Pfusch am BauGünther Nussbaum erklärt, was beim Bauen jetzt wichtig ist

Der Bausachverständige Günther Nussbaum über das Bauen in der Pandemie, Ökologie, die sich auch rechnet und Planungsfehler, die man vermeiden kann.

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© (c) Jan Frankl/ATV
 

Die Pandemie hat die Sehnsucht nach schönerem Wohnen verstärkt. Das Baugeschäft boomt, die Handwerker sind ausgebucht. Wie hat sich die Coronakrise aus Ihrer Sicht auf private Bauvorhaben ausgewirkt?
GÜNTHER NUSSBAUM: Die Planungszeit bei den meisten Bauvorhaben beträgt ein bis drei Jahre, die Bauwirtschaft war von Corona auch nicht so stark betroffen – mit Ausnahme erkrankter Mitarbeiter und teilweise nicht möglicher Grenzübertritte. Mit etwas Sarkasmus könnte man sagen, dass Mitarbeiter aus dem Osten nicht so gut über die Grenze konnten, was eine Erklärung dafür sein könnte, dass der Pfusch, zumindest zahlenmäßig, etwas zurückgegangen ist. Aber ja, Baustellen haben sich verzögert, meist mit der Ausrede, dass Mitarbeiter erkrankt sind, was wohl oft nicht gestimmt hat. Der sogenannte Boom hat nämlich dazu geführt, dass von den Firmen wegen der Anzahlungen öfter gleich mehrere Baustellen angefangen wurden.

Nachhaltigkeit und Ökologie sind die großen Bauthemen der Zukunft? Beeinflusst das die Menschen auch bei der Auswahl der Baustoffe?
Aktuell geht es beim Bauen stark um das Thema Geldanlage. Die Hauptsache ist, dass das Geld in reale Werte umgewandelt wird. Der Anspruch an die Gebäude ist dabei: Sie müssen energieautark und hochwertig sein. Weil bei einer Inflation auch Reparaturen und Energiekosten massiv teurer werden. Ich rate aber dazu, kühlen Kopf zu bewahren. Die Preise werden sich erholen, wenn auch auf einem höheren Niveau als vor der Krise.

Zur Person

Günther Nussbaum bekannt durch die ATV-Serie „Pfusch am Bau“, ist freier, unabhängiger und zertifizierter Bausachverständiger.
www.bauherrenhilfe.at
Buchtipp: „(K)Ein Pfusch am Bau“, von Günther Nussbaum, 3. Auflage, Linde-Verlag, 29,90 Euro. 480 Seiten voller praktischer Tipps für Hausbauer.


Ein neues Haus sollte möglichst den Passivhausstandard erfüllen, oder ist das zu hoch gegriffen?
Wir bauen heute schon nahezu im Passivhausstandard, nur ist der Begriff nicht mehr modern. Aber ja! Energieautark zu sein, bringt die maximale Sicherheit in etwaigen zukünftigen Krisen.

Dämmen ist das große Thema bei Sanierungen. Dabei kommt hauptsächlich Styropor zum Einsatz. Welche Chance geben Sie den Alternativen?
Styropor ist billig, ökologische Dämmalternativen können da nicht mithalten. Das ist traurig, aber die Realität. Es gibt gute Argumente für ökologische Dämmstoffe, aber das alles muss man sich leisten wollen. Ich sehe in der künftigen Entsorgung aber kein großes Problem, es gibt da gute Ansätze. Außerdem werden dünne Styroporfassaden sowieso meistens mit einer dickeren überarbeitet. Warum also entsorgen?

Beim Dämmen geht es auch und immer mehr um den Hitzeschutz im Sommer. Gleichzeitig sind riesige Fensterflächen gewünscht. Wie lautet Ihr Rat?
Weg von der kubischen Architektur! Dachvorsprünge wirken wie ein konstruktiver Sonnenschutz und vertragen sich perfekt mit großen Fensterflächen. Vermeiden Sie außerdem dunkle Farben bei Fenstern und Sonnenschutzelementen – diese bringen gleich einmal rund 20 Grad Celsius mehr auf die Oberflächen, und ein Scheibenbruch ist durch die ungleiche Hitze dunkler Rollläden gar nicht so selten.

Wer nach einem passenden Heizsystem für sein neues Haus sucht, kommt am Thema Wärmepumpe kaum herum. Wie sehen Sie diese Entwicklung?
Ich gehe einen Schritt weiter: also besser dämmen und klüger bauen und in der Folge Fotovoltaikanlagen mit Stromspeicher und Infrarotheizungen kombinieren. Für das Brauchwasser eine kleine Wärmepumpe. So wenig Technik wie möglich!

Wenn etwas jetzt noch nicht leistbar ist, aber ein großer Wunsch für später – von Pool oder Sauna bis zur Fotovoltaikanlage –, was sollte man bei seinem Haus unbedingt gleich mitplanen?
Pool und Sauna sind Fragen persönlicher Bedürfnisse, eine Fotovoltaikanlage gehört aber in das Grundkonzept jedes Hauses hinein und sollte daher gleich mitgebaut werden. Eine spätere Montage kostet unnötig Geld.

Bauunternehmen gehen gelegentlich auch in Konkurs. Was zählt bei der Auswahl einer geeigneten Baufirma?
Dieser Frage widme ich in meinem Buch ein ganzes Kapitel. Aber kurz zusammengefasst: Bonität, Referenzen, Gewerbescheine und Baubegleitung!

Was bewahrt einen am ehesten vor groben Baumängeln?
Ein Experte, der in der Planungs- und Bauphase das Bauvorhaben begleitet.

Keller ja oder nein? Dazu gibt es bei der Bauplanung auch hitzige Debatten. Haben Sie eine Entscheidungshilfe?
Das hängt von den Bebauungsbestimmungen und vom Baugrund ab. Wenn der Boden tragfähig ist und ich in die „Breite bauen“ kann, dann: „Keller nein“. Ein Keller ist immer ein minderwertigerer Raum im Vergleich zu oberirdischer Bauweisen. Aber oftmals hat er auch Sinn: zum Beispiel, wenn der Bauplatz zu klein ist oder Streifenfundamente aufgrund eines schlechten Bodens sowieso in die Tiefe gehen müssen.

Last but not least das Thema Eigenleistung beim Bauen: Kann man damit nennenswert sparen?
Ich rate davon ab, ausgenommen Hilfsleistungen, wenn die Sicherheit und der Anbieter es zulassen.


Kommentare (2)
voit60
9
11
Lesenswert?

Hat der selber auch schon gebaut

Wäre interessant, wie die ausschauen.

voit60
1
2
Lesenswert?

Was ist an der Frage

zu kritisieren?