Andrea R. besitzt kein eigenes Auto, doch im Urlaub hat sie gern einen fahrbaren Untersatz. Die bis dato bewährte Lösung – ein Mietauto. 2020 berappte sie für zehn Tage im August für ein Auto der Kompaktklasse 356,81 Euro, ohne Extras, ohne „Auslandsupgrade“. Damit kommt Andrea R. heuer nicht mehr weit. Das gleiche Auto im selben Zeitraum würde fast 992 Euro kosten. Ein Extrembeispiel, aber kein Einzelschicksal.

Die Plattform Billiger-Mietwagen.de rechnet vor, dass die Preise für Leihautos in Österreich seit 2019 im Schnitt um 54 Prozent gestiegen sind, in anderen Urlaubsländern ging es – prozentuell – noch stärker hinauf. In Spanien etwa um 155 Prozent, in Portugal um 100 Prozent, in Griechenland um 80, in Frankreich um 74 und in Italien um 64 Prozent.

Österreich im Vergleich teurer

Absolut betrachtet ist Österreich im Vergleich ein teureres Land für Autoleiher. 58 Euro im Schnitt für ein Mietauto pro Tag - damit liegt man preislich über Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien. Der wichtigste Grund dafür ist eine starke Nachfrage bei aktuell sehr knappem Angebot, erläutert Udo Rienhoff, Sprecher des Verbandes der Autoverleiher und Geschäftsführer von Hertz Österreich – neben Sixt, Europcar und Avis einer der großen Verleiher auf dem Markt.

Der Anstieg der Preise zeichnete sich schon im Vorjahr ab, heuer schlägt er voll durch. „Es sind nicht genug Fahrzeuge auf dem Markt“, sagt Rienhoff – und holt aus, um die Lage zu erklären. „In den Coronajahren ging die Nachfrage um 80 Prozent zurück, in der Zeit haben die Verleiher den Fuhrpark verringert und weniger Neufahrzeuge bestellt.“ Üblicherweise bleiben die Autos nicht allzu lange in einem Leih-Fuhrpark, „im Schnitt sechs Monate, dann werden sie getauscht“, so Rienhoff. „Jetzt behalten wir sie aber länger.“ Denn die Situation hat sich völlig gedreht.

Erst die Chipkrise, dann der Krieg

Erst kam die weltweite Chipkrise, dann auch der Krieg in der Ukraine. Beides führt dazu, dass weniger Autos produziert werden, weil Teile fehlen, Produktionen teilweise sogar ganz ruhen müssen. Autokäufer warten mitunter – wie berichtet – monatelang auf Fahrzeuge.
„Auch wir“, sagt Rienhoff. „Ein Fünftel bis zu einem Drittel der Mietwagen, die wir im Budget haben, fehlen.“

Indes nehmen aber sowohl geschäftliche wie private Reisen wieder an Fahrt auf. Dazu kommt, dass der Automangel das Mietgeschäft anschiebt, Autos teurer wurden – und der Trend zum Leihen statt Besitzen die Nachfrage weiter befeuert. Die Verleiher könnten mehr Umsatz machen, hätten sie mehr Autos, so Rienhoff: „Aber für unsere Kosten machen wir zu wenig Umsatz, daher die Preise.“ Nur die Spritkosten sprechen gegen das Geschäft.

Gute Geschäfte

US-Vermieter Hertz war im Mai 2020 im ersten Corona-Lockdown insolvent geworden. Den Zahlen nach geht es den Unternehmen wieder sehr gut. Der deutsche Verleiher Sixt, Marktführer in Österreich, steigerte den Umsatz im ersten Quartal konzernweit von 330 Millionen (2021) auf 580 Millionen, das Ergebnis vor Steuern beträgt mindestens 80 Millionen Euro. Das vergangene Jahr schloss Sixt sogar mit dem Rekordergebnis von 442,2 Millionen Euro ab. Der Markt in Österreich macht einen geschätzten jährlichen Gesamtumsatz („Wir tauschen die Zahlen nicht aus“, so Rienhoff) von 150 Millionen Euro. Frühestens im ersten Halbjahr 2023 könnten die Preise wieder sinken, sagt der Branchensprecher, dafür sei aber ein Ende der Lieferengpässe die erste Voraussetzung.

Branchensprecher Udo Rienhoff
© Hertz/Michael Fritscher