Coronavirus Apple kappt wegen Epidemie in China Umsatzprognose

Die Krise rund um den Coronavirus hinterlässt immer tiefere Spuren in der Weltwirtschaft. Der iPhone-Hersteller Apple ist der erste weltweit führende Großkonzern der wegen der Epidemie seine Geschäftsziele kappt.

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Apple kappt wegen Coronavirus Geschäftsziele © AP
 

Die Coronavirus-Krise hinterlässt immer tiefere Spuren in der Wirtschaft. Mit dem iPhone-Hersteller Apple kappt erstmals ein weltweit führender Großkonzern seine Geschäftsziele wegen der Epidemie in China. An den Börsen schürte das weltweit große Sorgen. In Südkorea kündigte Präsident Moon Jae-in am Dienstag Konjunkturhilfen an. Die Wirtschaft des Landes befinde sich in einer Notsituation, sagte er.

Singapur legte ein milliardenschweres Hilfsprogramm auf. Frankreichs Gesundheitsminister Olivier Veran warnte, es bestehe die ernstzunehmende Gefahr, dass sich die Ausbreitung des Virus zu einer weltweiten Pandemie entwickle.

Weniger als 2000 Neuinfektionen pro Tag

In China blieb die Zahl der Neuinfektionen nach offiziellen Angaben erstmals seit Jänner unter die Schwelle von 2000 pro Tag. Auf dem Festland wurden 1886 zusätzliche Fälle bestätigt, damit liegt die Zahl der Infektionen bei 72.436. Weitere 98 Menschen starben an der Viruserkrankung, die Zahl der Todesfälle stieg damit auf 1868. Darunter ist auch der Leiter eines Krankenhauses in der Provinzhauptstadt Wuhan, die als Ausgangspunkt des Virus gilt. In der Klinik werden ausschließlich infizierte Patienten behandelt.

Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, sagte, man könne noch nicht vorhersagen ob sich der Rückgang der Neuinfektionen fortsetze. "Noch sind alle Szenarien möglich."

Apple: Fabriken in China

Die Sorgen vor den Folgen der Epidemie erfassen auch immer stärker die Wirtschaftswelt, nun auch den US-Technologieriesen Apple. Der Konzern geht nicht mehr davon aus, seine erst vor drei Wochen vorgelegten Umsatzziele für das laufende Quartal zu erreichen. Die Fabriken in der Volksrepublik hätten ihre Arbeit zwar wieder aufgenommen, könnten die Produktion aber nicht so schnell hochfahren wie geplant. Die Verfügbarkeit von iPhones werde daher weltweit "vorübergehend eingeschränkt" sein. Auch einige Apple-Geschäfte sind noch geschlossen, andere Läden des Konzerns haben die Öffnungszeiten eingeschränkt.

Nachfrage dürfte um die Hälfte einbrechen

Analysten gehen davon aus, dass die Nachfrage nach Smartphones in China - dem weltweit größten Handy-Markt - im ersten Quartal um die Hälfte einbrechen dürfte. Von den Problemen bei Apple dürfte der südkoreanische Rivale Samsung profitieren, der weniger abhängig vom chinesischen Markt ist und dem nun zugutekommen könnte, dass er rund die Hälfte seiner Mobiltelefone in Vietnam herstellt.

Der chinesische Handy-Hersteller Huawei hat zwar bisher noch keine Produktionsprobleme gemeldet, Experten erwarten aber, dass der Konzern wegen seiner hohen Abhängigkeit von der Fertigung in China und heimischen Bauteilen ebenfalls stark betroffen sein wird. Die Aktien von Unternehmen aus der Technologie-Branche gingen weltweit auf Talfahrt.

Aufruf der Wirtschaftsprüfer

In Großbritannien rief die Branchenaufsicht der Wirtschaftsprüfer Unternehmen dazu auf, ihren Investoren mitzuteilen, welche Auswirkungen das Virus auf ihr Geschäft habe. "Wir ermutigen Unternehmen, sorgfältig zu prüfen, welche Angaben sie möglicherweise in ihren Jahresabschluss im Zusammenhang mit diesen Ereignissen aufnehmen müssen."

Autobauer betroffen

China hat im Kampf gegen eine Ausbreitung des Virus rigorose Maßnahmen ergriffen. So mussten viele Firmen ihre Tore wegen der Epidemie vorerst schließen und konnten die Produktion nur langsam wieder aufnehmen. Autobauer wie FiatChrysler, Hyundai und General Motors stellen sich deshalb darauf ein, dass ihre Produktion davon beeinträchtigt sein könnte. Wegen der Epidemie wurden mehr als zwei Dutzend Messen und Branchenkonferenzen wie die Automesse in Peking und weltgrößte Mobilfunkmesse MWC in Barcelona abgesagt, wodurch möglicherweise Geschäfte in Milliardenhöhe entfallen.

Ruf nach Konjunkturhilfen in Asien

In Asien wurden Rufe nach staatlichen Konjunkturhilfen lauter. Südkoreas Präsident machte sich bei einer Kabinettssitzung dafür stark: Alle Möglichkeiten müssten erwogen werden. Singapur legte ein milliardenschweres Hilfspaket zur Bekämpfung der Coronavirus-Epidemie auf. Umgerechnet 3,7 Milliarden Euro will die Regierung einsetzen, um Folgen für den Arbeitsmarkt und die Lebenshaltungskosten abzufedern. Weitere 530 Millionen Euro sollen in den Gesundheitssektor fließen. Auch Hongkong erhöht die Hilfsmittel, um die Folgen der Epidemie auf die Wirtschaft abzufedern. Die Fluggesellschaft Singapur Airlines will wegen rückläufiger Nachfrage nach Flügen über den wichtigen asiatischen Verkehrsknotenpunkt noch bis Mai Flüge streichen.

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