Im Test6 von 13 Blumenerden sind "nicht zufriedenstellend"

In den Blumenerden stellte man teiweise Salmonellen oder Kolibakterien fest. Außerdem ist der Begriff "Bio" auf der Verpackung kein Garant für Torffreiheit. Worauf Gärtner beim Kauf achten sollten.

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Gardener planting flowers in soil at back yard
Vier Produkte waren "sehr gut", sechs - darunter drei Bio - fielen durch, je eines war "gut", "durchschnittlich" und "weniger zufriedenstellend". © (c) oksix - stock.adobe.com
 

Ob im Garten, auf dem Balkon oder der Terrasse, zum Garteln braucht man Erde. Die Arbeiterkammer (AK) Oberösterreich hat 13 Blumenerden - Eigenmarken von Supermärkten, Gartencenter und eines Baumarktes - getestet und kam zu dem Schluss, dass Bio hier keinen Mehrwert bringt. Vier Produkte waren "sehr gut", sechs - darunter drei Bio - fielen durch, je eines war "gut", "durchschnittlich" und "weniger zufriedenstellend".

Der Test ist hier abrufbar

Testsieger: Torffreie Erde vom Diskonter

Der Konsumentenschutz der AK OÖ beauftragte die Umweltberatung Wien mit einem Wachstumstest und die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) mit der Prüfung auf die verfügbaren Nährstoffe, Schwermetalle, krankheitserregenden Keime und den Anteil von unerwünschten Fremdstoffen. Testsieger wurde die torffreie Blumenerde eines Diskonters um 80 Cent pro zehn Liter. Die Preise gingen von 60 Cent bis 3,49 Euro für einen Zehn-Liter-Sack.

Salmonellen und Kolibakterien gefunden

Am schlechtesten schnitt ein Produkt aus einem Gartencenter ab, in dem Salmonellen gefunden wurden. Diese können bei Menschen und Tieren Krankheiten verursachen, weshalb sie gemäß der europäischen Düngemittelverordnung in Blumenerden auch nicht enthalten sein dürfen, obwohl Salmonella-Bakterien nicht in die Pflanzen übergehen, berichtete die AK.

Foto © (c) 994yellow - stock.adobe.com
Weitere vier Erden fielen wegen erheblicher Hygienemängel durch. Sie enthielten teilweise extrem hohe Konzentrationen von Kolibakterien, die auf eine mögliche Verunreinigung mit Fäkalien hindeuten. Ein Produkt wurde wegen des zu hohen Blei-Gehalts mit "nicht zufriedenstellend" bewertet. Zwei Erden enthielten mehr Kunststoff- und Metallteile als erlaubt.

"Bio" ist kein Garant für Torffreiheit

Die Konsumentenschützer raten, beim Kauf darauf zu achten, dass die Blumenerde torffrei ist. Denn bei der Herstellung von Torferde werden wertvolle Moorlandschaften zerstört und große Mengen Treibhausgase freigesetzt.

Die Bezeichnung als "Bio" sei kein Garant für Torffreiheit, weil das nicht gesetzlich geregelt sei. Manche Bio-Erden verwendeten die Bezeichnung "torfreduziert". Das Österreichische Umweltzeichen oder die Gütezeichen "biologisch gärtnern" und "Natur im Garten" würden ein torffreies Garteln garantieren.

Auf alle Fälle empfahl die AK, immer Handschuhe zu tragen, um vor dem Gesundheitsrisiko durch Salmonellen und Hygienemängel geschützt zu sein.

Tipps für nachhaltiges Gärtnern

  1. Vielfalt säen und pflanzen.
    Alles beginnt mit der Auswahl des Saatguts, wenn man sich ein Naturparadies schaffen möchte. Biologisch zertifiziertes Saatgut stammt von gentechnikfreien Pflanzen, die ohne chemische Schutzmittel behandelt wurden. Hier sollte man auf die Kennzeichnung AT-BIO-0000 oder DE-ÖKO-0000 achten – anderes konventionelles Saatgut wird mit Spritzmitteln, die für Bienen gefährlich sein können, behandelt. Außerdem sollten verschiedene und alte Sorten angebaut werden, um die Vielfalt zu erhalten. Einheimische Pflanzen sind weniger anfällig für Schädlinge, an das Klima angepasst und eine Futterquelle für Tiere. Bei Vögeln sind Wildsträucher wie der Schwarze Holunder, Rote Hartriegel oder Weißdorn beliebte Futterpflanzen. Außerdem sollten früh und spät blühende Sorten gemischt werden, damit Insekten wie Wildbienen über das Jahr verteilt ausreichend Nahrung finden. Einheitliche Thujen-Hecken haben für die Tierwelt keinen Nutzen, weil sie weder eine Futterquelle noch einen Unterschlupf bieten. Ähnlich verhält es sich mit der allseits beliebten Forsythie, die zwar kräftig gelb leuchtet, deren Blüten aber weder Pollen noch Nektar erzeugen und für Bienen daher keine Nahrung darstellen.
    Foto © S.H.exclusiv - stock.adobe.com
  2. Torffreie Erden verwenden.
    Torf entsteht in Mooren aus abgestorbenen Pflanzenresten. Durch den Luftabschluss werden diese Pflanzen in Torf umgewandelt, jedoch dauert der Prozess Hunderte von Jahren. Für den Torf-A bbau werden sensible Moorlandschaften zerstört, wodurch auch Lebensräume für seltene Pflanzen und Tiere wie die Hochmoor-Mosaikjungfer, eine Libellenart, unwiderruflich verloren gehen. Außerdem speichern Moore enorme Mengen an CO2, das durch die Zerstörung wieder freigesetzt wird und somit zur klimaschädlichen Erderwärmung beiträgt. Wer die Artenvielfalt und die Umwelt schützen möchte, sollte daher torffreie Erden im Garten verwenden. Beim Kauf der Erden ist genau hinzusehen, damit man nicht auf Bezeichnungen wie „torfarm“ oder „torfreduziert“ hineinfällt. Auch sogenannte „Bio-Erden“ können Torf enthalten. Erden, die mit dem Österreichischen Umweltzeichen gekennzeichnet sind, verzichten vollständig auf Torf und versorgen die Böden mit allen notwendigen Nährstoffen.
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  3. Ohne Chemie düngen.
    Damit sich viele verschiedene Tiere und Pflanzen im Garten tummeln, ist das oberste Gebot, auf Pestizide und chemisch-synthetische Dünger zu verzichten. Darüber hinaus ist die Herstellung von Kunstdüngern energieintensiv und deren Inhaltsstoffe gelangen in das Grundwasser. Wer mit ökologischem Gewissen düngt, teilt sich das eigene Gartenparadies mit bis zu 1000 verschiedenen Tierarten – von scheuen Igeln bis zu summenden Bienen und vielen anderen Insekten. Denn naturnahes Gärtnern setzt auf ein harmonisches Miteinander aller Lebewesen. Nachhaltige Pflanzenpflege-Produkte mit dem Österreichischen Umweltzeichen fördern dieses Gleichgewicht, weil sie auf organischer Basis hergestellt sind und zum Beispiel Mikroorganismen oder Nützlinge enthalten.
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  4. Wiesen aufblühen lassen.
    In Hinblick auf die Pflanzen- und Tiervielfalt ist es in streng gepflegten Gärten mit akribisch kurz gemähtem Rasen oft eintönig. Damit im Naturparadies keine Langeweile aufkommt, kann an einem freien Plätzchen eine Wildblumenwiese angelegt werden: Diese ist ein ideales Versteck für Raupen oder Käfer und für viele Tiere eine Nahrungsquelle, wie zum Beispiel für den Girlitz – eine Vogelart, die durch den Mangel an Wildkräutersamen immer seltener wird. Der zarte Blütenduft zieht zudem Bienen und Schmetterlinge an. Hobbygärtnerinnen und ‑gärtner ohne grünen Daumen haben es mit einer Blumenwiese leicht, da diese nur zwei Mal im Jahr gemäht werden muss – und das idealerweise mit einer Sense, damit man den dort hausenden Tieren keinen Schaden zufügt. Ein Teil der Wiese bleibt am besten das ganze Jahr über stehen, denn manche Tierchen überwintern in den Stängeln der Pflanzen. Der übrige Rasen sollte mindestens vier Zentimeter hoch sein: Nicht nur aus Rücksicht auf seine tierischen Bewohner, sondern auch um Unkraut bzw. Beikraut auf natürliche Weise zu vermeiden. Denn 90 Prozent der Beikräuter keimen durch das Sonnenlicht, weil der zu niedrig gemähte Rasen dem Boden nicht ausreichend Schatten spenden kann.

  5. Nistplätze schaffen.
    Viele Tierarten finden in konventionellen Gärten zu wenige Verstecke, in die sie sich zurückziehen können. Wer das Summen von Wildbienen, Wespen und anderen Insekten vermisst und ihnen einen sicheren Unterschlupf bieten möchte, sollte dafür eine Vielzahl von Strukturen schaffen. Für die meisten Wildbienen sind lehmige oder sandige Bodenbereiche bedeutend, aber auch ein alter Holzstamm kann zum Wohnraum werden. Eine weitere Möglichkeit zur Unterstützung von krabbelnden und fliegenden Tierchen stellen Insektenhotels dar. Das Haus sollte an einer sonnigen und regengeschützten Stelle in etwa einem Meter Höhe aufgestellt oder aufgehängt werden, zum Beispiel an der Garagen- oder Hausmauer. Bambusröhrchen, Tonziegel und Pflanzenstängel in einem Holzrahmen sind geeignete Nisthilfen für Wildbienen. Es kann jedoch bis zu zwei Jahre dauern, bis die ersten Bewohner in ihr Quartier einziehen. Die fliegenden Gäste sollten in jedem Garten willkommen sein, weil sie die Blüten vieler Pflanzenarten bestäuben und Schädlinge wie Blattläuse oder Spinnmilben fressen.
    Foto © mirkograul - stock.adobe.com

Kommentare (2)
makhe
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Eine Veröffentlichung

Der Produkte wäre zum Wohle der Allgemeinheit wohl unumgänglich, auch wenn es rechtlich vielleicht nicht ganz problemlos sein wird. Wie kommt der Konsument dazu nachweislich gesundheitsgefährdende Produkte angeboten zu bekommen. Da krankt es wohl in unserem System, oder?

Gotti1958
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Einfach dem Link zur AK Oberösterreich folgen, da sind die Ergebnisse zum Download.