Gott hat die Homosexualität hervorgebracht in einem Verhältnis von vielleicht 3 - 10 % eines Geschlechts und wird sich dabei etwas gedacht haben. D.h., wenn man noch alle anderen Formen berücksichtigt, blieben noch immer mindestens 80 % Heterosexuelle übrig, die Kinder erzeugen können. Die Sexualität ist ein angeborenes Merkmal der Identität.

Dass es dafür den Unterschied der rechtlichen Anerkennung braucht, wie sie meinen, ist bestimmt nicht gottgewollt.

Mit Kinderschutz, Kindererziehung, Kinderrechten usw. hat die Form der rechtlichen Verbindung zweier erwachsener Menschen nichts zu tun.

Antworten
jg4186
13
5
Lesenswert?

Danke!

Danke für diesen Brief, spricht mir aus der Seele.
Es darf keine Diskrimierung gleichgeschlechtlicher Paare geben, nie mehr.
Aber was nicht gleich ist, sollte nicht gleich gemacht werden. In Zeiten, wo Ehe und Familie in einer schwierigen Lage sind, aber immer wichtiger werden, sollte man alles tun, sie zu schützen und stärken. Und das Wort Ehe nur gebrauchen für ein Miteinander von Mann und Frau. Weil zur Ehe Kinder gehören, weil Kinder unsere Zukunft sind. Und für die Kinder, für unsere Zukunft ist das Beste gerade gut genug. Auch wenn viele Ehe scheitern - aber auch Partnerschaften.
Da lobe ich mir die kath. u. ortdod. Kirche, die mit dem Sakrament Ehe da ohnedies klar und deutlich sind und es dieses Sakrament immer nur für mann und Frau geben wird und geben kann.

Antworten
joulrich
2
5
Lesenswert?

KINDER

KINDER sollten das wichtige Thema sein und wie man sie schützt, fördert und deren Eltern unterstützt. Nicht ob die Eltern eine EHE eingegangen sind oder nicht.

Nichtehelichenquote bei erstem Kind der Frau in Österreich 2015 52,7% - bei allen Geburten 2015 in Österreich 42,1%.

Antworten