Erst 28 Jahre jung, geht Birgit Raith das Thema Ausbildung im Gespräch bereits routiniert an. Als sie vor zehn Jahren selbst lernte, sei die Ausbildung noch „Männerdomäne gewesen“. Heute ändere sich das Bild, es gäbe „immer mehr Ausbildnerinnen“. Auch Raith, gelernte Elektromaschinentechnikern, zählt dazu, ist sie bei Siemens Energy in Weiz doch Lehrlingsbeauftragte im Schaltschrankbau. Gesucht werden Mechatronikerinnen ebenso wie Anlagentechnikerinnen oder Energietechnikerinnen.

Was das Attraktive am beruflichen Seitenwechsel ist? „Es ist spannend, mit den Ansichten der Jungen konfrontiert zu sein. Zu wissen, wie sie denken, was sie gerne haben“, erzählt Raith, die im Umgang mit Lehrlingen auf betont flache Hierarchien setzt. „Wir sind sofort immer per Du“, sagt die Hobbybäurin, die mit dem Instagram-Account „Höllisch guat“ zeigen will, wie moderne und ressourcenschonende Landwirtschaft gelingen kann.

Birgit Raith: "Es ist spannend, mit den Ansichten der Jungen konfrontiert zu sein. Zu wissen, wie sie denken."
Birgit Raith: "Es ist spannend, mit den Ansichten der Jungen konfrontiert zu sein. Zu wissen, wie sie denken."
© Jürgen Fuchs

Warum sich Lehrlinge für eine Ausbildung bei Siemens Energy entscheiden sollten? „Es stehen ihnen alle Möglichkeiten offen“, sagt Raith schnell. Egal ob es um „Lehre mit Matura in der Arbeitszeit“ gehe oder die Möglichkeit „andere Bildungsinhalte wie Stapler- und Krankurse“ aufzuschnappen. Nicht zuletzt könne man schon „als Lehrling die Welt sehen“, schildert Birgit Raith. Immerhin würden sich Weizer Transformatoren in Kraftwerken, Umspannwerken oder wegen der Energiewende vermehrt im On- und Offshore-Anlagen in den USA ebenso finden wie in Europa, Südostasien und Südafrika.

Orts- und Branchenwechsel. 2012 wurde Verena Repolusk an dieser Stelle noch als Lehrling des Pharmaunternehmens Gerot Lannach porträtiert, heute steht sie als Ausbildnerin Rede und Antwort. Ein Seitenwechsel, den die gelernte Chemielabortechnikerin auch anderen ans Herz legen will. Wie das Zusammenleben in einer „kleinen Familie“ fühle sich der Austausch mit den Lehrlingen an. Diese unterscheiden sich nicht nur des Alters wegen – die Jüngste ist 16 Jahre, der Älteste 50 –, sondern auch ob ihrer Ausbildungsschwerpunkte.

Verena Repolusk: "Es fühlt sich wie das Leben in einer kleinen Familie an."
Verena Repolusk: "Es fühlt sich wie das Leben in einer kleinen Familie an."
© KLZ / Lea Blagojevic

Jedenfalls, so erzählt Repolusk, ist das Feld der Chemielabortechniker vielseitig. In Lannach seien die Lehrlinge bei Gerot „von Anfang an voll integriert“. Ein Faktor, der dazu führe, dass nach Ende der Lehre „die meisten Lehrlinge im Betrieb bleiben“, erzählt Repolusk. Was der Pharmaprofi Lehrlingen während der Ausbildung bietet? „Lehre mit Matura ist möglich“, sagt die junge Ausbildnerin schnell. Außerdem gäbe es „Prämien für brave Berufsschüler“, viele Weiterbildungsmöglichkeiten und einen „recht hohen Lohn“.

Geschichte und Gegenwart

Die Seiten gewechselt hat auch Harald Quinz. Seit bereits 30 Jahren arbeitet der heute 46-Jährige beim Verpackungsspezialisten Mondi im obersteirischen Zeltweg. Mittlerweile bildet er selbst Lehrlinge aus. Was daran besonders spannend sei? „Die Lehrlinge lernen von mir und ich lerne von den Jungen. Jeden Tag. Das haltet selbst jung“, lacht Quinz auf.

Der Industriebetrieb Mondi gilt als einer der größten Arbeitgeber in der Region, Lehrlinge werden zurzeit zu Metalltechnikerinnen, Mechatronikerinnen und Elektrotechnikerinnen ausgebildet. Harald Quinz lernte noch als „Maschinenschlosser“, wie er sich schmunzelnd an die beruflichen Anfangszeiten erinnert. Auch abseits der Begrifflichkeit habe sich in der Ausbildung freilich „viel verändert“, erzählt Quinz. „Wir legen heute großen Wert auf Digitalisierung in der Produktion“, sagt der Obersteirer. Vieles, was früher manuell erledigt wurde, „machen heute Computer“.

Harald Quinz: "Die Lehrlinge lernen von mir und ich lerne von den Jungen. Das hält selbst jung."
Harald Quinz: "Die Lehrlinge lernen von mir und ich lerne von den Jungen. Das hält selbst jung."
© KLZ / Gasser

Bei Mondi schaffe vor allem das Zusammenspiel aus Geschichte und Gegenwart für Lehrlinge attraktive Perspektiven, schildert Quinz: „Ein Standort, den es seit über 100 Jahren gibt, trifft auf ein mittlerweile hochmodernes Arbeitsumfeld“. Außerdem stelle man nicht zuletzt Produkte her, die von „Millionen Menschen“ tagtäglich genutzt werden.
„Papier, wann immer möglich, und Kunststoff, wenn sinnvoll“, dient als Leitspruch, das Portfolio des steirischen Betriebs ist breit aufgespannt.

Aus bis zu 18 Schichten bestehen etwa jene komplexen Mehrschichtfolien, die hauptsächlich bei Lebensmittelverpackungen eingesetzt werden. Auch pharmazeutische Verpackungen zählen zum Spezialgebiet des Konzerns. Zudem forscht und entwickelt man in Zeltweg seit geraumer Zeit an recycelfähigen, nachhaltigen Verpackungslösungen.