Spekuliert wurde bereits seit Monaten, spätestens aber seit einer Aufsichtsratssitzung kurz vor Weihnachten 2019. Damals ließ die Raiffeisenlandesbank (RLB), ohne genauer ins Detail zu gehen, u. a. wissen, „Umstrukturierungsmaßnahmen zu prüfen, mit dem Ziel, diese zeitnah umzusetzen“. Dass es dabei auch um die Zukunft der steirischen Landeshypo ging, wurde zwar nicht offiziell bestätigt, im Hintergrund aber auch nicht dementiert. Am Donnerstag tagte abermals der Aufsichtsrat. „Diese Maßnahmen starten nun mit dem vorliegenden Grundsatzbeschluss, die Schritt für Schritt umgesetzt werden“, ließ RLB-Aufsichtsratspräsident Wilfried Thoma im Anschluss an die Sitzung wissen. Abgesegnet wurde die endgültige Verschmelzung von RLB und Hypo Steiermark. Sie soll im Laufe des Jahres 2021 über die Bühne gehen. Die Marke Hypo, am 17. Juli 1930 als „Landes-Hypothekenanstalt“ gegründet, wird dann in der Steiermark Geschichte sein.

Die RLB ist bereits seit 1998 an Bord, damals wurden 49 Prozent der Anteile vom Land Steiermark übernommen, 2002 reduzierte das Land schließlich auf 25 Prozent plus eine Aktie und seit März 2019 ist die RLB 100-prozentiger Eigentümer.

Bis zum tatsächlichen Fusionszeitpunkt im nächsten Jahr ergeben sich für Hypo-Kunden „keinerlei Änderungen, alle Bankgeschäfte und Verträge laufen wie gewohnt“, wird betont. In weiterer Folge sollen die Hypo-Kunden „umfassend begleitet werden und können nach der Umstellung vom erweiterten Netzwerk und Serviceangebot von Raiffeisen profitieren“.

In einem gemeinsamen Statement betonen RLB-Generaldirektor Martin Schaller und sein Hypo-Pendant Martin Gölles, dass beide Institute aus „der Position der Stärke“ heraus agieren, „alle Kundinnen und Kunden werden von den gemeinsamen Entwicklungen profitieren“. Auch die vertrauten Berater seien weiterhin für ihre Kunden da, so Gölles. „Es ist ausreichend Zeit, um alle Schritte wohlüberlegt zu setzen, und wir werden unsere Kunden informieren und begleiten.“

"Bleiben zu 100 Prozent steirische Bank"

Als Hauptgrund für die nun erfolgte Weichenstellung führt Schaller an: „Wir haben das Umfeld eingehend analysiert und gehen davon aus, dass die Herausforderungen in den Bereichen Markt, Digitalisierung, Kundenverhalten und Regulatorik mittelfristig deutlich steigen werden.“ Mit dem Schritt sichere man langfristig „die regionale Präsenz mit persönlicher Beratung vor Ort sowie wettbewerbsfähige und innovative Produkte. Für unsere Kunden bleiben wir die zu 100 Prozent steirische Bank.“ Mit einem Mitarbeiterabbau soll die Fusion nicht einhergehen, die Beratung in Bankstellen sei – neben der weiteren Forcierung des Digitalangebots – essenziell. In vielen Bereichen, u. a. dem Zahlungsverkehr, bei Produkteinheiten, Organisation, IT, Vertriebssteuerung, Finanzen, Personal, Innenrevision und Recht, arbeite man ohnehin schon zusammen. Nur die Markteinheiten und Bankstellen werden bislang getrennt geführt.

Wie geht es mit den Hypo-Standorten nach der Fusion weiter? Raiffeisen wolle weiterhin die höchste Bankstellendichte in der Steiermark aufrechterhalten, so RLB-Sprecher Johannes Derler. Es sei aber noch zu früh, über einzelne Standorte zu entscheiden, das gelte überdies auch für die Hypo-Zentrale in der Grazer Radetzkystraße. Das Hypo-Management um Gölles und Bernhard Türk bleibe bis zur tatsächlichen Fusion ebenfalls unberührt vom nunmehr erfolgten Grundsatzbeschluss, „alles weitere wird man sehen“.